Die Gnadenkapelle (l) und die Kapuzinerkirche Sankt Magdalena im oberbayerischen Wallfahrtsort Altötting
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Die Gnadenkapelle (l) und die Kapuzinerkirche Sankt Magdalena im oberbayerischen Wallfahrtsort Altötting

Kleinstadt im Herzen von Oberbayern

Altötting

Altötting liegt in einer gefragten Touristen-Region. Die bayerische Stadt befindet sich in der Nähe des Chiemsees und des Berchtesgadener Lands.

  • Altötting ist eine Kleinstadt im oberbayerischen Alpenvorland.
  • Die Stadt ist als Wallfahrtsort weltweit bekannt, Gläubige pilgern zur Schwarzen Madonna in der Gnadenkapelle.
  • Die Geschichte Altöttings reicht bis in die Vorzeit zurück.

Altötting – Am 11. September 2006 stattete Papst Benedikt XVI dem Marien-Wallfahrtsort Altötting einen Besuch ab. Er wählte diese Station im Rahmen seiner ersten Reise als Papst nach Bayern aus, da er dieser Region besonders verbunden und ein großer Anhänger der Marienverehrung ist. Zehntausende Katholiken waren auf dem Kapellplatz versammelt, um an der vom Papst gehaltenen Messfeier teilzunehmen. Die Stadt ernannte Papst Benedikt XVI zu ihrem Ehrenbürger. Das Oberhaupt der katholischen Kirche schenkte der Altöttinger Maria seinen Bischofsring, den diese Statue seitdem in ihrer Hand hält.

Altötting: Lage und Geografie

Die Stadt Altötting liegt ungefähr 90 Kilometer östlich der bayerischen Landeshauptstadt München im Alpenvorland auf einer Höhe von rund 403 Metern auf einer Hochebene. Diese besteht aus Schotterschichten, die aus dem Inn-Gletscher entsprungene Flüsse dort abgelagert haben. Die Lage von Altötting am Mörnbach, der in den Inn mündet, begünstigte ihre geschichtliche Entwicklung. Im Süden grenzt das Stadtgebiet an die Kastler Höhen.

Altötting: Die geschichtlichen Anfänge der Stadt

Die Geschichte von Altötting lässt sich bis in die späte Bronzezeit zurückverfolgen. In der Zeit zwischen 1250 bis 750 v. Chr. entstand in dieser Region eine erste Siedlung. Sie wurde von Menschen errichtet, die ihre Verstorbenen in Urnenfeldern bestatteten. Die Überreste dieser Gräber wurden bei archäologischen Ausgrabungen gefunden. Darüber hinaus entdeckten Wissenschaftler Hinweise auf einen Kultus-Ort auf dem Gebiet der heutigen Stadt Altötting.

Die Entwicklung der Wirtschaft in dieser Region wurde in römischer Zeit durch den Salzhandel und -transport gefördert. Altötting lag an einem Kreuzungspunkt wichtiger antiker Straßen, die unter anderem nach Regensburg, Salzburg und Augsburg führten. Die erste gesicherte Erwähnung der Stadt in einer Urkunde wird auf 748 datiert. Sie wurde damals als „Autingas“ bezeichnet.

Altötting: Die Geschichte der Stadt im Mittelalter

Im 8. Jahrhundert erlangte die Stadt überregionale Bedeutung: Sie wurde zu einer Pfalz der bayerischen Herzöge und später zu einer Königspfalz der Karolinger. In dieser Epoche erfolgte auch der Bau einer Kapelle an dem Ort, an dem später die Wallfahrtskirche errichtet wurde. Danach entstanden in der Umgebung ein Kloster und eine Basilika. Diese wurden wie der Rest der Stadt durch einen Angriff von Ungarn um 907 nahezu vollkommen zerstört. Im 13. Jahrhundert wurde die Siedlung Neuötting gegründet, daraufhin erfolgte die Umbenennung von „Autingas“ in Altötting. Ludwig der Kelheimer errichtete zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine neue Stiftskirche in der Stadt. Die Kirche im gotischen Stil gehört heute zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Der Ursprung von Altötting als Ziel von Wallfahrten liegt im späten 15. Jahrhundert. Zunächst war das Ziel der Wallfahrt eine Armreliquie, die vom Apostel Philippus stammt. Die Reliquie wurde von König Karlmann gestiftet. Dieser karolingische Herrscher war ein Enkel von Karl dem Großen. Er hatte 865 seinen Regierungssitz nach Altötting verlegt und regierte über Italien und Bayern. Später verbreiteten sich schnell Berichte von zwei dort stattgefundenen Heilungswundern. Gläubige aus vielen Teilen Europas machten sich in der Folge auf, um in Altötting der Heiligen Jungfrau Maria zu gedenken.

