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Jeder will rauf: Hier klettert der 71-jährige japanische Bergsteiger Katsusuke Yanagisawa auf den Mount Everest.

Erstmals Expedition im Programm

Alpenverein entert das Dach der Welt

Hunderte Menschen steigen pro Saison auf den Mount Everest – ohne die Sherpas würden die allermeisten das nie schaffen. Trotz Kritik an dem kommerziellen Andrang hat nun auch der Summit Club des Alpenvereins den höchsten Berg der Welt ins Programm genommen.

Mit schlappen 38 490 Euro ist man dabei: Im Frühjahr 2015 will der Summit Club erstmals eine Expedition zum 8848 Meter hohen Mount Everest anbieten. Die knapp 60-tägige Tour zum höchsten Berg der Welt solle in der Vormonsun-Zeit stattfinden, also im Mai/Juni, wenn die Chance für geeignete Wetter-Fenster am größten sei, sagte Manfred Lorenz vom Summit Club.

Gerade am Mount Everest sorgt der „Tourismus“ wohlhabender Kunden und die damit verbundene Kommerzialisierung jedoch seit längerem für massive Kritik. „Wir sind uns des kontroversen Angebots bewusst“, sagte der Geschäftsführer des Summit Clubs, Ingo Nicolay. „Wir wissen, dass wir polarisieren.“ Auf Vorbereitungstouren werde das Können der Teilnehmer vorher geprüft. „Das ist für uns die Garantie, dass die Expedition sorgfältig vorbereitet wird.“

Seit 15 Jahren habe der Summit Club Achttausender im Programm – der Mount Everest gehöre nun auch dazu. Die Entscheidung sei gefallen, weil es Kunden gebe, die die „Seven Summits“ besteigen wollten – also die höchsten Gipfel der sieben Kontinente. Und da gehöre der Mount Everest nun einmal unabdingbar dazu. Wahrscheinlich werde die Gruppe etwa sieben Personen umfassen. Der Österreicher Rupert Hauer, der selber schon auf dem Everest-Gipfel stand, werde die Tour führen, erklärte Lorenz. Der Preis in Höhe von 38 490 Euro pro Kopf sei eine „normale Kalkulation“. Allein die Genehmigungen für die Gipfelbesteigung, so genannte „Permits“, machten aber mehr als die Hälfte der Kosten aus.

Hunderte Menschen pro Jahr 

Hunderte Menschen steigen pro Saison auf zuvor von Einheimischen präparierten Routen auf, darunter waren auch schon ein 80-Jähriger, ein Nepal-Kanadier ohne Hände und ein Mann mit zwei Beinprothesen. Insgesamt dürften schon mehr als 6000 Personen den Everest bestiegen haben. Die Zahl der Toten liegt bei etwa 300. Wegen des Andrangs gibt es immer wieder gefährliche Staus an Fixseilen und Leitern.

Spezialisierte Reiseveranstalter buhlen regelrecht um Kundschaft. Zum Beispiel der Schweizer „Summit Climb“, ein Veranstalter, der die Besteigung des Everest gleich auf zwei Routen anbietet. Der Südanstieg über Nepal kostet um einiges weniger als die Tour des Summit Clubs, nämlich 22 850 Euro. Allerdings fallen diverse Extragebühren an. Auch ein persönlicher Sherpa muss extra bezahlt werden – 5600 Euro. „Ein einheimischer Träger hilft Dir beim Transport Deiner persönlichen Ausrüstung wie Sauerstoff, Schlafsack, Kamera und steigt als Führer mit auf den Berg“, heißt es zur Erläuterung.

Der Summit Club hat sich wie die Schweizer Agentur Kobler & Partner für die wegen Restriktionen der Chinesen weniger begangene tibetische Nordseite entschieden.

Auch in der Auseinandersetzung mit dem DAV habe es kontroverse Diskussionen über das Everest-Angebot gegeben, hieß es. 8000er-Expeditionen des Summit Clubs erreichten in den vergangenen Jahren den Cho Oyu, den Grasherbrum II, den Manaslu oder den Nanga Parbat. Er gilt als schwieriger als der gut 700 Meter höhere Mount Everest, zu den Todesopfern am Nanga Parbat gehören Reinhold Messners Bruder Günther und der Südtiroler Karl Unterkircher. Aktuell wird im Internet über den Summit Club eine Expedition auf den Shisha Pangma (8027 Meter) angeboten. „Wir haben in den letzten Jahren bei den Expeditionen keine Unfälle gehabt“, betont Nicolay. Völlige Sicherheit gebe es aber nie.

Sabine Dobel und Dirk Walter

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