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Gefährliche Krankheit

Angst vor tödlichem Pferdevirus

Erding - Das Virus bricht ohne Vorwarnung aus und lauert im Körper von fast jedem Pferd: Pferdeherpes. Die Krankheit soll im Landkreis Erding bereits zwei Pferde das Leben gekostet haben. Einmal infiziert, sind die Chancen auf Heilung gering.

Fieber, Koordinationsstörungen oder triefenden Nüstern – die Symptome für den Ausbruch von Pferdeherpes können unterschiedlich sein. Vor dem Ausbruch der Krankheit ist kein Pferd sicher. Die meisten Tiere tragen den Herpeserreger bereits ab der Geburt in sich. Einmal infiziert bleibt der Virus ein Leben lang im Körper, ohne dabei jemals ausbrechen zu müssen.

Im Landkreis Erding sollen dagegen bereits zwei Pferde an der Krankheit gestorben sein. Bestätigt wurde das vom zuständigen Veterinäramt gestern nicht. „Die Krankheit bricht meistens im Frühjahr oder Winter aus“, sagt Lutz Göhring von der tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) in München. Er ist Experte in Sachen Pferdeherpes. Übertragen wird die Krankheit durch Tröpfcheninfektion. Anschnauben, gemeinsame Futtertröge oder ähnliches. „Das ist fast so wie beim Menschen.“

Was Herpes für die Pferde so gefährlich macht, sind vor allem die unkonkreten Symptome in der ersten Phase des Krankheitsverlaufs. Denn eigentlich beginnt alles ganz harmlos. Erhöhte Temperatur der Tiere bleibt von den Besitzern meist unbemerkt. Kommt das Virus mit beispielsweise Lähmungen und Orientierungslosigkeit voll zum Ausbruch, schrecken die Pferdehalter auf.

So war das vor acht Jahren auch bei Innozenz Näßl. Auf seiner Ranch „Tashina Haila“ in Hanshofen (Landkreis Fürstenfeldbruck) brach damals Pferdeherpes aus. „Von 80 Pferden sind fünf gestorben und mit 22 Tieren war ich in Spezialkliniken“, erinnert sich Näßl. Immer wieder sackten seine Pferde mit den Hinterbeinen weg. „Das Rückenmark schwillt an und die Pferden können nicht mehr stehen.“ Und gerade das ist besonders wichtig. „Kommt ein Tier im Stall zum liegen, dann bringt man es nicht mehr hoch“, erklärt er. Keine Bewegung bedeutet für viele Pferde, dass sie Probleme mit den Organen bekommen. Die häufige Folge: Tod. Näßl rät allen Betroffenen: „Immer wieder die Temperatur messen.“

Experte Göhring stellt klar: „Die Pferde sterben aber nicht am Herpesvirus.“ Viele Tiere müssen einfach eingeschläfert werden. Sie seien im Kopf noch komplett klar, „haben ihren Körper jedoch nicht mehr unter Kontrolle“. Es käme jedoch darauf an, wie stark die Krankheit ausbricht. „Wenn sie sich nur mild zeigt, dann kann es sein, dass sich ein Tier komplett rehabilitiert.“ Das Virus bleibe aber in den meisten Fällen innerhalb eines Stalles. „Wichtig ist, dass man die gesunden Tiere von der erkrankten trennt“, berichtet Göhring. Außerdem müsse der betroffene Stall unter Quarantäne gestellt werden.

Kein Pferdebesitzer ist vor einem Ausbruch des Herpes gefeit. Lediglich der Übertragung der Viren kann vorgebeugt werden. Allerdings sind sich die Experten einig, dass eine Impfung nicht verhindern kann, dass ein Pferd an Herpes erkrankt. Das Impfen sei allerdings die einzige Chance, den Infektionsdruck niedrig zu halten. Das funktioniere aber nur, wenn alle Pferde regelmäßig geimpft werden. „Das muss man sich vorstellen wie einen Deich, der das Land vorm Meer schützt. Kommt aber eine große Welle, kann es sein, dass der Deich bricht“, beschreibt Göhring.

Von Matthias Strehler

Rubriklistenbild: © dpa

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