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Die Geschäfte an der bekannten Flaniermeile am Königssee dürfen nicht mehr sonntags öffnen.

Wegen Beschwerden

Amt macht Touristen-Läden am Königssee  dicht

Schönau am Königssee - Am Königssee, einer der Touristen-Attraktionen Bayerns, verbietet das Landratsamt den Händlern ab sofort, ihre Läden am Sonntag zu öffnen. Die Geschäftsleute befürchten Umsatzeinbußen.

Mehr als eine halbe Million Touristen besuchen den Königssee jedes Jahr. Sie wollen im südöstlichsten Zipfel Oberbayerns Schifferl fahren, die weltberühmte Wallfahrtskirche St. Bartholomä mit ihren roten Zwiebeltürmen bewundern – und in Schönau das ein oder andere Souvenir kaufen. Doch das ist künftig nur noch werktags möglich.

Das Landratsamt hat angeordnet, dass der Großteil der 30 Standl in der Seestraße an Sonn- und Feiertagen geschlossen bleiben muss. Zum großen Ärger der Geschäftsleute. Gestern hatten erstmals etwa zehn Läden zu – sie haben bereits einen Bescheid bekommen oder schließen in vorauseilendem Gehorsam. Den anderen Betreibern dürfte kommende Woche Post vom Landratsamt ins Haus flattern.

Franz Schön vom „Königsseer Sportladl – Sport 2000“ macht das stinksauer: „Ich hab die Schnauze voll“, sagt er. Er steht am Sonntagnachmittag vor seinem geschlossenen Geschäft. An der Scheibe hängt ein gelber Zettel, der seine Kunden über die Zwangsschließung informiert. Auch Wolfgang Riehl ist betroffen. Seit 50 Jahren gibt es sein gleichnamiges Trachtengeschäft, schon immer hat Riehl seine Läden am Königssee auch sonn- und feiertags geöffnet. „Sonntage gehören mit zu den umsatzstärksten Tagen“, sagt er. Riehl befürchtet deutliche Umsatzeinbußen, 30 Prozent hält er für realistisch. Denn gerade an Wochenenden strömen Tagestouristen an den Königssee. Die Mieten am Königssee, sagt ein Ladenbesitzer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sind „Wucher“. „Es wird sich noch zeigen, wie viele ins Schwanken geraten“, prognostiziert ein Betroffener.

Wieso verbietet das Landratsamt den Ladenbetreibern, ihre Produkte ausgerechnet an Sonn- und Feiertagen zu verkaufen? Das Thema sorgt vor Ort für emotionale Debatten. Erst kürzlich hatte die Gemeinde Schönau gemeinsam mit dem Landratsamt alle Geschäftsleute zu einem Gespräch geladen. Dort wurde mitgeteilt, dass zahlreiche anonyme Anzeigen eingegangen seien, in denen die Sonntagsöffnungen beklagt werden. Hinzu kommt, dass laut einer Rechtsverordnung zur Regelung des Ladenschlusses in der Gemeinde aus dem Jahr 2004 exakt aufgeführt ist, was an maximal 40 Sonn- und Feiertagen verkauft werden darf: „Badegegenstände, Devotionalien, frische Früchte, alkoholfreie Getränke, Tabakwaren, sowie Waren, die für die Gemeinde Schönau am Königssee kennzeichnend sind.“ Der Anteil dieser Waren muss mindestens 50 Prozent des Sortiments betreffen – das ist in den meisten Läden nicht der Fall: „Wir müssten also auf jedes Dirndl ‚Mit Grüßen vom Königssee‘ sticken“, sagt Riehl, „dann könnten wir weiterverkaufen.“

Mehrere Ladenbesitzer fordern jetzt ein Gewohnheitsrecht ein. Doch Andreas Bratzdrum, Pressesprecher im Landratsamt, wiegelt ab: „Ein Gewohnheitsrecht gibt es nicht.“ Die Geschäftsinhaber seien angehalten worden, sich an das Ladenschlussgesetz zu halten, sagt er. „Hält man sich nicht an die Aufforderung, droht ein Zwangsgeld“, sagt Bratzdrum. Die Geschäftsleute fühlen sich vor den Kopf gestoßen: „Ich traue mich nicht mehr, zu öffnen“, sagt einer. Selbst Andenkenläden scheuen den Streit mit dem Landratsamt.

Bei der Gemeinde Schönau sei der Wunsch groß, dass die Geschäfte weiterhin geöffnet seien, sagt Geschäftsführer Hannes Rasp. Aber er sagt auch: „Das Landratsamt handelt juristisch korrekt.“

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