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Die Molkerei Scheitz in Andechs hat sich zur großen Bio-Molkerei gemausert.

Andechs: Wirbel um Molkerei Scheitz

Andechs - Kapazitätsprobleme zwingen die Molkerei Scheitz, ihren Käse ab diesem Jahr in Österreich zu produzieren; zudem wirft das Kloster Andechs dem Traditionsunternehmen Qualitätsprobleme vor.

Andechs – Vor über 100 Jahren gründeten die Urgroßeltern der heutigen Geschäftsführerin, Barbara Scheitz, eine Käserei im Klosterdorf Erling (Landkreis Starnberg) – mittlerweile ist Scheitz Deutschlands größte Bio-Molkerei. Kapazitätsprobleme führen nun dazu, dass der Traditionsbetrieb seine Käseherstellung (wir berichteten) für einige Monate nach Österreich verlagern muss – in der Zwischenzeit werden neue Produktionsanlagen am angestammten Standort installiert.

„100 Bauern stehen schon auf der Warteliste, um ihre Bio-Milch an Scheitz zu liefern“, weiß Landwirt Martin Albrecht aus Weilheim, der selbst an die Andechser Molkerei verkauft. Zudem wurde in den vergangenen fünf Jahren jeweils etwa 15 Prozent mehr Käse als im Vorjahr produziert, sagt Barbara Scheitz. Für den Weilheimer Milchbauern ist dies eine einfache Rechnung: Es müssten mindestens 20 Millionen Euro eingesetzt werden, um sofort auszubauen, schätzt er. Dies sei kurzfristig nicht zu finanzieren.

Ein genaues Datum für die Rückkehr der Produktion nach Andechs kann Barbara Scheitz derzeit nicht nennen – sie geht jedoch von 12 bis 14 Monaten aus. So lange wird der Andechser Käse von der österreichischen Molkerei Tirol Milch in Wörgl bei Kufstein produziert. Es bleibe weiter ein Andechser Produkt, verspricht Scheitz – „mit Andechser Milch und nach Andechser Rezepturen“.

Die 29 Mitarbeiter der Käseproduktion blicken derweil in eine ungewisse Zukunft. Der Familienbetrieb will versuchen, alle Angestellten weiter zu beschäftigen. Dennoch ist „in gewissem Umfang ein Abbau möglich“, bedauert die Geschäftsführerin. Betriebsrat Rainer Michel ist jedoch zuversichtlich, „dass möglichst alle Mitarbeiter in die Frischeprodukteherstellung wechseln können“.

Größere Sorgen als der Teil-Umzug nach Österreich bereitet Scheitz ein Streit mit dem Kloster Andechs. Die Benediktiner-Abtei wirft der Molkerei „Qualitätsprobleme“ vor und kündigte bereits im vergangenen Jahr an, die Lizenzverträge für „Andechser Klosterkäse“ sowie „Andechser Kloster-Romadur“ zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Der Umzug nach Österreich spielte bei der Entscheidung keine Rolle. „Es gab zu viele Kundenreklamationen“, gibt Pressesprecher Martin Glaab an. Um welche Produktmängel es sich handelt, erläuterte Glaab nicht.

Barbara Scheitz ist über den Vorwurf des Klosters entsetzt: „In den vergangenen neun Monaten hatten wir nicht einmal eine Reklamation des Klosters. Hätte sich ein Kunde beschwert, wäre das Kloster in der Pflicht gewesen, uns zu informieren.“ Wie Scheitz, so vermutet auch Milchbauer Albrecht, dass andere Gründe hinter der Kündigung stecken. „Das Kloster hat in Scheitz eine Gelddruckmaschine gesehen. Die wollten höhere Lizenzgebühren“, argwöhnt der Milchbauer.

In der ersten Reaktion hatte das Kloster angedeutet, dass die Molkerei zukünftig ohne die Wortmarke „Andechs“ auskommen müsse. Allerdings hatte das Kloster dieses Alleinrecht nur bis 1994 beim Patent- und Markenamt gesichert und fortan nicht verlängert.

von Martin Kern

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