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Die Hochrieshütte ist frisch saniert und um einen Erweiterungsbau ergänzt. Dafür gab es keinen Zuschuss vom DAV, was für Verstimmung zwischen dem Dachverband und der Rosenheimer Sektion sorgt, der die Hütte gehört.

Alpenvereins-Sektion klagt über Ungleichbehandlung

Hütten-Ärger auf der Hochries

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Zwischen dem Deutschen Alpenverein und seiner Ortssektion Rosenheim schwelt ein Konflikt. Die Rosenheimer fühlen sich vom DAV-Dachverband gegenüber ihren Hütten-Nachbarn der Sektion Oberland benachteiligt. Es geht ums Geld – aber nicht nur.

Rosenheim – Wer Alpenimpressionen wie auf der Postkarte sucht, wird auf der Hochries fündig: unverstellter Ausblick auf den Chiemsee und ins Inntal. Almen, Kühe, weiß-blauer Himmel – das volle Programm. Doch hinter der Fassade des Chiemgau-Idylls auf gut 1600 Metern Höhe gibt es Ärger: Die Sektion Rosenheim des Deutschen Alpenvereins (DAV), die die Hochrieshütte am Gipfel betreibt, fühlt sich vom Dachverband in München unfair behandelt.

In einem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, äußern Vorstand Franz Knarr und sein Schatzmeister Dieter Vögele das „Gefühl, aus der Solidargemeinschaft ausgeschlossen zu sein“. Hauptgrund: Für die zwei Millionen Euro teure Modernisierung und Erweiterung der Hochrieshütte gab es keinen DAV-Zuschuss.

Franz Knarr (oben) ist seit über 30 Jahren Chef der DAV-Sektion Rosenheim.

Der Grund dafür liegt auch an der Einstufung der Hochrieshütte in die DAV-Kategorie II. Das heißt: Die Hütte gilt als zu gut ausgestattet und/oder zu leicht erreichbar, um sich für die erhoffte Finanzspritze von 25 Prozent der Baukosten, 500 000 Euro, zu qualifizieren. Laut dem Sektionschef stand nur eine Hilfe von fünf Prozent in Aussicht. Das lohne die Beantragung nicht. Doch: „Keine Regel ohne Ausnahme“, sagt Knarr, der weiter auf Kulanz hofft. Gleiches gilt für die Sanierung des Brünnsteinhauses im Mangfallgebirge, für die der DAV 43.000 Euro Zuschuss zusagte, diese aber deutlich kürzte, weil Vorlauffristen für den Baubeginn nicht eingehalten wurden, wie Knarr selbst einräumt. „Wir haben wirtschaftlich gedacht und dem Verband genützt“, betont er und verweist auf mehr als 1,7 Millionen Euro Verbandsbeiträge, die seine Sektion von 2004 bis 2015 an die DAV-Zentrale überwiesen habe. Seine Sektion werde nicht lockerlassen: „Wir sind keine Streithanseln, aber wir kämpfen für unsere Belange.“

Riesenhütte wird für 2,5 Millionen Euro saniert

Darunter versteht Knarr auch Gleichbehandlung mit den Nachbarn. Mit Unmut schauen die Rosenheimer auf die 300 Meter tiefer an der Hochries gelegene Riesenhütte, die in Kategorie I eingestuft ist und der DAV-Sektion Oberland gehört. Sie ist derzeit für eine Generalsanierung bis 2019 geschlossen – Kostenpunkt: gut 2,5 Millionen Euro.

„Wir haben kein Konkurrenz-Denken zur Sektion Oberland“, betont der Rosenheimer Knarr. Doch auf deren Baustelle flössen reichlich Zuschüsse – bis zu 80 Prozent der Baukosten. „Und uns lassen sie im Regen stehen.“ Dabei sei die Riesenhütte im Gegensatz zur Hochrieshütte über eine Straße zu erreichen. „Wie kann die Riesenhütte nach den bekannten Kriterien in der Kategorie I sein?“, heißt es in dem Rosenheimer Schreiben an die DAV-Zentrale.

Der Sektion Oberland gehört die Riesenhütte.

Diese wollte sich auf Anfrage nicht zu dem Thema äußern. Man lege Wert auf den Dialog mit der Sektion Rosenheim und sei in Kontakt, heißt es nur. In einer Präsidiumssitzung Ende September stehe das Thema zur Debatte. Auch die Sektion Oberland äußert sich zurückhaltend: Man habe von dem Streit zwischen den Rosenheimern und der Zentrale nichts mitbekommen. Den Förderanteil von bis zu 80 Prozent für die Riesenhütte bestätigt die Sektion Oberland, ein großer Teil müsse aber zurückgezahlt werden. „Wir haben bisher ein gutes Verhältnis mit Rosenheim und so soll es auch bleiben“, sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Tanja Heidtmann.

In Rosenheim prüft nun ein Anwalt, ob die Sektion Ansprüche gegen den DAV-Dachverband nach dem Gleichbehandlungsgesetz hat, sagt Franz Knarr. Er wirft der Münchner Geschäftsstelle Überheblichkeit, Zentralismus und mangelnde Dialogbereitschaft vor. Bis auf der Hochries wieder Almfrieden herrscht, wird es wohl dauern.

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