1. Startseite
  2. Bayern

Bizarre Strafakte des Angreifers: Sein Weg aus der Heimat bis nach Würzburg

Erstellt:

Von: Johannes Welte, Markus Christandl

Kommentare

Es klingt unglaublich, ist aber wahr: Der Mann, der in Würzburg drei Frauen tötete, geriet bereits öfter ins Visier der Behörden. Für gefährlich gehalten wurde er offenbar nicht.

Würzburg - Am 6. Mai 2015, also vier Monate vor der Grenzöffnung für Flüchtlinge, erreichte ein junger Mann nach einer Odyssee durch Nordafrika Deutschland. Sein Name: Abdirahman J. – der am Freitag mit einem Messer in Würzburg drei Frauen tötete, sechs weitere Menschen schwer und eine Person leicht verletzte. Der 24-Jährige sitzt wegen des Verdachts des u. a. dreifachen Mordes in U-Haft. Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt wegen eines mutmaßlichen islamistischen Motivs. Am Dienstag wurden erste Ermittlungsergebnisse der eingesetzten „Soko Main“ bekannt…

Demnach reiste der Somali über das Mittelmeer nach Italien ein. Er wurde vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in der Außenstelle Chemnitz in Sachsen erfasst und untergebracht. Seinen am 21. Mai 2015 gestellten Asylantrag begründete Abdirahman J. damit, dass er von der islamistischen Terrororganisation al-Shabaab in Somalia verfolgt und bedroht werde. Er habe daher flüchten müssen. Sein Asylantrag wurde zwar abgelehnt, Abdirahman J. wurde aber subsidiärer Schutz gewährt – er durfte bleiben. Seit Ende 2019 wohnte der Somali in Würzburg in einem Obdachlosenheim.

Würzburg: Amokläufer in Deutschland schon öfter negativ aufgefallen

Bereits mehrfach war er im Visier der Polizei: Bei der Auseinandersetzung in einer Asylunterkunft Ende 2015 in Sachsen erlitten er und sein Kontrahent leichte Schnittverletzungen. Da es widersprüchliche Angaben der Beteiligten gab, wurde das Verfahren eingestellt.

Im gleichen Jahr soll Abdirahman J. am Telefon erzählt haben, dass er 2008/2009 im Auftrag der Terrormiliz al-Shabaab in Somalia Zivilisten, Journalisten und Polizisten getötet habe! Ein Zimmernachbar hörte das mit und meldete das erst im Januar 2021 den Behörden. Die eröffneten kein Ermittlungsverfahren, da der Somali damals elf bzw. zwölf Jahre alt und somit nicht strafmündig war.

Kurz nach dem Amoklauf: Schwerbewaffnete Polizisten sichern die Würzburger Innenstadt
Kurz nach dem Amoklauf: Schwerbewaffnete Polizisten sichern die Würzburger Innenstadt. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

In Würzburg bedrohte er am 12. und 13. Januar Mitbewohner mit einem Messer. Abdirahman J. kam für gut eine Woche in eine psychiatrische Klinik. Die Staatsanwaltschaft beantragte ein psychiatrisches Gutachten über seine Schuldfähigkeit, das noch nicht erstellt wurde, jetzt wurde ein neues bestellt.

Am 14. Juni setzte sich der Somali in Würzburg* bei einem Autofahrer einfach auf den Beifahrersitz und schwieg. Er kam er wieder in die Psychiatrie-Klinik, verließ sie am nächsten Tag auf eigenen Wunsch.

Amoklauf von Würzburg: Behördliches Versagen trotz Psychiatrie-Aufenthalten?

Was sich viele fragen: Wieso wurde der Messerattentäter bei mehreren Aufenthalten in der Psychiatrie – zuletzt zehn Tage vor der Tat – nicht eingewiesen? Die Ärzte sahen das nicht als notwendig an. Laut seines Pflichtverteidigers Hans-Jochen Schrepfer könnten Sprachprobleme Grund für eine Fehleinschätzung gewesen sein. Tatsächlich wurde J. in der Psychiatrie ohne Dolmetscher behandelt. Grund: „Er sprach sowohl Deutsch als Englisch. Es war deutlich, dass er alles verstanden hat“, berichtet Markus Mauritz, Sprecher des Bezirks Unterfranken, der die Klinik betreibt. Schrepfer kritisiert: „Er spricht nur ein Stück weit Deutsch oder Englisch.“ Eine Anamnese ohne Dolmetscher sei sehr problematisch.

Drei Frauen starben in Würzburg bei einem Messerangriff. Zeugen schildern nun ihre Eindrücke. Ein Kellner berichtet, dass auf einmal Menschen ins Lokal gestürmt kamen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Übrigens: Die wichtigsten Geschichten aus dem Freistaat gibt‘s jetzt auch in unserem brandneuen, regelmäßigen Bayern-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion