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Von der Dienstjacke zur Tasche: Eine Polizistin präsentiert die Kollektion in Straubing.

Mode für einen guten Zweck

Alte Polizeiuniformen werden zu Taschen verarbeitet 

Die grün-beigen Polizeiuniformen haben ausgedient. Im Müll sollen sie aber nicht landen. Eine Designerin hat sich Gedanken gemacht, wie aus den Hosen und Jacken modische Accessoires werden. 

Straubing – Als modern würde sie kaum jemand bezeichnen – die grün-beigen Uniformen, mit denen die Polizei in den vergangenen Jahrzehnten in Bayern unterwegs war. Doch aus den alten Kleidungsstücken werden jetzt moderne Gebrauchsgegenstände. Bis Mitte 2018 sollen alle Polizisten im Freistaat mit neuen, blauen Uniformen ausgestattet werden. Die rund 600 000 ausrangierten Hosen, Hemden, Krawatten und Jacken wandern jedoch nicht in die Altkleidersammlung – sie werden weiterverarbeitet. Rund 1000 Beschäftigte der Barmherzige Brüder gemeinnützigen Behindertehilfe (BBBH) in Straubing, Reichenbach, Gremsdorf und Algasing in Niederbayern schneidern aus den Stoffen Taschen, Rucksäcke, Sportbeutel, Patchwork-Decken, Schlüsselanhänger oder sogar Yogakissen. Die Produkte soll es bis spätestens Herbst im Internet unter dem Logo „110 2.0“ zu kaufen geben.

Bei der Präsentation der ersten Modelle in der Werkstätte in Straubing zeigte sich, dass es die alten Polizeiuniformen mit Taschen oder Accessoires aus Modemagazinen aufnehmen können. Die Designerin Birgit Strasser setzt auf schlichte, aber moderne Schnitte. Sie wollte „reizvolle Kombinationen von hoher Qualität“ schaffen.

Die alten Uniformen dürfen nicht in falsche Hände geraten

Zumindest Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) hat sie gestern sofort begeistert. „Das ist lebendig, ausgezeichnet“, sagte er. Vor allem freut er sich darüber, dass die Uniformen wiederverwertet werden. „Die Entsorgung hätte erhebliche Kosten verursacht“, sagte er. Außerdem sei das eine gute Lösung, um zu verhindern, dass die ausrangierte Kleidung in falsche Hände gerät. Vor allem in der Übergangsphase, in der die grüne Uniform noch von Polizeibeamten im Dienst getragen wird, ist das wichtig. Hoheitsabzeichen, Sterne und andere Symbole werden ordnungsgemäß entsorgt. Das hat die Polizei in Niederbayern mit den Projektleitern der Behinderten-Werkstätten vereinbart. Nur hier und da hat die Designerin Polizeisterne eingesetzt, um Akzente zu setzen.

Die Einnahmen gehen an einen guten Zweck

Für die Produktion wird eine Arbeitsweise entwickelt, die auf die Fähigkeiten der Behinderten eingeht. Der Kauf der Produkte solle aber nicht aus Mitleid geschehen, betont Prior Pater Eduard Bauer. „Die Behinderten werden zeigen, dass sie zeitgenössische Produkte entwickeln können, die hochwertig, individuell und trendy sind.“ Ein Teil der Einnahmen fließt an die bayerische Polizeistiftung. Somit profitieren auch Polizisten davon, die im Dienst dauerhafte gesundheitliche Schäden erlitten haben. Oder Angehörige von Beamten, die bei einem Einsatz ums Leben kamen.

Bis die Artikel für den guten Zweck online zu kaufen sind, wird es jedoch noch ein wenig dauern. Katharina Werner, die Projektleiterin in der Straubinger Werkstätte betont: „Wir müssen sehen, dass wir die Produktion stemmen können.“ Immerhin müssen die alten Uniformen nach und nach aussortiert, gewaschen und zugeschnitten werden. Wie viel die Artikel kosten werden, steht noch nicht fest.

Magdalena Kratzer

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