Der Fund in Regensburg

Angebliches Dürer-Bild war NS-Raubkunst

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Regensburg – Die Geschichte des angeblichen Dürer-Gemäldes in Regensburg ist um eine Facette reicher. Am Wochenende stellte sich heraus, dass es in der Datenbank „Lost Art“ gemeldet.

Der Historiker Rudolf Reiser hat mit seiner Präsentation eines angeblichen Dürer-Gemäldes am Freitag ein großes Echo ausgelöst. Die meisten Zeitungen versahen seine Nachricht über den Fund eines Dürer-Bildes im Depot des Stadtmuseums Regensburg jedoch mit einem Fragezeichen – schließlich ist das Gemälde, das Dürer während eines Venedig-Aufenthalts (1505-1507) gemalt haben soll, bisher weder von einem ausgewiesenen Dürer-Fachmann gesichtet noch einer physikalisch-chemischen Untersuchung unterzogen worden. Wie das Stadtmuseum Regensburg bestätigte, soll das nun nachgeholt werden.

Was Reiser am Freitag nicht sagte: Das Bild ist in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung sehr wohl registriert, und zwar unter der Inventar-Nummer 13222. Das geht aus der Datenbank „Lost Art“ des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste in Magdeburg hervor. Bei „Lost Art“ ist Raubkunst aus der Nazi-Zeit registriert – mögliche Vorbesitzer, deren Verwandte in der NS-Zeit enteignet worden waren, können sich hier melden. Das vorgebliche Dürer-Gemälde ist als „Anbetung der Könige“ bekannt. Unter der Rubrik „Künstler“ ist vermerkt: „unbekannt, (...) Donauschule“.

Das ist die Donauschule

Unter dem Begriff Donauschule wird ein Kreis von Malern aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts bezeichnet, der in Bayern und im nördlichen Österreich tätig war. Herausragende Vertreter sind Albrecht Altdorfer und Wolf Huber, jedoch nicht Dürer. Allerdings ist die Urheberschaft Dürers durch „Lost Art“ zumindest nicht ausgeschlossen.

Des Weiteren geht aus der Beschreibung bei „Lost Art“ hervor, dass das Bild einst einem Georg Krakau gehörte. Der Nachlass des Sammlers wurde am 12. November 1918, mitten in den Revolutionswirren, in Berlin versteigert. Im Angebotskatalog von damals ist das Regensburger Bild abgedruckt – und als Künstler wird der Züricher Maler Hans Leu (1460-1507) angegeben. Leu statt Dürer also?

Bild geplant für das große „Führermuseum“

Die Geschichte geht noch weiter: Zu einem unbekannten Zeitpunkt, vielleicht um 1930, soll das Bild in die Schweiz gelangt sein. Am 5. Januar 1942 kam es über den Kunsthändler Bruno Lohse, der für die NS-Machthaber vor allem in Frankreich Bilder beschaffte, an den NS-Mächtigen Hermann Göring. Dass es für das von Hitler geplante große „Führermuseum“ in Linz gedacht war, ist reine Spekulation. Zunächst ging es nach Kriegsende 1945 an den „Central Collecting Point“ für NS-Raubkunst der amerikanischen Besatzungsmacht in München. Dort wurde es, wie man in der CCP-Datenbank nachlesen kann, als Bild der „Donauschule um 1520“ registriert. Im Jahr 1951 ging das Gemälde an die Bayerische Staatsgemäldesammlung, die es ungeachtet der heiklen Herkunft verwahrte und zu einem unbekannten Zeitpunkt an das Stadtmuseum Regensburg transferierte. Dort verblieb es im Depot – bis Rudolf Reiser kam.

Warum das Stadtmuseum so ein Bild verstauben lässt und am Freitag auch nichts zu „Lost Art“ sagte, ist eines von vielen Rätseln. Auch Reiser kannte den Bezug zu „Lost Art“ nach eigener Auskunft nicht. Er verwahrte sich gestern gegen die Darstellung, er sei unseriös und habe beispielsweise auch spekulativ über Ludwig II. geschrieben. Seine Theorie, Ludwig II. sei von Guiseppe Tambosi, einem italienischen Kammerdiener des Königs Max II, gezeugt worden, habe niemand widerlegt.

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