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„Verschandelung der Bergwelt“

Angst um traditionelle Hütten

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München – Der Brief ging direkt an Horst Seehofer: Eine Initiative fordert Maßnahmen gegen die „Verschandelung der Bergwelt“. Der DAV kontert.

Lounge-Ambiente statt rustikalem Charme, moderne Architektur statt Blockhüttenbau am Berg. Der Blick in die Zukunft passt längst nicht allen. Die kleine Initiative „Rettet unsere Berghütten“ etwa wehrt sich dagegen. Gestern haben sich die Wortführer in einem offenen Brief an Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) gewandt.

Darin beklagen sie eine „Tendenz zur architektonischen Verschandelung unserer Bergwelt“. Die alpenländische Bauweise müsse immer mehr „monströsen Betonbunkern“ weichen. Zwar ist den Beschwerdeführern klar, dass etliche Hütten renoviert werden müssen. „Wir sind nicht per se gegen Neubauten oder Modernisierungen“, sagt der Autor des Briefs, Peter Gangl aus Oberau (Kreis Garmisch-Partenkirchen). „Aber man kann’s so machen, dass es ins Landschaftsbild passt.“

Das Anliegen ist nicht neu, die Initiative mit ihrer Online-Petition ebenso wenig. Sie wurde im August 2013 ins Leben gerufen, um den Abriss der Höllentalangerhütte zu verhindern (wir berichteten). Weil der Aufruf zu spät kam – die 120 Jahre alte Hütte wurde wenige Wochen später abgerissen –, beschlossen Gangl und Co., die Petition auszuweiten und für den Schutz aller traditionellen Berghütten einzutreten. 5300 Menschen haben unterschrieben.

Der Alpenverein hielt die Kritik schon im vergangenen Jahr für „völlig argumentfrei“. Daran hat sich wenig verändert. „Im bayerischen Alpenraum gibt’s nicht eine einzige Hütte, die modern umgebaut wäre“, sagte DAV-Sprecher Thomas Bucher unserer Zeitung – mit Ausnahme der Hütte im Höllental. Dafür gebe es einen Haufen sanierter Gebäude – bei einem Alter von 100 Jahren und mehr sei das normal. Robert Kolbitsch, DAV-Ressortleiter für Hütten, Wege, Kletteranlagen, betont, dass jede Maßnahme sehr genau geprüft werde. Beide halten die Argumente der Initiative für an den Haaren herbeigezogen.

Das Grüppchen von „Idealisten“, wie sie sich selbst nennen, bleibt aber hartnäckig – und erntet Zuspruch. Auf Initiative der Bayernpartei hat der oberbayerische Bezirkstag gestern seinen Präsidenten Josef Mederer damit beauftragt, sich bei der Staatsregierung und beim DAV für eine „traditionelle landschaftsbezogene Architektur“ einzusetzen. Mederer sagte: „Oberbayerns Berge brauchen keine voll erschlossenen Wellnesstempel in luftiger Höhe.“

Die Hütten-Freunde fordern Seehofer in ihrem Brief etwas schwammig dazu auf, „die Möglichkeiten des Denkmalschutzes im bayerischen Alpenraum auch im Hinblick auf unsere Berghütten zur Anwendung zu bringen“ und eine „Strategie gegen die Verschandelung unserer Bergwelt“ zu entwickeln. Ob’s was bringt? Gangl: „Warten wir’s ab.“

mmä

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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