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Nicht mehr viel wert: Der Preis für Altkleider fällt und fällt. Karitative Einrichtungen wie das Bayerische Rote Kreuz verlieren dadurch wichtige Einnahmen.

Sorgen der Wohlfahrtsverbände

Altkleider: Sinkender Preis wird zum Problem

München - Bis vor Kurzem waren Altkleider ein gefragtes Gut. Doch der Preis für Kleidung aus zweiter Hand sinkt immer weiter. Und das wird für karitative Einrichtungen allmählich zum Problem.

Männerpullover müssen her. Warm, sauber und am besten nicht zu altmodisch. „Die gehen im Moment am besten“, sagt Kornelia Hegol. Und schon klingelt wieder das Telefon. Eine Frau ist dran, sie hat gerade den Kleiderschrank ihrer Tochter ausgemistet. Für Kornelia Hegol bedeutet das: Drei Säcke voll mit getragenen, aber einwandfreien Klamotten. Zwar nichts für Männer dabei, aber trotzdem: Nachschub für die Kleiderkammer der Münchner Caritas, wo sich Bedürftige gegen eine kleine Spende mit gebrauchten Kleidungsstücken versorgen können.

Die Kleiderkammer ist in einer bequemen Position, weil sie ihre Kleidung nicht verkaufen muss. Viele karitative Einrichtungen handeln aber gleichzeitig mit den in Containern gesammelten Altkleidern und kommen deshalb gerade richtig ins Rudern. Seit einiger Zeit fällt der Preis für Altkleidung – und aus einem einst lukrativen Geschäft wird ein Problem.

„Wir spüren die Auswirkungen sehr“, klagt Leonard Stärk, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Derzeit bringt eine Tonne alte Kleidung etwa 300 bis 400 Euro und damit rund ein Drittel weniger als noch vor kurzer Zeit. „Einerseits gibt es mehr abgegebene Kleidung in den Containern, andererseits werden wir sie nicht mehr los.“ Das hat mehrere Ursachen. Zum einen bringt das BRK einen Großteil seiner gesammelten Kleidung nach Afrika. Als dort im vergangenen Jahr die Ebola-Epidemie ausbrach, wurden die Lieferungen eingestellt. „Das Geschäft dort ist komplett zusammengebrochen“, sagt Stärk. Und auch die Krise in der Ukraine trifft den Handel mit Altkleidern hart. Weil der Rubel stark an Wert verloren hat, schwindet die russische Kaufkraft. Die Branche verliert damit einen großen Abnehmer von Altkleidern – besonders die teureren Stücke gingen oft nach Russland.

Am Ende treffen die Einbußen diejenigen, die mit dem Altkleidergeschäft gar nichts zu tun haben: „Die Erlöse aus der Altkleidung sind eine wichtige Einnahmequelle für uns, dadurch finanzieren wir die ehrenamtliche Arbeit“, erklärt Stärk.

Es trifft nicht nur das BRK. Auch bei der kirchlichen „Aktion Hoffnung“, die an über 2000 Stellen bayernweit Altkleidung sammelt, macht sich der Preisverfall bemerkbar. „Weniger Ertrag bedeutet weniger Hilfsprojekte, die wir unterstützen können“, erklärt Geschäftsführer Gregor Uhl. So stark wie andere Einrichtungen ist die Aktion Hoffnung aber nicht betroffen – weil sie vorgesorgt hat. „Wir arbeiten nur mit ausgewählten Sortierbetrieben in Europa zusammen“, sagt Uhl – und das seit vielen Jahren. Die Entscheidung, auf Kontinuität zu setzen und nicht wie viele kommerzielle Sammler im ständigen Wechsel dem höchstmöglichen Gewinn hinterherzuhecheln, zahle sich jetzt aus. „Wir sind trotz des schwierigen Marktes ausverkauft. Wir haben eher zu wenig Kleidung.“

Ob die Altkleiderpreise weiter sinken, ist schwer abzuschätzen. Uhl glaubt aber, dass es bald wieder aufwärts geht. „Kleidung ist ein Grundgut, irgendwann wird auch wieder gekauft.“ Gerade wenn wie aktuell in Russland der Wohlstand sinkt, greifen die Menschen laut Uhl wieder vermehrt auf gebrauchte Ware zurück. Und dann ist da ja noch der Frühling. Mildere Temperaturen spielen den Kleidersammlern in die Karten: „Wenn es wärmer wird, geben die Leute ihre gebrauchten Winterklamotten ab“, sagt Uhl.

Dann darf Kornelia Hegol endlich auf warme Männerpullover hoffen. Egal ob einzeln oder säckeweise.

Dominik Göttler

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