Architektin Doris Hallama. 

Architektin im Interview

Der Trend geht zur Komfort-Hütte

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Am Freitag und Samstag beraten Experten rund um den DAV bei einem Symposium im Kloster Benediktbeuern (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) über den Wandel der Hüttenarchitektur. 

Die österreichische Architektin und Kunsthistorikerin Doris Hallama hat sich für die Ausstellung „Hoch hinaus“, die ab dem 9. März im Alpinen Museum in München zu sehen ist, mit der Geschichte der Schutzhütten befasst.

Frau Hallama, wann sind die ersten Schutzhütten des Alpenvereins entstanden?

Doris Hallama: Der Gründungsgedanke des Alpenvereins war, die Alpen für ein breites Publikum zu erschließen. Seit den 1860er-Jahren wurde unter dieser Maxime der Hüttenbau vorangetrieben – aus ganz praktischen Gründen: Damals gingen die Anstiege immer ganz vom Tal aus. Prominente Gipfel konnte man an einem Tag nicht schaffen, mit den Hütten konnte der Anstieg auf zwei Tage verteilt werden.

Es ging also vor allem um die Übernachtung?

Hallama: Genau. Man musste schlafen, kochen und seine Kleider halbwegs trocknen können. Es gab nur einen Raum mit umlaufender Bank, Pritschen, Ofen und Tisch. Dazu ein Stangengeviert, um Wäsche aufhängen zu können.

Ziemlich puristisch.

Hallama: Heute kommt uns das wahnsinnig einfach vor, aber schon damals konnte man an den Hütten erkennen, dass der Alpenverein im bürgerlichen Milieu der Großstädte entstanden ist. Die Bauherren waren wohlhabende Bürger und die haben ihre Wohnvorstellungen von Beginn an in die Hütten getragen.

Ein Hauch von Luxus in den Bergen?

Hallama: Zumindest zum Ende des 19. Jahrhunderts kann man davon sprechen. Da kam städtische Kultur in die Hütten, was man zum Beispiel an neuen Federbetten oder abgetrennten Damenräumen erkennen kann – während die Bergführer im Heu auf dem Dachboden schliefen.

Wie hat sich die Funktion der Hütten verändert?

Hallama: Der Aufenthalt ist in den Mittelpunkt gerückt – es war nicht mehr nur der Gipfel das Ziel, sondern immer mehr auch die Hütten selbst. So sind neue Räume dazugekommen, wie zum Beispiel die Veranda mit Blick auf den Gletscher, gesonderte Speiseräume, Dunkelkammern zur Fotoentwicklung oder sogar Kegelbahnen. Die Hütten wurden zum Erlebnisort.

Und für den Alpenverein zum Statussymbol.

Hallama: Ja, der Bau war auch eine Aussage. Die Hütten standen frei oder gar extra auf Plateaus, nicht etwa eingebettet in die Landschaft. Das waren Zeichen für die Erschließung der Alpen, Statements der Moderne.

Widersprach das nicht dem ursprünglichen Gedanken „Zurück zur Natur“?

Hallama: Das ist ja ein Spagat, der den Alpenverein bis heute beschäftigt. Etwa bei der Frage des Komforts: Wie viele Duschen darf es geben? Müssen es Matratzenlager sein? Trotz bergsteigerischer Askese gibt es inzwischen einen gewissen Konsens für mehr Komfort.

Was wird sich in Zukunft noch ändern?

Hallama: Die Architektur der Hütten: Lange war es ein pragmatisches Bauen, hier gibt es noch viel Potenzial, um ressourcenschonender und zurückhaltender aber auch hütten- und landschaftsspezifischer zu bauen. Immer mit der Frage, wie viel Technik muss sein? Dass alles möglich ist, wissen wir. Aber es ist vielleicht nicht alles sinnvoll.

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