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Der Attentäter Georg R.: Seine Mitschüler beschreiben ihn als unauffälligen Außenseiter.

Georg (18) mit MP gestoppt

Amoklauf in Ansbach: Das ist der Täter

Ansbach - Mit einer Axt und Molotow-Cocktails ist ein 18 Jahre alter Gymnasiast an seiner Schule in Ansbach in Franken Amok gelaufen. Er richtete ein Blutbad mit neun Verletzten an, ein Mädchen ringt mit dem Tod.

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Diese Kinderaugen – sie blicken wach und neugierig in die Ferne, der Bub hat zudem ein melancholisches Lächeln aufgesetzt. Es ist Spätsommer, und Georg R. – der spätere Täter von Ansbach – geht in die 3. Klasse. Er gilt als braver, etwas zurückhaltender Bub. Doch er ist auch durchaus beliebt, hat Freunde, treibt sich nicht alleine rum. Dazu schreibt er gute Noten. Der Sprung aufs Gymnasium fällt ihm leicht. Jahre später – es könnte gestern gewesen sein – lächelt der gleiche Mensch im Garten in die Kamera. Ein Flaum über der Oberlippe soll den jungen Mann älter machen.

In Lebensgefahr: Mareike.

Trug er sich da schon mit dem Gedanken von einer „Apokalypse“, wie er auf Zettel kritzelte, die in seinem Zimmer im elterlichen Haus gefunden werden. Bis gestern trug er jedenfalls diesen bösen Schmerz und diese grenzenlose Wut auf die Welt tief in sich, eine Wut, die niemand wirklich erkannte.

Amoklauf mit Axt und Molotowcocktails

Verletzt: Christiane.

Dann, kurz vor 9 Uhr morgens, brach der Hass auf die da draußen, auf die, denen das Leben offensichtlich mehr schenkte, aus ihm heraus: Georg, der einmal so lieb war, wurde zum Amokläufer. Mit Axt und Molotowcocktails bewaffnet stürmte er seine Schule und hieb und schlug um sich. Und verbrannte dann auch noch alles in einer Stichflamme eines Molotow-Cocktails. Wie kam es nur zu diesem Ausbruch?

Verletzt: Isabella.

Nichts hat sich bis dato der Abiturient zu schulden kommen lassen. Die Eltern sind zwar geschieden, trotzdem wächst Georg durchaus wohlbehalten inmitten einer intakten Familie auf. Und die Mutter lebt eh nur wenige Meter die Straße hinauf. Seine Mitschüler in der Kollegstufe ahnen aber nicht, dass er seit längerer Zeit eine Psychotherapie absolviert, wie der Bayerische Rundfunk meldet.

Verletzt: Annika.

Die Klassenkameraden am Ansbacher Gymnasiums Carolinum beschreiben den jungen Mann auch als „Außenseiter“. Mädchen finden ihn irgendwie komisch, ein „Computer-Nerd“ sei er – einer, der nur am Rechner hängt. Diese Woche wäre die Kollegstufe auf Klassenfahrt nach Rom gefahren. Ist hier ein Auslöser für die Gewalttat zu suchen? Eine Schülerin, der ebenfalls der Angriff gegolten hatte, sagt jedenfalls: „Wir haben ihn oft gehänselt“. Denn Heavy-Metal-Fan Georg R. fiel einfach auf mit seinem schwarzen Ledermantel, und er fiel auf, weil er oft allein herumsaß. Trotzdem: Die 18-jährige Jessica M., die mit ihm zur Grundschule ging, kann nicht glauben, was passiert ist: „Auch wenn er irgendwie ein Freak war, so etwas hätte ich ihm nicht zugetraut.“

Hintergrund:

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Und Tobias F. (18), mit dem er in der Grundschule gut befreundet war, sagt: „Ich kann das gar nicht glauben.“ Doch Amokläufer wie der Gymnasiast aus dem mittelfränkischen Ansbach werden laut Kriminalpsychologe Jens Hoffmann von einer „Mischung aus kalter Wut und Verzweiflung“ getrieben. „Es gibt immer wieder die gleichen Muster“, sagte der 40 Jahre alte Experte von der Technischen Universität Darmstadt. „Wir sehen in solchen Fällen immer wieder Zurückweisungen von Mädchen und persönliche Krisen.“ Dies führe zu einer starken Schädigung des Selbstwertgefühls. „In der Folge flüchten sich gerade Männer in eine Kriegermentalität.“ Frauen würden selten Amokläufe begehen.

Anders als bei den Amokläufen von Winnenden und Erfurt wird es aber endlich Antworten zu einem Amoklauf an einer Schule geben – und was einen dazu treibt. Denn Georg R. lebt, Allerdings ist sein Zustand kritisch.

Antonia Wille Markus Christandl

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