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Dieses neugeborene Lamm ist gesund. Vieler seiner Artgenossen kommen jedoch missgebildet oder tot auf die Welt. Ihre Mütter sind mit dem Schmallenberg-Virus infiziert. Das Virus befällt auch Rinder und Ziegen.

Angst vor Schmallenberg-Virus wächst

München - Fiebernde Rinder, missgebildete Lämmer, Totgeburten – das Schmallenberg-Virus grassiert. Jetzt hat der bislang unbekannte Erreger Baden-Württemberg erreicht. In Bayern ist man besorgt, dass sich das Virus ausbreiten könnte.

Angefangen hat alles in Nordrhein-Westfalen im Herbst. Landwirte stellten die ersten Symptome bei Rindern fest. Die Tiere hatten Fieber und gaben bis zu 50 Prozent weniger Milch. Nach einer zwischenzeitlichen Entwarnung – die Tiere wurden wieder gesund, neue Erkrankungen gab es nicht – tauchte das Virus erneut auf. Doch diesmal bei Schafen und Ziegen. Halter meldeten Anfang des Jahres, zu Beginn der Ablammsaison, dass viele ihrer Lämmer tot oder stark missgebildet geboren wurden.

Und es wurden immer mehr. Mittlerweile sind laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesinstitut für Tiergesundheit, über 100 deutsche Bauernhöfe betroffen – 65 davon in Nordrhein-Westfalen. Auch in Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein wurden Erkrankungen gemeldet. Bayern blieb bisher verschont, doch die Krankheit rückt näher: Jetzt tauchte sie in Baden-Württemberg auf. Im Freistaat sei noch kein Fall bekannt, so eine Sprecherin des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL).

Doch die bayerischen Behörden sind alarmiert und haben eine großangelegte Überwachungsaktion gestartet. Im gesamten Freisstaat lässt das LGL Rinder- und Schafherden mit Stichproben auf das Schmallenberg-Virus untersuchen. Wann die ersten Ergebnisse vorliegen, konnte die Sprecherin nicht sagen. Seitens der Landtags-SPD fordert man eine Meldepflicht für infizierte Tiere. Auch die Entwicklung eines Impfstoffes müsse vorangetrieben werden, fordert die gesundheitspolitische Sprecherin Kathrin Sonnenholzner. Daran arbeitet das FLI derzeit. Für eine zügige Erforschung des Virus stellt das Institut erstmals seine Erkenntnisse uneingeschränkt Fachinstituten und Pharmafirmen zur Verfügung.

Beim Bayerischen Bauernverband beobachtet man die Ausbreitung des Erregers mit Sorge. Vor allem seit die Erkrankung im Regierungsbezirk Stuttgart (Baden-Württemberg) aufgetaucht ist. „Wir wissen einfach noch viel zu wenig darüber“, sagt Josef Wasensteiner vom Bauernverband. Deshalb sei es momentan schwer, den Landwirten Empfehlungen zu geben. Im Freistaat gibt es rund 388 000 Schafe und 3,3 Millionen Rinder. Für ihre Halter wäre es wichtig, dass es eine Meldepflicht für die Erkrankung gebe, so Wasensteiner. Und zwar auf internationaler Ebene, etwa in der EU. Denn damit geht die Einstufung als Tierseuche einher. Und nur dann können die Bauern Geld aus der Tierseuchenkasse erhalten, um ihre Einkommenseinbußen zumindest teilweise zu kompensieren.

An der Einführung einer solchen Meldepflicht arbeitet derzeit das Bundeslandwirtschaftsministerium. Der Bundesrat stimmt darüber im März ab. Denn die Tierseuchenbekämpfung ist Sache der Länder.

Derweil möchte die FDP das Tierseuchengesetz reformieren: Der Bund sollte in akuten Fällen eine Anzeigepflicht zunächst auch ohne Beteiligung des Bundesrates beschließen können. Auch das FLI befürwortet eine Meldepflicht. Bis es aber soweit ist, kann Wasensteiner den Landwirten nur eines empfehlen: sich selbst zu versichern.

Eva Dobler

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