Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus

Wieder Probleme bei Stammstrecke Richtung Osten: Züge fallen aus
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Das völlig verbogene Mountain-Bike von Michael S. direkt nach der schrecklichen Tat.

Amokfahrt am Ammersee

Sie dachte, der Radler ist ihr Ex-Mann

Augsburg - Kein Wort der Entschuldigung, kein Wort des Mitgefühls – auch am letzten Prozesstag um die Amokfahrt vom Ammersee blieb Dagmar O. merkwürdig unberührt von der Tatsache, dass sie am 31. August 2008 einen Radler überrollt und lebengefährlich verletzt hatte.

Nur, weil der den Außenspiegel ihres Mercedes’ touchiert hatte. „Sie hat bis heute keinen emotionalen Zugang zur Tat“, erklärt ein Gutachter diese Teilnahmslosigkeit. Aber für das Gericht waren nur die Fakten entscheidend. „Dagmar O. hat ihren Pkw als Waffe gebraucht.“ Das Urteil für die amokfahrende Ärztin (47): fünf Jahre und drei Monate Knast – wegen versuchten Totschlags.

Kaum zu glauben: Ein Gutachter geht davon aus, dass die Frau in dem Mountainbiker ihren verhassten Ex-Mann sah – und deshalb ausrastete. Die Staatsanwältin sprach von einer „Kanonenkugel mit unbändigem Vernichtungswillen“!

Rabiate Autofahrerin verfolgt und rammt Mountainbiker

Rückblende: Der 31. August 2008 ist ein herrlicher Sommertag. Hunderte sind rund um den Ammersee unterwegs, um ein erfrischendes Bad zu nehmen. Auch Michael S. Der 39-jährige Ingenieur fährt mit seinem Radl auf dem Seeweg Richtung Riederau, als es passiert: Als er sich an dem A-Klasse Mercedes der Gynäkologin vorbeischlängeln will, beschädigt er den Außenspiegel, zeigt ihr den Stinkefinger und fährt davon.

Da sieht Dagmar O. Rot. Sie verfolgt Michael S., bis sie ihn – zwei, drei Minuten später – in St. Alban vor der Kühlerhaube hat. Sie beschleunigt auf Tempo 60, rammt den Radler und überfährt ihn eiskalt. „Das macht der nie wieder“, soll sie anschließend gebrüllt haben. Dann schlägt sie dem Kollegen, der erste Hilfe leistet, auch noch vor, den blutüberströmten Michael S. mit Globoli zu behandeln …

Der Mountainbiker und die Ärztin

Entsetzt sind Zeugen auch, als sie sehen, dass mit der Frau ihre beiden Kinder, ein Bub (8) und ein Mädel (15), im Wagen sitzen. „Mama, warum hast Du das getan?“ fragen sie, als der Mercedes zum Stehen kommt. Eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Fest steht: Dagmar O. war im Sommer 2008 in einer schweren Lebenskrise. Sie hatte eine Fehlgeburt, ihr Mann hatte sie verlassen. Gegen die Depressionen nahm sie Medikamente – und begann zu trinken. Inzwischen soll die Ärztin wieder arbeiten.

Ihr Anwalt hatte auf eine Bewährungsstrafe plädiert und darauf hingewiesen, dass man überhaupt nicht wisse, was mit den Kindern geschehen soll, wenn die Mutter ins Gefängnis muss. Fragen wirft auch die Arbeit der Polizei auf. Warum wurde die Kripo nicht eingeschaltet, warum kein Gutachter? Die Staatsanwältin klagte gestern jedenfalls: „Es ist alles getan worden, um die vorhandenen Spuren zu verwischen!“ Radler Michael S. ist inzwischen glücklicherweise wieder auf dem Weg der Besserung, wird aber wohl künftig mit Behinderungen leben müssen.

Martin Aerzbäck

Zeuge dokumentierte die Spuren

Die Amokfahrt vom Ammersee am 31. August 2008 – Harald H. hat sie nur einen Steinwurf vom Unglückort entfernt auf einem Steg erlebt. „Ich hab gerade ein Boot vertäut. Da hörte ich, wie ein Mercedes plötzlich beschleunigt. Ich schätze auf 60, 70 Stundenkilometer, dann sah ich nur noch einen Staubwolke und hörte einen Schlag.“ Der 58-jährige Schwabe, der seit 2001 eine Ferienwohnung am Ammersee besitzt, rennt sofort den Steg zurück, will helfen.

Doch dann sieht er, dass schon zwei Nachbarn unterwegs sind, ein Urologe und ein Zahnarzt: „Also bin auf dem Steg geblieben.“ Erst später sieht er sich die Unfallstelle an und wundert sich, dass die Polizei – für sein Empfinden – gar keine Spuren sichert. Er holt seine Kamera und dokumentiert alles. Als ein paar Tage später Werner S., der Vater des schwerverletzten Radlers, Unfallzeugen sucht, muss Harald H. passen. „Ich hab nichts gesehen. Aber vielleicht helfen ihnen Fotos vom Unglücks­ort. Ich kann sie ihnen auf eine CD brennen.“ Beim Prozess in Augsburg waren diese Fotos nun wichtige Beweismittel. Beweismittel, die die Polizei leider nicht vorlegen konnte.

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