Ein Erstklässer ist mit Mundschutz und Schultüte auf dem Weg in die Schule
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Einschulung in der Pandemie: Viele Eltern wollen das ihren Kindern ersparen – und warten lieber noch ein Jahr.

Kindergärten fehlen Betreuungsplätze

Angst vor Homeschooling: Eltern verschieben Einschulung ihrer Kinder - und lösen Betreuungs-Chaos aus

  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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  • Patrick Staar
    Patrick Staar
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Erster Schultag mit Maske, Homeschooling schon in der ersten Klasse – viele Eltern wünschen sich, dass der Ernst des Lebens für ihre Kinder einfacher beginnt. Sie warten mit der Einschulung noch ein Jahr. Die Gemeinden stellt das vor Probleme. Denn die Betreuungsplätze reichen nicht mehr aus.

Jede Woche fragen Eltern wegen eines Kindergartenplatzes bei Martina Schmid an. Und jede Anfrage muss die Leiterin des Kindergartens in Greiling (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen*) ablehnen. „Wir sind heuer übervoll“, sagt sie. Das hängt mit den sogenannten Korridorkindern zusammen. Für die Buben und Mädchen, die zwischen dem 1. Juli und dem 30. September sechs Jahre alt werden, können die Eltern entscheiden, ob ihr Kind ein Jahr später eingeschult werden soll. Und diese Möglichkeit nutzen in diesem Jahr besonders viele Eltern – nicht nur in Greiling.

Corona in Bayern: Eltern verschieben Einschulung ihrer Kinder

Ein Grund dafür ist die Corona-Pandemie*, erklärt Martina Schmid. „Bei uns ist ein Vierteljahr lang fast nichts passiert, den Kindern fehlt ein ganzes Quartal in der Vorschule.“ Dazu kommt, dass viele Eltern auch Sorge vor erneutem Homeschooling im Herbst haben. Sie wollen ihren Kindern einen unbeschwerten Schulstart ermöglichen – und verschieben ihn deshalb um ein Jahr nach hinten.

Schulstart in Bayern: Überall werden die Kita-Plätze knapp

Noch liegen keine bayernweiten Zahlen vor. Doch in vielen Gemeinden zeigt sich bereits jetzt, dass die Zahl der Korridorkinder weiter steigt. Schon in den vergangenen Jahren hatten mehr Eltern von der Möglichkeit einer späten Einschulung Gebrauch gemacht. Die SPD-Landtagsfraktion hatte dazu vor Kurzem eine Anfrage gestellt. Im Schuljahr 2019/2020, also schon vor der Pandemie, gab es in Bayern 30.493 Korridorkinder – 42,3 Prozent von ihnen blieben ein Jahr länger im Kindergarten, berichtet Simone Strohmayr, die bildungspolitische Sprecherin der SPD. Mit Corona stieg diese Zahl im vergangenen Schuljahr dann auf 51,4 Prozent. Und Strohmayr geht davon aus, dass diese Zahl nun erneut gestiegen ist. „Viele Kommunalpolitiker haben mich auf dieses Problem angesprochen“, erzählt sie. Überall werden gerade Kita-Plätze knapp.

Wegen später Corona-Einschulung: Gemeinden müssen Kita-Plätze schaffen

So auch in Emmering im Kreis Fürstenfeldbruck.* Dort haben sich 17 Eltern entschieden, ihre Kinder erst ein Jahr später einzuschulen, berichtet die zuständige Rathaus-Mitarbeiterin Angela Schütz. Alle begründeten das mit Corona. Die Gemeinde hat die hohe Zahl überrascht, vergangenes Jahr hatte es in Emmering kaum Fälle gegeben. Zwölf Kinder sind nun noch ohne Kindergartenplatz. Der Gemeinde sind die Hände gebunden. „Wir hoffen nun, dass sich bis Herbst für jedes Kind noch ein Platz finden wird“, sagt Schütz. „Langfristig werden wir die Kinderbetreuung ausbauen müssen.“

Der Übergang von Kindergarten zu Schule müsste fließender sein.

Simone Strohmayr, SPD

Die SPD-Politikerin Strohmayr sieht eine Lösung in der sogenannten Flexiblen Grundschule. Kinder hätten dadurch die Möglichkeit, die ersten beiden Schuljahre in einem, zwei oder drei Jahren zu absolvieren – je nachdem, wie schwer oder leicht sie sich tun, erklärt sie. „Der Übergang von Kindergarten zu Schule müsste fließender sein.“ Das würde ihrer Meinung nach vielen Familien die Sorgen nehmen. Ihr Antrag wurde abgelehnt. „Die Staatsregierung argumentiert, sie will den Familien in dieser Zeit nicht noch ein neues System aufbürden.“ Dann müsse sie den Kommunen nun aber auch helfen, Lösungen zu finden, fordert Strohmayr. Auch das sei keine einfache Aufgabe. Denn es geht nicht nur um Geld oder Räume, um mehr Kindergartenplätze anzubieten – sondern auch um Personal. Und das müsse erst mal gefunden werden.

Der Gemeinde Peiting (Kreis Weilheim-Schongau*) ist das bereits gelungen. Dort wären 23 Kinder ohne Betreuungsplatz gewesen, berichtet Bürgermeister Peter Ostenrieder (CSU). Die Eltern haben die spätere Einschulung zwar nicht begründen müssen, auch er geht aber davon aus, dass die Angst vor dem Homeschooling damit zusammenhängt. Deshalb wird es in Peiting ab Herbst eine zusätzliche Gruppe geben. Ein Mehrzweckraum wird vorübergehend als Gruppenraum umfunktioniert, neun neue Betreuungskräfte wurden eingestellt, berichtet Ostenrieder. Für Kindergarten, Krippe und Mittagsbetreuung. „Es war eine Herausforderung – aber es lief besser, als wir zu hoffen gewagt hatten.“

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