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In Südbayern haben viele Schwammerlsammler Angst vor radioaktiv verseuchten Pilzen

27 Jahre nach Tschernobyl

Die Angst vor radioaktiv verseuchten Schwammerln

München - 27 Jahre nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl sind Pilze durch radioaktive Strahlung belastet. Es gibt allerdings nur wenig Messergebnisse. Ein Murnauer möchte das ändern – und ruft Schwammerlsucher zur Mithilfe auf.

Werner Edelmann sitzt an einem Schreibtisch im Münchner Rathaus. Rund um den Experten vom Verein für Pilzkunde drängt sich ein gutes Dutzend Frauen und Männer. Sie haben Körbe und Plastiktüten voller Pilze dabei. Alle wollen vom Fachmann wissen, ob die Pilze, die sie gefunden haben, genießbar sind. Der 47-Jährige begutachtet die Schwammerl, die vor ihm ausgebreitet werden. Er erklärt, um welche Pilze es sich handelt, welche giftig sind und welche ungefährlich.

Experte Werner Edelmann vom Münchner Verein für Pilzkunde. Sammler bringen ihre Funde regelmäßig zu ihm zur Beratung ins Münchner Rathaus.

Viele Schwammerlsucher machen sich aber nicht nur Sorgen, ob sie einen Giftpilz im Korb haben. Denn auch 27 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl können Pilze noch radioaktiv verseucht sein. „Danach wird immer wieder gefragt“, sagt Edelmann. Und es sei wichtig, sich darüber Gedanken zu machen. Südbayern ist damals durch den sogenannten Fallout, dem radioaktiven Niederschlag, belastet worden. Der Experte empfiehlt allen Schwammerlsammlern deshalb, nicht mehr als zehn Pilz-Mahlzeiten pro Saison zu sich zu nehmen.

Es gibt auch die Möglichkeit, Pilze auf radioaktive Strahlung testen zu lassen. In München ist das etwa beim Umweltinstitut möglich. Davon hält Edelmann allerdings nicht viel, denn „50 Meter vom Fundort entfernt kann es mit der Belastung schon wieder ganz anders aussehen“. Die Höhe der Verstrahlung richtet sich nach der Menge an radioaktiven Regen, der damals gefallen ist. Vor allem, glaubt Edelmann, hält die Menschen die Menge ab, die sie für den Test abgeben müssen. Die fällt je nach Institut oder Behörde unterschiedlich aus – von einigen 100 Gramm bis zu einem oder zwei Kilogramm.

Genau das kritisiert der Murnauer Helmut Rummel schon lange. Der ehemalige Strahlenschutzbeauftragte der Bundeswehr beschäftigt sich seit der Reaktorkatastrophe 1986 mit der Strahlenbelastung von Pilzen. Er kämpft für eine umfassende Information der Bürger. Sie sollen im Internet nachsehen können, wie hoch Maronenröhrlinge oder Semmelstoppelpilze in ihrer Region belastet sind. Und: Sie sollen selbst ihren Teil zur Information beitragen. Dazu müssen sie ihren Fund allerdings bei der Lebensmittelüberwachungsstelle des örtlichen Landratsamts abgeben. Bislang mussten dafür größere Mengen vorgelegt werden – mit Fundort und -datum. Die Proben werden an das Landesamt für Umwelt in Augsburg (LfU) weitergeleitet, dort getestet und die Ergebnisse ins Internet gestellt.

Allerdings nutzen bisher laut Rummel nur wenige Pilzfreunde diese Möglichkeit – wegen der hohen Abgabemenge. Das bestätigen auch einige Landratsämter: „Bei uns wurden in den vergangenen zehn Jahren nur einmal Pilze abgegeben“, sagt Eva Dörpinghaus, Pressesprecherin des Landratsamts Freising. In Fürstenfeldbruck ist nicht das Landratsamt zuständig, dort müssen sich die Sucher direkt an das LfU in Augsburg wenden. Und auch in Miesbach, einer der stärker belasteten Regionen, wird das Angebot wenig in Anspruch genommen. Die Menge, die bisher dort vorgelegt werden musste, lag laut Maximilian Schütz von der Abteilung Veterinärmedizin und Verbraucherschutz bei einem Kilogramm.

Das war den meisten zuviel. Rummel kämpft schon lange dafür, die Abgabemenge zu senken. Er sagt, dass auch weniger Pilze ausreichen, um verwendbare Ergebnisse zu liefern. Seine Verbesserungsvorschläge hat er direkt an den bayerischen Umweltminister Marcel Huber gesendet. Mit Erfolg: Die Abgabemenge wurde in Bayern auf 300 Gramm gesenkt. Rummel sagt: „Ich habe nun die Hoffnung, dass mehr Menschen ihre Pilze testen lassen.“

Teresa Pancritius

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