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Bilden Sie einen Satz – oder „SOG-AR“ zwei: „SOG ES“ – „OCH NÖ“. Natürlich kommen die Altkennzeichen auch aus anderen Gründen gut bei den Leuten an. Aber die Spielerei, die hat schon was.

Ein Jahr Altkennzeichen 

Willkommen im Schuidl-Wahnsinn!

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München – Seit einem Jahr gibt es sie wieder, die WORs, AIBs, SOGs und die anderen alten, neuen Kennzeichen. Inzwischen ist der Sturm auf die Zulassungsstellen abgeflaut. Was bleibt, ist eine Vielfalt an Schildern und ein paar unerwartete Euro für den Haushalt.

Manche hatten ernsthaft Angst, dieser kleine Schritt zurück würde die Gemeinschaft spalten – sie fürchteten, die Rückkehr der Altkennzeichen könnte für einige die gefühlte Rückkehr zu den alten Landkreisen sein. Aber im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen passiert das Gegenteil: Tölzer mit zwei Autos wählen für beide die gleiche Buchstaben-Zahlen-Kombination, nur einmal mit einem dicken TÖL davor und einmal mit WOR. „Das ist auffällig“, sagt Thomas Schallhammer, der Fachbereichsleiter der Zulassungsstelle im Landratsamt. Von wegen Spaltung.

Bilden Sie einen Satz – oder „SOG-AR“ zwei: „SOG ES“ – „OCH NÖ“. Natürlich kommen die Altkennzeichen auch aus anderen Gründen gut bei den Leuten an. Aber die Spielerei, die hat schon was.

Gut ein Jahr ist es jetzt her, dass Altkennzeichen wieder zugelassen wurden. In Bayern waren es zu Beginn 57. In diesem Jahr sind drei hinzugekommen. Kein anderes Bundesland hat so viele alte Kennzeichen wieder zugelassen wie der Freistaat. Auch die Zahl der Landkreise, die die alten Kennzeichen wieder zulassen, ist gestiegen – zuletzt entschieden sich Hof und Landshut dafür. Sie erleben jetzt, was viele andere Landkreise schon hinter sich haben: Einen Ansturm auf die Nummernschilder.

Jeder sechste entscheidet sich für das alte WOR-Kennzeichen

Die Zahlen verdeutlichen, wie groß der in einigen Landkreisen war. Zum Beispiel in der Zulassungsstelle Bad Tölz-Wolfratshausen. Seit Wiedereinführung der alten Schilder wurden 4070 Fahrzeuge mit dem Kürzel WOR zugelassen. Die meisten entschieden sich bei der Zulassung eines neues Fahrzeugs für die alte Buchstabenkombination. Aber 881 kamen, um vom TÖL auf ein WOR zu wechseln. Umkennzeichnung, sagt man im Zulassungsstellen-Fachjargon.

Unterm Strich entschied sich jeder sechste, der kam, für das alte WOR-Kennzeichen. Und im Moment sieht’s so aus, als bleibe das auch so. „Wenn ein Fahrzeug gemeldet wird, gehen viele mittlerweile automatisch auf WOR“, sagt Thomas Schallhammer. Auch ein paar Umkennzeichner gibt es noch. „Aber die sind die Ausnahme.“

Das Bild ist fast überall in Bayern gleich. Die Leute waren wild auf das Nostalgie-Blech. Das Verkehrsministerium hat die Anträge gezählt, die bis Anfang diesen Jahres, in der heißen Phase der neuen Kennzeichenregelung, eingegangen sind. Es waren knapp 70.000.

Fazit: Der volle Schuidl-Wahnsinn, fast überall

War im Grunde eh klar. Die Wiedereinführung, die der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vorangetrieben hatte, kam von Anfang an gut bei der Leuten an. Gerade Nostalgiker konnten sich ein bisschen von dem wieder holen, was ihnen bei der westdeutschen Gebietsreform in den 70er-Jahren verloren gegangen war. Und bei vielen jüngeren Semestern gehört die Verbundenheit zum Heimatort sowieso wieder zum guten Ton.

Fazit: Der volle Schuidl-Wahnsinn, fast überall. Im Kreis Rosenheim meldeten in einem Jahr gut 4100 Fahrzeughalter ein WS-Kennzeichen für Wasserburg an. Gut 3500 entschieden sich für AIB (Bad Aibling). Mittlerweile ist der Ansturm etwas abgeebbt. Das erzählen sie überall, auch im Kreis Weilheim-Schongau. Hier ging’s ähnlich wild zu wie bei den Nachbarn aus Bad Tölz-Wolfratshausen. Alexander Maier, der stellvertretende Leiter der dortigen Zulassungsstelle, zählt mittlerweile 3000 SOG-Kennzeichen. 1000 davon waren Umkennzeichnungen.

Die haben im Übrigen einen angenehmen Nebeneffekt für die Landkreise. Sie spülen nämlich ein paar zusätzliche Euro in die Kassen, die ohne die Wiederbelebung der Altkennzeichen nicht reingekommen wären. Knapp 40 Euro kostet so eine Umkennzeichnung, wie Alexander Maier sagt. Für seinen Landkreis bedeutet das knackige 40.000 Euro Mehreinnahmen. Aus der Kreis-Kämmerei kommt allerdings gleich die Bremse: Die paar Euro, sagt ein Mitarbeiter, würden in keinem Extra-Topf gesammelt und fielen auch nicht ins Gewicht. „Wegen des Geldes hat man die alten Kennzeichen sicher nicht wiederbelebt.“

Klar, sondern weil’s die Leute wollten. Übrigens wohnt der Herr aus der Kämmerei in Weilheim, was bedeutet, dass ihm ein SOG-Kennzeichen definitiv nicht in die Tüte kommt. Nie, nie, nie. Sind halt doch nicht alle so liberal wie in Bad Tölz.

Marcus Mäckler

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