Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund

Räumung am Hauptbahnhof - das war der Grund
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Im Gespräch: Sina Nitschke, Schülerin aus Greiling (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und Helmut Lind, Vorstandsvorsitzender Sparda-Bank München. ms

Eine Schülerin fragt nach

Wie schütze ich mich vor Altersarmut?

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München - Jedem 6. Deutschen droht die Armut. Mit seiner Patenschaftsaktion unterstützt der Münchner Merkur gemeinsam mit der Sparda-Bank München seit Jahren ältere Menschen. Nun gab ein Experte Tipps, wie sich Junge schützen.

Um diese Menschen kümmert sich der Münchner Verein Lichtblick Seniorenhilfe. Aus Anlass seines zehnjährigen Bestehens spendet die Sparda-Bank München heuer 100 000 Euro an den Verein. Ein Gespräch über Altersarmut – in dem ein junges Mädchen von Helmut Lind (52), dem Vorstandsvorsitzenden der Sparda-Bank, wissen will: Was ist die beste Altersvorsorge? Sina Nitschke, eine Schülerin aus Greiling (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen), feierte erst kürzlich ihren 17. Geburtstag. Und hat sich für ihren großen Tag ein paar gute Antworten gewünscht.

Wann sollte ich – als Teenager – mit der Vorsorge anfangen?

Am besten sofort. Je früher, umso besser. Doch leider unterschätzen viele junge Menschen dieses Thema. Sie denken: „Ich habe noch so viel Zeit.“ Und sie glauben, sie bräuchten riesige Beträge. Beides ist aber falsch.

Kleine Beträge machen also auch schon Sinn?

Natürlich! Auch mit 20 oder 30 Euro pro Monat kann man eine Menge erreichen. Wenn man jung ist, eine Ausbildung macht oder studiert, hat man eben nicht so viel Geld zur Verfügung ...

Aber wie soll ich mein Geld sinnvoll anlegen?

Das hängt sehr stark davon ab, was Du damit später machen möchtest.

Was, wenn ich das noch nicht genau weiß?

Dann macht zum Beispiel ein Bank-Ansparplan Sinn. Mit 20 Euro pro Monat und einer durchschnittlichen Verzinsung von 1,5 Prozent kannst Du hier in zwölf Jahren ein Kapital von rund 3100 Euro ansparen.

Und angenommen, ich möchte später mal ein Haus oder eine Wohnung kaufen?

Dann kann ein Bausparvertrag eine gute Basis sein. Bei einer Sparleistung von monatlich 30 Euro kommen hier in zehn Jahren rund 4000 Euro zusammen – zuzüglich staatlicher Förderung. Und: Du hast Anspruch auf ein Bauspardarlehen.

Gibt es noch was?

Als dritte Variante gibt es natürlich noch Versicherungen. Abhängig von Deinen individuellen Wünschen und Zielen kann auch eine Kombination sinnvoll sein.

Ich bin ja noch nicht volljährig ...

Du kannst trotzdem vorsorgen. Sprich mit Deinen Eltern, denn bis Du 18 Jahre alt bist, sind sie Deine gesetzlichen Vertreter. Ab dem 18. Lebensjahr entscheidest Du für Dich selbst.

Ganz ehrlich: Sind Sie der Meinung, dass sich die junge Generation gut fürs Alter vorbereitet?

Es gibt sicher viele, die einfach in den Tag hineinleben. Und ich sage nicht, dass so etwas grundsätzlich falsch ist, wenn man noch so jung ist ...

Aber?

Im Zweifelsfall ist Vorsorge immer besser. Stell’ Dir mal vor, Du hast ein Auto mit vier Airbags. Wenn nichts passiert, langen sicher auch zwei. Aber wenn mal ein schlimmer Unfall kommt, dann sind vier Airbags doch ganz nützlich, oder?

Haben Sie eigentlich auch Kinder?

 Ja, zwei Söhne – sie sind 17 und 20 Jahre alt.

Und was raten Sie denen?

Dass sie so viel wie möglich sparen. Ich selbst habe extrem viel gespart, von klein auf: Mit 14, 15 Jahren habe ich angefangen, ein Kassenbuch zu führen, da habe ich dann alles notiert, was ich bekommen habe – zum Beispiel fünf D-Mark von Opa oder zehn D-Mark von Oma. Damals gab es ja noch keinen Euro.

