Die Angst vor der großen Flut

Passau/München - Passau und Regensburg droht das schlimmste Hochwasser seit Jahren: Am Freitag stiegen die Pegel der Donau rasant an. Auch die Isar führt deutlich mehr Wasser als sonst - doch von Hochwasser ist in Oberbayern noch nicht die Rede.

Freilich, die Passauer sind Hochwasser gewöhnt. Und von historisch hohen Pegelständen wie im August 2002, als die Donau die 10,80-Meter-Marke überschritt, waren die Niederbayern am Freitag noch ein gutes Stück entfernt. Doch selbst die fluterprobten Einsatzkräfte wurden von dem rasant steigenden Wasser überrascht: In nur 24 Stunden kletterte der Pegel der Donau in der Dreiflüssestadt um satte drei Meter nach oben, auch Inn und Ilz traten über die Ufer. In Passau herrschte am Freitagnachmittag mit einem Wasserstand von 9,20 Meter die höchste Meldestufe.

In manchen Gassen der Altstadt stand die Hochwasser-Brühe knietief, einige Häuser waren nur mit dem Boot oder über Stege auf Eisenstelzen erreichbar. Die Einsatzkräfte hatten in der Nacht tausende Sandsäcke zum Abdichten der Türen und Fenster in die tief gelegenen Straßen gekarrt. Doch viele Hausbesitzer standen dann doch knöcheltief im Wasser - und zwar mitten ihn ihrer Wohnung. Boots-Taxis der Wasserwacht kutschierten Anwohner durch die Fluten. Der Passauer Dom, der hoch oben über der Donau liegt, war ein beliebtes Ziel für Autofahrer, die ihre Fahrzeuge vor der braunen Flut unten retten mussten und dringend Stellplätze brauchten. Eilig gekritzelte Notizzettel kündeten von der Notlage: „Tiefgarage wegen Überflutung gesperrt, mfg, Danke!“

Kurzzeitig gab es am Nachmittag eine Entwarnung, als der Pegel minimal sank. Doch der Hochwassernachrichtendienst schloss eine neue Flutwelle nicht aus - denn die Wasserstände an der Donau oberhalb Passaus steigen weiter. Wenn der Inn nicht zügig Wasser verliert, kann er das zusätzliche Wasser nicht mehr aufnehmen.

In Regensburg richteten sich die Behörden in der Nacht zum Samstag auf ein Hochwasser von historischem Ausmaß ein. Der Wasserstand der Donau werde in der Altstadt um etwa einen Meter auf 6,60 Metre steigen, teilte die Stadt am Freitagabend mit. Damit würden die Werte der letzen beiden Flutkatastrophen von 1988 und 2002 erreicht. Das örtliche Wasserwirtschaftsamt erwartete den Scheitelpunkt des Donau-Hochwassers in der Nacht von Samstag auf Sonntag.

Während die Einsatzkräfte in Ostbayern gegen die Fluten kämpfen und auch die Situation im fränkischen Maingebiet kritisch blieb, war die Situation in Oberbayern vergleichsweise ruhig. Zwar führt die Isar derzeit sehr viel Wasser, von Hochwasser ist aber noch nicht die Rede. „Durch Niederschläge und Schmelzwasser ist der Pegel der Isar stark gestiegen“, erklärt Marion Duschl vom Wasserwirtschaftsamt in München. Dazu kommt, dass der Abfluss vom Sylvensteinspeicher südlich von Lenggries (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) am Donnerstag deutlich erhöht wurde. Der Stausee war am Donnerstag um knapp 2,5 Meter angestiegen. Darum entschied das Wasserwirtschaftsamt Weilheim, den Abfluss aus dem Stausee vorübergehend von 10 auf 75 Kubikmeter pro Sekunde zu erhöhen. Etwa 15 Stunden später erreichte dieses Wasser München. Der Isarpegel stieg in der Landeshauptstadt bis Freitagmorgen auf rund 2,05 Meter an - das liegt im grünen Bereich. „Die erste Meldestufe ist erst ab 2,40 Meter“, erklärt Duschl.

Nach Einschätzung des Wasserwirtschaftsamtes wird der Isarpegel in den kommenden Tagen langsam sinken. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim will die Wasserabgabe vom Sylvensteinspeicher ab Sonntag langsam reduzieren. Im Tagesverlauf wird der Stausee dann den gewünschten Winterpegel von 752 Metern über dem Meeresspiegel erreichen. Beruhigend, auch für die Bürger in Ostbayern: Zumindest regnet es schon in der Nacht auf Samstag nur noch geringe Mengen. Die, so der Deutsche Wetterdienst, erfordern keine Warnungen mehr.

Carina Lechner / Sven Rieber

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