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Mütter im Landkreis Altötting hatten Angst, dass ihre Milch mit Krebserregern belastet ist.

Chemikalie Perfluoroctansäure

Verunreinigtes Trinkwasser in Altötting: Industrie übernimmt für 50 Jahre Kosten für Filter 

Nach der Verunreinigung von Trinkwasser im Landkreis Altötting mit der möglicherweise Krebs erregenden Chemikalie PFOA ist die Chemieindustrie bereit, Filteranlagen zu finanzieren.

Update vom 21. November 2018: 

Nach der Verunreinigung von Trinkwasser im Landkreis Altötting mit der Chemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) zahlt die Industrie die Errichtung von Filteranlagen und deren Betrieb für 50 Jahre. Die Unternehmen, die den möglicherweise Krebs erregenden Stoff PFOA in der Vergangenheit im Chemiepark Gendorf legal eingesetzt hatten, erklärten sich zur Übernahme der Kosten in zweistelliger Millionenhöhe bereit. Am Mittwoch unterzeichneten Vertreter der Industrie und der betroffenen Kommunen im Rathaus von Altötting einen entsprechenden Vertrag.

Der Erste Bürgermeister von Altötting, Herbert Hofauer (Freie Wähler), sprach von einem „optimalen Verhandlungsergebnis“. Damit würden die Bürger nicht mit dem Bau und Betrieb der Filteranlagen finanziell belastet. „Das partnerschaftliche Engagement der Industrie ist freiwillig und unterstreicht die Verbundenheit der Unternehmen mit der Region und ihren Einwohnern“, betonte Hofauer.

Update vom 19. November 2018: Verunreinigtes Trinkwasser in Altötting

Die Industrie werde die Kosten für den Einsatz von Aktivkohlefiltern für die Städte Altötting und Neuötting sowie die Gemeinden Burgkirchen und Kastl sowie die Betriebskosten übernehmen, heißt es in einer Einladung des Ersten Bürgermeisters von Altötting, Herbert Hofauer (Freie Wähler), zur Unterzeichnung des entsprechenden Vertrages an diesem Mittwoch. Die „Passauer Neue Presse“ und der Bayerische Rundfunk (BR) hatten zuvor darüber berichtet. Laut BR soll es insgesamt um eine Millionensumme gehen.

Ziel ist es, das Trinkwasser von der Chemikalie Perfluoroctansäure (PFOA) zu reinigen. Nach der Überschreitung von Leitwerten waren bereits Aktivkohlefilter in einem Ortsteil Altöttings sowie in dem Ort Kastl installiert worden. Manche Orte stellten die Versorgung um, teils holen sie Wasser aus großer Tiefe oder aus anderen Orten außerhalb des belasteten Gebietes. Das gilt aber als Übergangslösung.

PFOA war bei Firmen im Chemiepark Gendorf in Burgkirchen an der Alz legal im Einsatz gewesen. Der Stoff ist laut einem Gutachten in einem Gebiet von 190 Quadratkilometern im Boden enthalten und gerät weiter ins Grundwasser. „Es wird noch viele Jahre dauern, bis sich der Stoff abgebaut hat“, sagte ein Sprecher des Landratsamtes.

Untersuchungen hatten ergeben, dass Muttermilch von Frauen aus der Gegend stärker belastet war als die von Frauen aus München. In den meisten der 965 freiwillig abgegebenen Blutproben von Anwohnern waren die Werte höher als im bayerischen Durchschnitt.

Unser Artikel vom 9. August 2018: Ergebnis der Muttermilch-Untersuchung liegt vor

Altötting - Nachdem womöglich krebserregende Chemikalien im Trinkwasser entdeckt wurden, hat das zuständige Gesundheitsamt Altötting die Milch von Müttern in Kastl und Tüssling untersuchen lassen. 13 Mütter haben freiwillig Proben abgegeben, um Gewissheit zu haben.

Mütter haben freiwillig Proben abgegeben

Die Proben der Mütter aus Kastl und Tüssling wurden mit Proben von 50 Müttern aus München verglichen. Nun liegen die Ergebnisse vor: Zwar wurde bei den 13 freiwilligen Milchproben eine vergleichsweise höhere Konzentration des Stoffes Perfluoroctansäure (PFOA), der laut Experten Krankheiten wie Krebs begünstigen könnte, festgestellt. Das sei aufgrund der Belastungsergebnisse des Trinkwassers im Landkreis Altötting aber zu erwarten gewesen, wie das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit mitteilt.

Gesundheitsamt: „Kein Anlass, von Stillempfehlung abzurücken“

„Die jetzt vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass kein Anlass dafür besteht, von der bereits bestehenden Stillempfehlung abzurücken“, so das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Die Nationale Stillkommission am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich bislang noch nicht geäußert. Bisher habe aber keine internationale Organisation bei vergleichbaren Ergebnissen vom Stillen abgeraten.

Milchproben: Acht weitere Substanzen wurden untersucht

Untersucht wurden bei den Milchproben auch acht weitere perfluorierte Substanzen wie Perfluoroctansulfonsäure (PFOS). PFOS wurde dabei in den Muttermilchproben aus Altötting nur in vier von 13 Proben bestimmt und bewegte sich in einer mit München vergleichbaren Konzentration. Die Gehalte der übrigen perfluorierten Verbindungen lagen in allen Muttermilchproben unterhalb bzw. in nur einem Fall geringfügig oberhalb der Bestimmungsgrenzen. Die Befunde wurden an die Mütter verschickt, zudem wurde ihnen ein persönliches Gespräch angeboten.

Auch in der Region Freising gab es Probleme mit Keimen im Trinkwasser.

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelgesundheit/sh

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