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Gmiatlich – so muss sie sein, eine Alpenvereins-Unterkunft. Hier die Falkenhütte im Karwendel.

Die "verwöhnte Masse" am Berg

Diskussion: Wie komfortabel darf eine Hütte sein?

Benediktbeuern – Wanderer und Hüttengäste nehmen immer mehr zu - und mit ihnen wird auch der Ruf nach mehr Komfort lauter. Doch wie komfortabel sollen Berg-Hütten sein? Und wie modern? Darüber hat der Alpenverein nun diskutiert.

Mit viel Enthusiasmus und unter unendlichen Mühen hat die Gründergeneration des Alpenvereins etwa ab 1865 damit begonnen, hoch gelegene „Schutzhütten“ in den Alpen zu errichten. Heute erfordern behördliche Auflagen zur Modernisierung von Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, Energieeffizienz und Brandschutz größte finanzielle Kraftanstrengungen. Beim Internationalen Hüttenfachsymposium im Kloster Benediktbeuern haben am Wochenende Vertreter des Alpenvereins aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz über die Weiterentwicklung des Hüttenwesens diskutiert. Allein dem Deutschen Alpenverein gehören 326 Häuser, 16 davon werden von den beiden großen Münchner AV-Sektionen unterhalten.

Es gehe um "eine Abgewogenheit von Alt und Neu"

Wie funktional und ökologisch müssen Alpenvereinshütten sein? Wie komfortabel sollen sie sein? Und wie modern? Neben laufenden Hüttenmodernisierungen gibt es seit einigen Jahren zwei neue Entwicklungen: Einzelne besonders marode Häuser (aktuell die Höllentalangerhütte unterhalb der Zugspitze) werden durch moderne Neubauten ersetzt. Zugleich werden immer mehr historische Hütten (zum Beispiel die Falkenhütte im Karwendel) vom Denkmalschutz entdeckt. Viele Berghütten aus der Gründerzeit sind stattliche Bauten mit überaus stilvoller Ausstattung. Gemütliche Gaststuben mit Erkern und Kachelöfen, schmucken baulichen Details und liebevollem Dekor laden den Bergfreund zum Verweilen ein – Oberbayerns Bezirksheimatpfleger Norbert Göttler sicherte dem Alpenverein dabei Gestaltungsspielräume zu, das kulturelle Erbe zu bewahren und zugleich eine zeitgemäße Nutzung der Hütten zu ermöglichen. Der Tiroler Landeskonservator Walter Hauser ergänzte, es gehe um „eine Abgewogenheit von Alt und Neu, nicht um ein entweder – oder“.

"Zunehmend verwöhnten Masse" ruft nach mehr Komfort

Mehr Wanderer und Hüttengäste und weniger ambitionierte Alpinisten auf den Hütten lassen heute den Ruf nach mehr Komfort laut werden: gehobene Küche, kleine Zweibettzimmer statt Massenlager, Warmduschen statt Katzenwäsche sind die Ansprüche einer laut Hanspeter Mair „zunehmend verwöhnten Masse“. Dem stellte Helmut Ohnmacht die Philosophie des Alpenvereins entgegen: „Wir stehen für einfach ausgestattete, funktionale Schutzhütten, deren Besucher das Natur- und nicht das Gourmeterlebnis suchen.“ Nur wo es ausreichend Wasserreserven gibt, seien Duschen möglich, und dann auch nur als kostenpflichtige Zusatzleistung.

"Altenheime, in denen die Jungen zu Gast sind"

Die betagten Alpenvereinshütten seien wie „Altenheime, in denen die Jungen zu Gast sind“, zog Walter Hauser einen reizvollen Vergleich, der spontan verstanden und mit Beifall bedacht wurde. Der war auch an Hans-Peter Huber von der Garmischer Bürgerinitiative „Rettet die Höllentalangerhütte“ gerichtet. Huber begrüßte diese Initiative der AV-Jugend deshalb, weil sich deren Kritik auch gegen allzu komfortable Wellnesshäuser richtet. Ein Teilnehmer forderte mehr Zurückhaltung bei notwendigen Ersatzneubauten: Die Architektur sollte sich hier nicht mit futuristischen Gebilden „in Szene setzen in einem Wettbewerb zur großartigen Natur.“

Was meinen Sie: Wie komfortabel sollen Berg-Hütten sein? Und wie modern? Schreiben Sie einen Kommentar und diskutieren Sie mit!

Rainer Bannier

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