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Der pensionierte Polizeibeamte und seine Frau vor dem Amtsgericht Rosenheim.

Polizeieinsatz-Prozess: Angeklagter "hatte Todesangst"

Rosenheim - Im Prozess um einen umstrittenen Polizeieinsatz erinnerte sich der angeklagte Familienvater: "Ich habe Todesangst gehabt." Auch seine Frau berichtete von massiven Schlägen gegen sie.

Im Prozess um einen umstrittenen Polizeieinsatz hat der angeklagte Familienvater das Vorgehen der Beamten als äußerst brutal geschildert. „Ich habe Todesangst gehabt“, sagte der 67-Jährige, selbst pensionierter Polizist, am Freitag. Er sei aus heiterem Himmel in den Schwitzkasten genommen worden, berichtete er vor dem Amtsgericht Rosenheim. Dort muss sich eine vierköpfige Familie wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte verantworten. Die Ermittlungen gegen die Polizisten wurden vorläufig eingestellt.

Die Festnahme des 67-Jährigen im Herbst 2010.

Vor vier Wochen hatte bereits die Tochter des 67-Jährigen von einer regelrechten Gewaltorgie mehrerer Polizeibeamter berichtet. Auslöser des in die Schlagzeilen geratenen Einsatzes war die geplante Vorführung eines Mannes zu einer psychiatrischen Untersuchung im Herbst 2010 in Schechen bei Rosenheim. Doch der Gesuchte war aus dem Mietshaus des Ex-Polizisten bereits ausgezogen. Also fragte die Streife bei der Tochter des Pensionisten nach. Es begann ein Scharmützel um Ausweise beider Seiten. Von da an eskalierte der Einsatz. Am Ende waren drei Familienmitglieder und ein Beamter verletzt.

"Mein Hals hat gekracht und geknackt"

Immer wieder in Tränen ausbrechend schilderte der früher als Boxausbilder tätige Polizist den Einsatz. Er sei im Flur ohne jegliche Vorwarnung von dem Beamten angesprungen und niedergerungen worden. Der Hals sei ihm zugedrückt worden. Er habe fürchterliche Schmerzen gehabt. „Mein Hals hat gekracht und geknackt.“ Mehrfach sei er bewusstlos geworden. Wieder zu sich gekommen, habe er erneut starke Schmerzen gespürt. „Ich dachte, der reißt mir den Arm aus dem Schultergelenk.“

Auf seine Frage an den Polizisten, warum er derart massiv geschlagen werde, habe ihm der Zivilbeamte ein Knie in Gesicht und Hals gedrückt. „Jetzt ist es vorbei, jetzt ist es zu Ende“, seien daraufhin vor lauter Schmerzen seine Gedanken gewesen, erinnerte sich der 67-Jährige. Dem Polizisten müsse bewusst gewesen sein, „dass er nicht nur meine Gesundheit, sondern mein Leben bedroht“. Er könne nur von Glück sprechen, dass er die Verletzungen überlebt habe. Der Ex-Polizist lag eine Woche im Krankenhaus.

Auch die Ehefrau soll geschlagen worden sein

Die Ehefrau sagte bei ihrer Vernehmung, sie sei sofort von einem Polizisten zu Boden gerissen worden, als sie Fotos vom Geschehen gemacht habe. Auch sie habe Schmerzen durch massive Schläge unter anderem in die Nieren verspürt. Zudem sei ihr in die Kieferhöhle getreten worden, sagte die sehr zierliche 62-Jährige aus. Auch sie musste danach tagelang im Krankenhaus behandelt werden.

Wenig Erhellendes brachte die Vernehmung eines Nachbarn. Der 79-Jährige sagte zwar aus, dass die Ehefrau des Ex-Polizisten „wie ein Stück Vieh“ niedergerissen worden sei. „Was ich da gesehen habe, war für mich ein Schock“, sagte der Zeuge, „wie in Guantanamo hat das ausgeschaut.“ Allerdings räumte der Nachbar ein, Gedächtnisprobleme zu haben. Außerdem stellte sich heraus, dass ein Zeugenbeistand des 79-Jährigen bei einer vorangegangenen polizeilichen Vernehmung von dem angeklagten Ex-Polizisten bezahlt wurde.

dpa

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