Und das würden Sie auch jedem jungen Menschen empfehlen?

Für mich war es richtig. Aber nicht jeder ist wie ich. Es gibt ja immer zwei Seiten einer Medaille. Man muss ehrlich sein und auf beide schauen. Jeder sollte seine eigene Balance finden – und dem eigenen Herzen folgen. So sehe ich das.

Ich habe jetzt oft gelesen, dass Altersarmut vor allem Frauen trifft. Was muss ich tun, dass mir so etwas nicht passiert?

Gute Frage.

Und wie lautet Ihre Antwort darauf?

Ich fange mal ganz allgemein an: Leider basiert unsere Gesellschaft vor allem darauf, dass Menschen nach ihrer Nützlichkeit eingestuft werden. Und Mütter, die erst mal daheim bleiben und sich um ihre Kinder kümmern, werden in dieser Gesellschaft immer noch als weniger nützlich eingestuft...

Wie finden Sie das?

Entsetzlich! Diese Frauen sind so wertvoll: Sie sind Haushalts- und Erziehungsmanagerinnen. Ich sehe das an meiner eigenen Familie: Ich – als Bankvorstand – wäre ohne meine Frau aufgeschmissen. Sie kümmert sich nicht nur um unsere Söhne. Sie macht alles daheim. Ich bin gerade zwei Wochen Strohwitwer, weil meine Frau auf einem Seminar ist. Und ich bete jeden Tag, dass sie wiederkommt. Nicht, weil dann das warme Essen auf dem Tisch steht. Nein. Es geht vor allem um die Wärme und die Geborgenheit, für die sie zuhause sorgt.

Habe ich Sie jetzt richtig verstanden: Unsere Gesellschaft schätzt die Arbeit von Müttern nicht?

Ja, dafür fehlt tatsächlich das Bewusstsein. Und weil eben die Leistungen von Müttern kaum honoriert werden, bekommen sie später nur eine Mini-Rente – und leben dann im Alter oft am Existenzminimum. Und das, obwohl sie stets für ihre Kinder da waren.

Was hätten diese Frauen anders machen sollen?

Die Frage ist doch vielmehr, was die jungen Frauen von heute – die jungen Mütter – besser machen können.

Und das wäre?

Ich kann nur allen raten, ein bisschen egoistischer zu sein: Sie müssen Geld für sich zurücklegen, als Altersvorsorge. Dafür braucht es auch keine großen Beträge. Hauptsache, sie zahlen konsequent Monat für Monat etwas ein.

Wie wichtig ist es für junge Mütter, wieder in den Job zurückzukehren?

Das ist natürlich das Thema in der heutigen Zeit – finanzielle Unabhängigkeit schützt in gewisser Weise vor Altersarmut. Aber einige Frauen trauen sich die Doppelbelastung nicht zu. Andere machen sich klein, übernehmen Aufgaben, die weit unter ihrer Qualifikation liegen. Ich glaube, all diese Frauen müssen erst einmal mehr an sich glauben – und sich stets vor Augen halten: Ich leiste als Mutter etwas Großartiges.

Könnten diese Frauen das von Älteren lernen?

Mit Sicherheit! Alle jungen Menschen können von Älteren lernen. Ich habe auch etwas gelernt: dass nicht wir die Erfahrungen machen, sondern dass die Erfahrungen uns machen. Ältere Menschen sind wie eine Schatzkiste: Man kann reingreifen – und sich dann, mit den Schätzen in der Hand, durchs Leben navigieren lassen.

Also sollten wir Jungen viel öfter mit Älteren sprechen, oder?

Klar. Für die Älteren seid ihr der reinste Jungbrunnen! -Finanziell können wir aber kaum helfen. Vieles geht doch ganz ohne Geld. Ältere Menschen fühlen sich oft allein, sie haben das Bedürfnis nach Nähe. Sie möchten nicht auf einem sozialen Abstellgleis stehen. Sie brauchen den Anschluss. Wenn man zum Beispiel in ein Altenheim geht und diese Einsamkeit sieht – dann tut einem das Herz weh. Junge Menschen könnten einfach ein bisschen von ihrer Zeit spenden. Damit würden sie viele ältere Menschen sehr glücklich machen.

