Anderen zu helfen: Das war Peter B.s Leben

Der Felssturz von Stein – er macht die Menschen in dem 900 Seelen großen Chiemgau-Dorf nicht nur sprachlos, sondern auch unfassbar traurig. Alle fühlen mit Uschi B. (40) und ihrem Sohn Leon (16), die zwar wie durch ein Wunder überlebt haben, in den Trümmern — aber den Ehemann und Vater Peter B. (45) und die geliebte Tochter und Schwester Sophie verloren haben.

Das Haus im Fels – Peter B. soll viel Herzblut in das 100 Jahre alte Anwesen gesteckt haben. Nachdem die Familie eingezogen war, soll der gelernte Schreiner das Gebäude Stück für Stück hergerichtet haben. Doch Peter B. hatte noch viele andere Talente. Der Jazzliebhaber spielte Gitarre und Saxophon, außerdem engagierte sich ehrenamtlich in der Politik. Im Kreisverband der Partei „Die Linke“ kümmerte er sich als Schatzmeister um die Finanzen.

Völlig geschockt war deshalb auch Peter Kurz. Der Kreisvorsitzende der Linken war gestern am Unglücksort: „Ich musste es mit eigenen Augen sehen, sonst hätte ich es nicht geglaubt. Ich habe einen guten Freund verloren.“ Seit sechs Jahren kannten sich die beiden Männer. „Ich bin alle zwei bis drei Wochen bei der Familie gewesen“, beschreibt Kurz das Verhältnis. „Peter war ein besonnener, zuverlässiger, freundlicher und humorvoller Mann. Auf ihn konnte man sich 100-prozentig verlassen. Ich weiß, das sagt man immer in so einem Fall, aber bei Peter“, so Kurz in einem Interview mit chiemgau24.de, „ist es einfach so. Er ist unersetzlich.“

Ähnlich schmerzlich trifft der Tod von Peter B. auch die 280 Mitarbeiter der Lebenshilfe Traunstein e.V. . Seit 2001 arbeitete Peter B. hier mit Behinderten. Der 45-Jährige betreute eine Wohngruppe geistig Behinderter in Seeon. Für die acht Männer und Frauen im Alter zwischen 28 und 65 war der Heilpädagoge so etwas wie ein Familienmitglied. Lebenshilfe- GeschäftsführerinAnnemarieFunke:„ Wir können nicht fassen, was passiert ist. Ich hörte am Morgen im Autoradio von dem Unglück und dachte mir noch, als von Stein die Rede war, dass da doch viele unserer Mitarbeiter wohnen. Und als ich dann im Büro ankam, berichtet mir unser Hausmeister, dass Herr B. und seine Tochter von dem Fels erschlagen worden wären. Es ist unfassbar.“

Peter B., so Funke, sei ein Mensch mit ungewöhnlich großem Einfühlungsvermögen gewesen. „Wissen Sie, bei ihm und seiner Gruppe, stimmte einfach die Chemie, das war perfekt.“ Seine kleine Lebenshilfe- Familie sollte gestern Nachmittag über das tragische Unglück informiert werden. Funke: „Es wird für alle ein schwerer Schlag werden.“

Anderen helfen, für andere da sein – das war für Peter B. Lebensinhalt. Politisch engagiert wie ihr Vater war auch Tochter Sophie. Die angehende Abiturientin engagierte sich im Kampf gegen Neonazis. Am Johannes-Heidenhain-Gymnasium in Traunreut besuchte sie die K13, hatte die Leistungskurse Latein und Physik belegt und träumte von der Zeit nach dem Abi. Dann, so offenbart sie im Internet, wollte sie mit demMotorrad durch Südamerika düsen und Philosophie studieren.

Im Traunreuter Gymnasium hatte man für kommenden Donnerstag eine Einweihungsfeier geplant. Die wurde, wie der Traunsteiner Landrat Hermann Steinmaßl gestern mitteilte, inzwischen abgesagt. Lehrer und Schüler trafen sich gestern zu einem Gottesdienst, um für die tote Kameradin und ihren Vater sowie die Verletzten, Mutter und Bruder, zu beten.

Inne hielt gestern auch der Traunsteiner Kreisausschuss. Mit einer Schweigeminute gedachten die Räte der beiden Opfer. Landrat Steinmaßl erklärte: „Für mich ist dieser schreckliche Vorfall immer noch nicht fassbar. Ein hundert Jahre altes Wohnhaus liegt in Trümmern, eine Familie wurde darunter begraben.“ Die Gedanken gälten jetzt Mutter und Sohn, die dank des Einsatzes der Hilfskräfte zwar schwer verletzt, aber lebend geborgen werden konnten. „Ich hoffe, dass es ihnen bald wieder besser geht.“

Viele der Traunsteiner Kreisräte waren gestern in Gedanken bei einem alten politischen Weggefährten, dem längjährigen SPD-Kommunalpolitiker und Bundestagsabgeordnetem Hermann Schätz – er ist der Großvater von Sophie.

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