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Die schöne neue Bahnwelt kommt erst mal nicht: Alltags-Szene am Bahnhof Dorfen. 

Südostbayernbahn

Mit alten Zügen ins Jahr 2020

München/Mühldorf – Schlechte Nachricht für die Pendler in Südostbayern: Obwohl das Streckennetz öffentlich ausgeschrieben wird, dürfte sich wenig ändern: Vor allem gibt es keine neuen Züge. Die Deutsche Bahn erhält einen Blanko-Scheck.

Bahnkunde ist nicht gleich Bahnkunde. Zum Fahrplanwechsel dürfen sich die München-Pendler gleich aus zwei Hauptrichtungen auf Neuerungen freuen. Auf der Strecke aus Garmisch-Partenkirchen/Weilheim wird die Deutsche Bahn ab Dezember neue Elektrotriebzüge (Talent 2) einsetzen. Und auch die Rosenheimer Fahrgäste sollen demnächst mit den neuen „Meridian“-Zügen (Flirt) fahren – wenngleich nicht ganz sicher ist, ob die Züge schon im Dezember startklar sind.

Dagegen wird auf der Strecke der Südostbayernbahn (SOB) zwischen Mühldorf, Dorfen und München das Diesel-Zeitalter noch lange nicht vorbei sein. Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Zugverkehr im Auftrag des Wirtschaftsministeriums bestellt, hat soeben europaweit die Ausschreibung der Strecken angekündigt. Ab 1. Januar 2017 soll es für den Betrieb des so genannten Linien-Stern Mühldorf einen neuen Vertrag geben. Er umfasst auch zahlreiche Nebenlinien, beispielsweise Mühldorf-Freilassing-Salzburg, Mühldorf-Passau, Traunstein-Waging, München-Ost-Grafing-Wasserburg, Prien-Aschau und Garching (Alz)-Traunstein.

Bahnkunden werden den Ausschreibungs-Bedingungen zufolge bis mindestens 2020 mit dem leben müssen, was heute schon da ist: Zum Teil altertümliche Wagen und röhrende Dieselloks. Der Bahnkritiker Michael Wengler aus Mühldorf fasst die aus seiner Sicht wenig erbaulichen Nachrichten wie folgt zusammen: „Keine neuen Züge, keine Nachrüstung von Klimaanlagen, keine stärkeren Züge, die schneller beschleunigen und bremsen können.“ Sogar die Toiletten müssten nicht erneuert werden. Einzige mögliche Verbesserung: Auf manchen Strecken könnte es eine Taktverdichtung geben – zum Beispiel einen Ein-Stunden-Takt zwischen Mühldorf und Salzburg. Auch ist schon fest versprochen, dass die 24 Dieselloks, die die SOB fährt, zum Teil durch abgasarme und bis zu 160 km/h schnelle neue Loks ersetzt werden: Ab Mitte 2014 kommen acht Dieselloks des Typs Traxx von Bombardier zum Einsatz.

Doch pocht die BEG nicht darauf, dass Bewerber neue Fahrzeuge stellen. Auf der Hauptstrecke München-Mühldorf dürfen Dieselloks mit einer Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h eingesetzt werden, 20 Prozent der Fahrten können auch mit Dieseltriebwagen mit 120 km/h geleistet werden. 80 Prozent der Wagen sollen Klimaanlagen haben. Eine Altersbegrenzung von Dieselloks ist nicht Teil der Ausschreibung, nur für die Nebenstrecken gibt es eine Einschränkung: Hier sollen die Diesel-Züge nicht älter als 20 Jahre sein.

Haupt- und Nebenstrecken werden nur in einem Paket angeboten. Das hat folgenden Hintergrund: Wäre die Hauptroute München-Mühldorf herausgelöst und einzeln angeboten worden, wäre aufgrund der hohen Fahrgast-Erlöse durchaus mit Konkurrenten zum bisherigen Monopolisten DB zu rechnen gewesen. So aber wird wahrscheinlich kein Konzern für die Strecken mitbieten. Die BEG rechnet selbst damit, dass als Bewerber nur die DB Regio bzw. die DB-Südostbayernbahn infrage kommt.

Die als Eigenbetrieb der DB organisierte SOB ist eigentlich um ein gutes Image bei den Fahrgästen bemüht und hat engagierte Mitarbeiter, die die alltägliche Pein der Fahrgäste selbst am meisten ärgert. Denn für viele Hemmnisse kann sie nichts. Die Strecke ist großteils nur eingleisig, nicht elektrifiziert und überlastet, weil hierüber der Bahnverkehr aus dem Chemiedreieck bei Burghausen rollt. Zahlreiche Bahnhöfe sind nicht barrierefrei ausgebaut, „so dass hier der Einsatz niederfluriger Fahrzeuge allein keine Barrierefreiheit bringen würde“, wie die BEG schreibt. Außerdem ist in den kommenden Jahren laut BEG mit vielen Bauarbeiten auf der Strecke zu rechnen.

Dirk Walter

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