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Wenn es um Verkehrssünden geht, versuchen Autofahrer oft zu verhandeln.

Amtgerichtschef: Bei Verkehrs-Punkten wird hart gekämpft

München - Verkehrssünder versuchen oft, vor Gericht zu verhandeln. Auch wenn es ums verbotene Telefonieren mit dem Handy am Steuer geht, sind Autofahrer um Ausreden nicht verlegen:

Er habe sich schnell rasieren müssen, sagt ein Autofahrer, ein anderer habe sich wegen Zahnschmerzen die Backe gehalten und der dritte will sich am Ohr gekratzt und dabei gesungen haben. Das nutze nichts, wenn die Polizei den Verstoß sicher beobachtet habe, sagte dazu der Präsident des Münchner Amtsgerichts, Gerhard Zierl, am Freitag bei seiner Jahrespressekonferenz.

Mehr als 12 300 Bußgeldverfahren und fast 3500 Strafverfahren mussten die 15 Richter am Münchner Verkehrsstrafgericht 2011 bewältigen. „Wir stellen fest, dass doch sehr gekämpft wird“, sagte Zierl. Manchmal geh es fast härter zu als bei Kapitaldelikten - vor allem, wenn der Führerschein zur Debatte stehe.

Sorge mache ihm der hohe Anteil der Trunkenheitsfahrten, betonte Zierl. Um Alkoholdelikte gehe es in 50 Prozent der Verfahren. Dabei lohne eine Fahrt unter Alkohol finanziell nicht, rechnete Zierl vor. Mit 1,6 Promille und möglichen Unfallschäden können 60 Tagessätze plus mindestens eine einjährige Führerscheinsperre fällig werden. Mit dem Geld könnten Dutzende Heimfahrten mit dem Taxi und Hunderte mit den öffentlichen Verkehrsmitteln finanziert werden.

Immer mehr Radler sind betrunken unterwegs

Vor allem Radler werden zunehmend alkoholisiert erwischt. Erstaunlich oft würden mehr als zwei Promille festgestellt. „Man kann damit offenbar noch ein bisschen Rad fahren.“ Auch hier droht Führerscheinentzug, allerdings durch die Führerscheinstelle. Bei roten Ampeln seien Radfahrer ebenfalls oft lax - dabei gibt es auch für sie Punkte.

Vor Gericht versuchten Verkehrssünder oft, etwas auszuhandeln. Die Strafe sei aber keine Verhandlungssache. „Man kann nicht handeln - doppelte Geldbuße und dafür keine Punkte.“ Zu den Plänen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zur Vereinfachung des Punktesystems und einem Führerscheinverlust bei 8 statt 18 Punkten sagte Zierl, er sei skeptisch, ob es damit weniger Verfahren geben werde. „Wenn weniger Punkte zu einem Entzug des Führerscheins führen, könnte ich mir auch vorstellen, dass es mehr wird“, sagte er. „Wir warten das als Richter ab - aber spannend wir das auch für uns.“

dpa

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