Wissen Sie das aus eigener Erfahrung?

Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden – mit Eltern, Großeltern und Tanten. Heute nennt sich so etwas Mehr-Generationen-Haus. Ich habe mich doch sehr wohl gefühlt – und bin erst mit 23 Jahren ausgezogen. Meiner Meinung nach sind solche Wohngemeinschaften die Zukunft. -Weil sie vor Altersarmut schützen? Zum Teil sicherlich, denn man ist ja nicht allein.

Sie bekommen durch Lichtblick Seniorenhilfe mit, dass viele Rentner sehr arm sind. Könnten Sie selbst mit ein paar Euro pro Tag überleben?

Puh. Ich weiß es nicht. Aus der Gewohnheit heraus würde ich sagen: nein. Denn natürlich nehme ich lieber das Brot mit Himbeermarmelade als ein trockenes Stück Brot. Aber: Ich habe auch schon als Kind gelernt, meine Bedürfnisse zurückzustellen, mit sehr wenig auszukommen. Vielleicht würde es dann doch gehen. Wobei mir sehr bewusst ist, in was für einem Teufelskreis arme Menschen drinstecken. Sie würden sich zum Beispiel gern gesünder ernähren, aber sie können sich kein gesundes Essen leisten. An dieser Stelle ist einfach die ganze Gesellschaft gefragt.

Ihre Bank engagiert sich mit viel Geld für soziale Projekte. Warum ist das wichtig?

Es ist selbstverständlich, würde ich sagen. Und es ist notwendig. Jeder ist ein Teil der Wirtschaft, jeder lebt von der Gesellschaft. Eine Bank lebt von ihren Kunden – und die Älteren sind schon lange Kunden. Das heißt: Das, was wir durch diese treuen Kunden erwirtschaften, geben wir ein Stück weit wieder zurück.

Woher kommt das Geld für die bedürftigen Senioren?

Aus unserem Gewinn-Sparverein. Jeder, der volljährig ist und bei uns ein Girokonto führt, kann dort Mitglied werden. Der Verein funktioniert wie eine Lotterie mit monatlichen Sach- und Geldpreisen: Für ein Los investiert man fünf Euro im Monat. Davon gehen vier Euro aufs Sparkonto – und ein Euro in die Verlosung. Mit jedem Los, das unsere Mitglieder kaufen, tun sie also Gutes.

Ich werde nächstes Jahr 18 ...

Prima. Dann kannst Du auch Mitglied werden.

Zusammengefasst von Barbara Nazarewska.

Schenken Sie ein bisschen Würde

Scheckübergabe (v. l): Helmut Lind, Vorstandsvorsitzender Sparda-Bank München, Lydia Staltner, Vereinschefin Lichtblick Seniorenhilfe, Christine Miedl, Kommunikationsdirektorin Sparda-Bank München, Karl Schermann, Chefredakteur Münchner Merkur. 

Bei der Aktion des Münchner Merkur und der Sparda-Bank München gegen Altersarmut können Sie eine Patenschaft für in Not geratene Senioren übernehmen. Eine Patenschaft kostet 35 Euro im Monat. Das Geld kann viertel-, halbjährlich oder für ein Jahr gespendet werden. Auch einmalige Spenden sind willkommen. Der Verein Lichtblick Seniorenhilfe leitet stets die volle Summe an die Bedürftigen weiter. Überweisungen bitte auf das Konto 490 1010 des Vereins Lichtblick Seniorenhilfe (Balanstraße 45, 81669 München) bei der Sparda-Bank München, BLZ 700 905 00. Weitere Informationen gibt es beim Verein Lichtblick, Telefon: 089/67 97 10 10. Die E-Mail-Adresse des Vereins lautet: info@lichtblick-sen.de. Lichtblick Seniorenhilfe ist ein gemeinnützig anerkannter Verein. Für Ihre Spenden erhalten Sie eine Spendenquittung. Die E-Mail-Adresse unserer Zeitung zu der Aktion ist paten@merkur.de. Mehr bei uns finden Sie auch ab Montag im Internet unter: www.merkur.de/ spendenaktion.

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