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Bayerisches Urvieh: Das Foto zeigt einen heimischen Edelkrebs. Durch eine Seuche ist das Tier in manchen Gewässern schon nahezu ausgerottet. Gezielte Rettungsaktionen sollen jetzt helfen.

Artensterben in bayerischen Gewässern

Amerikanische Invasion bedroht Krebse

In vielen bayerischen Seen und Flüssen sterben die heimischen Krebse – und zwar in Massen. Schuld daran ist ein amerikanischer Doppelgänger der Wasserbewohner. Jetzt versuchen Gewässerexperten, die bayerischen Krebse zu retten.

Im Eibsee (Kreis Garmisch-Partenkirchen) gab es bis vor ein paar Jahren jede Menge Edelkrebse. Plötzlich starb der gesamte Bestand – innerhalb weniger Wochen. Der Grund: Die sogenannte Krebspest, eingeschleppt von einem Doppelgänger der heimischen Krebse aus den USA.

Das massenhafte Krebssterben im Eibsee ist kein Einzelfall. In ganz Europa machen amerikanische Krebsarten den heimischen Wasserbewohnern das Leben schwer. Manche amerikanische Arten sehen fast genauso aus wie der bayerische Edelkrebs und übertragen einen für sie ungefährlichen Pilz, den die hiesigen Krebsarten nicht überleben (siehe Kasten).

Neu ist das Problem nicht. „Das geht schon seit über 100 Jahren so“, sagt Ulrich Wunner, Fachberater für Fischerei im Bezirk Oberbayern. Er spricht von einer „Seuche“. Aufhalten könne man die nicht. Aber wie sind die amerikanischen Krebse überhaupt nach Bayern gekommen?

Wunner kennt einen Grund: Vor einem Jahrhundert sei es Mode gewesen, fremde Arten nach Bayern einzuführen – auch die Regenbogenforelle sei so aus Nordamerika in die heimischen Seen und Flüsse gelangt. „In manchen Gewässern hat man Kamberkrebse angesiedelt, um sie als Delikatesse zu verkaufen“, sagt Wunner. Aber auch Aquarianer oder Tierfreunde können zur Verbreitung der amerikanischen Tiere beitragen, so Christoph Mayr vom Bayerischen Landesamt für Umwelt: „Die gebietsfremden Krebsarten sind zum Beispiel im Zoohandel käuflich. Manche setzen sie später in Flüssen oder Seen aus, aus Unkenntnis oder falsch verstandener Tierliebe.“ Auch dadurch seien die Einwanderer immer noch „auf dem Vormarsch“ – und zwar in ganz Bayern.

Im Main ist der Bestand an ursprünglich dort vorkommenden Arten laut der Fischerei-Fachberatung Unterfranken nahezu ausgerottet. Und auch in den großen oberbayerischen Seen wie dem Ammersee kommen heimische Arten laut Wunner nicht mehr vor.

Das Hauptproblem sei laut Fischexperte Mayr, dass auch Gewässer, die bislang noch nicht von der Krebspest betroffen waren, jederzeit infiziert werden können. „Jeder Bootsbenutzer, jeder Taucher, selbst jeder Gummistiefelträger kann die Pilzsporen von einem Gewässer zum nächsten tragen“, sagt Mayr. Denn: Die Sporen können in feuchter Umgebung auch außerhalb des Wassers bis zu zwei Wochen überleben.

In Oberbayern versuchen Experten dem Massensterben der Krebse entgegenzuwirken. Wunner und sein Team starteten in diesem Jahr Aktionen an der Glonn bei Markt Indersdorf (Landkreis Dachau) und am Weit- und Förchensee in der Nähe des Chiemsees. Etwa 800 Edelkrebse setzten die Gewässerschützer allein in den beiden Seen aus. Wunner hofft nun, dass sie sich „fest vermehren“. Und dass die Tiere die gleichen Abwehrkräfte gegen den Pilz entwickeln wie ihre Verwandten aus USA: „Die Anzeichen dafür sind erkennbar, da in manchen Seen nicht alle Edelkrebse sterben.“ Allerdings könne es Jahrhunderte dauern, bis die Krebse eine Immunität gegen die Pest entwickelt haben.

Einen schnellen Effekt erwünscht sich Christoph Mayr durch eine klare Ansage: „Es ist strikt verboten, diese Tiere in Seen oder Flüsse zu entlassen.“ Ulrich Wunner hat dagegen eine Empfehlung an die Fischer. „Sie sollen die amerikanischen Krebse fangen und als Lebensmittel nutzen. Für den Menschen ist der Pilz ungefährlich.“ Vielleicht steht also bald auf oberbayerischen Speisekarten nicht nur Renke oder Forelle, sondern auch Signal- und Kamberkrebs.

Veronika Stangl

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