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Der angeklagte ehemalige Chefarzt (rechts) wird von einem Polizisten zum Gerichtssaal im Oberlandesgericht in Bamberg geführt.

Arzt wegen sexuellen Missbrauchs vor Gericht

Angeklagter Ex-Chefarzt: "Bin nicht Dr. Pervers"

Bamberg - Er soll junge Frauen im Krankenhaus ruhiggestellt und sich an ihnen vergangen haben. Vor Gericht sagt der 49-Jährige Ex-Chefarzt, er wollte nur neue Behandlungsmethoden erforschen.

Ein wegen sexuellen Missbrauchs angeklagter Ex-Chefarzt hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe vehement zurückgewiesen. „Ich bin weder Sex-Arzt noch Dr. Pervers“, sagte er am Dienstag vor dem Landgericht Bamberg. Der 49-Jährige ist angeklagt, weil er zwölf junge Frauen im Bamberger Klinikum mit Medikamenten ruhiggestellt und sich an ihnen vergangen haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und gefährliche Körperverletzung vor.

Am zweiten Verhandlungstag nahm der Spezialist für Gefäßchirurgie ausführlich Stellung. Er erklärte dabei, die Handlungen an den Frauen seien stets medizinisch begründete Untersuchungen gewesen. Es sei ihm allein um die Erforschung neuer Behandlungsmethoden bei Beckenvenen-Thrombose gegangen. Er räumte jedoch ein, das Selbstbestimmungsrecht der Frauen nicht beachtet zu haben. Das tue ihm leid, mache ihn aber nicht zum Sexualstraftäter. Die Fotos, die er von der Frauen gemacht hatte, seien zu Dokumentationszwecken entstanden.

Nicht in das Raster seines Vorgehens im Krankenhaus, das die Staatsanwaltschaft in die Anklage eingebracht hatte, passt ein weiterer Fall von mutmaßlichem sexuellen Missbrauch: Der Mediziner soll bei einem gemeinsamen Ausflug die damals 18 Jahre alte Patentochter seiner Frau betrunken gemacht und sie laut Staatsanwaltschaft in einem Hotelzimmer missbraucht haben. Dazu machte der Angeklagte am Dienstag keine Angaben.

Zwei ursprünglich für diese Woche noch angesetzte Verhandlungstage sagte das Gericht ab, um dem Angeklagten noch mehr Zeit für das Ausarbeiten seiner weiteren Stellungnahmen einzuräumen. Am 28. April soll es weitergehen. Das Verfahren dürfte wohl deshalb bis zum Frühsommer andauern.

dpa

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