Jahrelanges Martyrium

Amputation nach Pfusch: Patientin verklagt Klinik

Bayreuth/Halle - Nach einer missglückten Operation am Fuß, entzündete sich dieser so, dass der 47-Jährigen Patientin das gesamte Bein amputiert werden musste. Nun hat sie die Klinik verklagt, mit wenig Aussicht auf Erfolg.

Für ein jahrelanges Martyrium nach einer Fuß-OP wird eine Patientin voraussichtlich nicht entschädigt. Die ehemalige Verwaltungsangestellte kam am Donnerstag im Rollstuhl zum Oberlandesgericht München, wo sie für die Amputation ihres rechten Beins insgesamt etwa 400 000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld vom Klinikum Passau forderte. Nach dem Eindruck des Senats liegt „ein besonders tragischer atypischer Fall“ vor, für den niemand verantwortlich gemacht werden könne.

Die 47 Jahre alte Frau hatte sich im März 2006 der Operation unterzogen. Sie sei auf die mögliche Folge einer Amputation nicht hingewiesen worden. Da der Eingriff unbestritten nicht lebensnotwendig gewesen sei, wäre eine besonders sorgfältige Aufklärung nötig gewesen, begründet die Patientin ihre Klage, mit der sie in erster Instanz scheiterte.

Arzt erinnert sich nicht

Der Arzt, der sie auf den Eingriff an der Hammerzehe vorbereitet hatte, konnte sich an das Gespräch nicht konkret erinnern. Der Vorgang sei aber immer derselbe. Er spreche mit dem jeweiligen Patienten die Operation anhand des Aufklärungsbogens durch. Dabei spreche er auch den schlimmsten Fall, den Verlust von Gliedmaßen, an. Bei der Patientin war infolge der Infektion ein Knochen- und Gewebeschwund aufgetreten. Nach vier Jahren musste ihr rechtes Bein in Oberschenkelhöhe abgenommen werden.

Die Klägerin bestreitet, dass sie auf den möglichen Knochen- und Gewebeschwund oder gar das Risiko einer Amputation hingewiesen wurde. Andernfalls hätte sie die Operation nicht vornehmen lassen. Ihr bei dem Aufklärungsgespräch anwesender Mann konnte sich an Einzelheiten nicht mehr erinnern, das Wort Amputation sei aber „mit Sicherheit nicht gefallen“.

Der Senat neigte nach den Anhörungen dazu, die Ausführungen des Arztes für glaubwürdiger zu halten. Das Gericht kann sich aber eine Erledigung des Rechtsstreits durch Zahlung einer „gewissen Summe in Anbetracht des tragischen Falles“ vorstellen. Andernfalls wird die Verhandlung am 29. Januar 2014 mit der Anhörung eines Sachverständigen fortgesetzt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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