Altötting: Die Geschichte vom Beginn der Neuzeit bis zur Gegenwart

Nachdem Altötting 1803 zu einer einfachen Landgemeinde herabgestuft worden war, erfolgte 1845 die Ernennung zu einer Marktgemeinde. Erst 1898 erhielt Altötting die Rechte einer Stadt. Die Anbindung an die Bahnstrecke von Mühldorf nach Burghausen bewirkte ab 1900 einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Dieser war auch dem zunehmenden Tourismus zu verdanken, vor allem im Zusammenhang mit Wallfahrten. Zum Ende des Dritten Reichs versuchten fünf Altöttinger, ihre Stadt von der Nazi-Herrschaft zu befreien, um eine Zerstörung durch die vorrückenden alliierten Truppen zu verhindern. Die Bürger wurden von einem SS-Kommando in den letzten Kriegstagen erschossen, eine später errichtete Gedenkstätte erinnert an ihr Schicksal. In den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts vergrößerte sich Altötting durch drei Eingemeindungen, dabei handelt es sich um diese Gemeinden:

  • Unterburgkirchen (1971)
  • Raitenhart (1972)
  • Kastl (zum Teil 1978)

Altötting: Einwohner, Politik und Wirtschaft

2019 hatte Altötting rund 13.000 Einwohner. Die Stadt ist in 40 Gemeinden aufgeteilt. Die Wallfahrten und der damit verbundene Tourismus spielen heute eine herausragende Rolle für die Wirtschaft der Stadt. Auch die Nähe zur Tourismus-Region Chiemsee macht Altötting zu einer gefragten Destination für Urlauber. Darüber hinaus sind einige mittelständische Betriebe des produzierenden Gewerbes in Altötting ansässig. Sie stellen unter anderem Zulieferteile für die Automobilindustrie im In- und Ausland her.

Wie in vielen anderen Gemeinden Bayerns wird die lokale Politik von den beiden Parteien CSU und Die Freien Wähler dominiert. Der Altöttinger Stadtrat besteht aus 24 Stadträten und dem Ersten Bürgermeister. Bei den Kommunalwahlen 2020 erreichte die CSU die absolute Mehrheit und stellt mit Stephan Antwerpen seit dem 1. Mai dieses Jahres den Ersten Bürgermeister.

Altötting: Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten

Gläubige und Touristen aus aller Welt besuchen die Gnadenkapelle in Altötting, um die Schwarze Madonna zu sehen. Neben dieser mittelalterlichen Marienstatue befinden sich unter anderem die folgenden sehenswerten Kunstschätze in dieser Kirche:

  • die Urnen, in denen die Herzen der Wittelsbacher Herrscher aufbewahrt werden
  • rund 2.000 Votivtafeln im Kapellenumgang
  • der Silberschmuck des Altars

Der achteckige Kapellplatz gilt mit seinem barocken Gebäude-Ensemble als einer der schönsten Freiplätze Europas. Er wurde vom Schweizer Architekten Enrico Zucalli geschaffen, der zu den bedeutenden Baumeistern des bayerischen Hochbarocks zählt. Unter anderem säumen diese Bauwerke den Kapellplatz:

  • St. Magdalena-Kirche
  • das Hotel zur Post
  • der Neue Chorherrenstock
  • das Kapuzinerkloster Altötting

Das Altöttinger Jerusalem-Panorama lockt jedes Jahr große Besucherzahlen an. Es befindet sich in einem Bau, der an eine Rundkirche erinnert. In seinem Inneren können Besucher die dramatische Kreuzigung Christi mit vielen Details ansehen. Die Darstellung wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf eine Leinwand von 1.200 Quadratmetern Größe gemalt. Es handelt sich um das einzige historische, noch erhaltene Panorama in Deutschland und ist denkmalgeschützt.

Die Altöttinger Marienwerk-Diorama-Schau gehört ebenfalls zu den viel besuchten Sehenswürdigkeiten der oberbayerischen Stadt. In über 20 Schaukästen können Besucher die Geschichte der Marienwallfahrt sehen. Dabei sind die Figuren und Miniatur-Gebäude sehr aufwendig und detailreich gestaltet.

Das Weihrauchmuseum präsentiert viele verschiedene Arten des Duftstoffes und zeigt seine Verwendung für religiöse und medizinische Zwecke. Außerdem erfahren Besucher, wie Weihrauch produziert wird.

Altötting: Wallfahrt und Bedeutung für die katholische Glaubensgemeinschaft

Seit dem Mittelalter verehren gläubige Katholiken die weltberühmte Schwarze Madonna, die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus Holz geschnitzt wurde. Sie befindet sich in der Gnadenkapelle auf dem Kapellplatz in der Stadtmitte. Die Marienverehrung durch Wallfahrten in Altötting wurde durch die Ende des 19. Jahrhunderts erfolgte Anbindung an die Eisenbahn intensiviert. Die große Bedeutung, die der Stadt von der katholischen Kirche beigemessen wird, lässt sich auch an mehreren Papstbesuchen erkennen. Im Laufe der Geschichte waren diese Oberhäupter der katholischen Kirche im Wallfahrtsort:

  • Papst Pius VI 1782
  • Papst Johannes Paul II am 19. November 1980
  • Papst Benedikt XVI am 11. September 2006

Heute kommen Jahr für Jahr über eine Million Gläubige nach Altötting, um die Schwarze Madonna zu verehren. Mehrere Pilgerwege führen von oder nach Altötting beziehungsweise durchqueren die Stadt, dazu gehören der Jakobsweg, der Rupert-Pilgerweg von Altötting nach Salzburg und die Via Maria zwischen Altötting und Mariazell.

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