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Wildschweine sollen künftig auch in der Schonzeit bejagt werden dürfen, hat das Bundeskabinett beschlossen.

Maßnahmen zur Seuchenprävention

Angst vor Schweinepest: Das Ende der Schonzeit

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Die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest ist groß. Während sich in Bayern alle beteiligten Verbände zum Krisengipfel treffen, will Bundesagrarminister Schmidt die Schonzeit für Wildschweine aufheben.

München – Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen laufen bereits die Planungen für den Ernstfall. Noch ist kein Fall der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland bekannt – doch die Vorbereitungen für einen Ausbruch der Seuche laufen bereits auf Hochtouren. Am liebsten wäre es den Verantwortlichen aber natürlich, wenn die ASP gar nicht den Weg über die Grenze finden würde. Mit einem Maßnahmenpaket will der geschäftsführende Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) die Schutzvorkehrungen verstärken – unter anderem, indem die Schonzeit für Wildschweine aufgehoben wird. Das ist ein Punkt in einer gestern vom Bundeskabinett beschlossenen Verordnung, die jetzt noch von Bundesrat abgesegnet werden muss. Außerdem sollen mehrere EU-Vorschriften wie etwa zur Desinfektion von Viehtransporten nun auch national umgesetzt werden.

Auch in Bayern trafen sich am Mittwoch die beteiligten Behörden und Verbände zu einem Präventionsgipfel. Nach zweistündiger Diskussion sprach Umweltministerin Ulrike Scharf von einem „intensiven Austausch“. Zwischen Bauern und Jägern hatte es in der Vergangenheit immer wieder Meinungsverschiedenheiten darüber gegeben, ob ausreichend Schwarzwild geschossen werde. Denn die große Wildschweinpopulation in Deutschland könnte zu einer raschen Verbreitung der Seuche beitragen – wenn sie denn eingeschleppt wird. Doch über die Grenze dürfte das Virus wohl eher durch den Menschen kommen, etwa durch eine achtlos weggeworfene Semmel mit kontaminierter Rohwurst aus bereits betroffenen Gebieten in Osteuropa. An Raststätten und Grenzübergängen zwischen Bayern und Tschechien stehen deshalb schon seit geraumer Zeit Warnschilder. Sie sollen Lkw-Fahrer, Urlauber und Saisonarbeiter dazu anhalten, Lebensmittel nur in geschlossenen Behältern zu entsorgen.

Für Menschen ungefährlich 

Für den Menschen ist die Seuche ungefährlich. Aber eine Ausbreitung hätte für die Fleischwirtschaft dramatische Folgen, wie Umweltministerin Scharf gestern noch einmal betonte. Das Problem: Sobald irgendwo in Deutschland ein ASP-Fall auftritt, gilt das gesamte Bundesgebiet gemäß der Veterinärabkommen mit Ländern außerhalb der EU nicht mehr als ASP-frei. China beispielsweise würde dann wohl kein deutsches Schweinefleisch mehr importieren. Die Folge: ein massiver Preisverfall, weil derzeit große Mengen an Schweinepfoten, -ohren, -köpfen und Innereien nach Fernost verkauft werden – die hierzulande eher unbeliebten Stücke gelten dort als Delikatessen, wie Gerhard Stadler vom Bayerischen Bauernverband erklärt.

Stadler begrüßt, dass Landwirtschaftsminister Schmidt die Schonzeit für Wildschweine aufheben will. „Es muss alles unternommen werden, dass die ASP nicht zu uns kommt“, sagt Stadler. Bislang darf Schwarzwild in Bayern von Anfang Februar bis Mitte Juni nicht bejagt werden. Der Bauernverband werde seine Mitglieder dazu anhalten, die Jäger zu unterstützen – etwa, indem vermehrt Schussschneisen in waldnahe Maisfelder geschlagen werden.

Das ist eine Forderung, die auch der Vizepräsident des Bayerischen Jagdverbandes, Günther Baumer, nach der Sitzung noch einmal aufstellte. Neben der im Dezember vom bayerischen Kabinett beschlossenen 20-Euro-Prämie für Jäger auf geschossene Frischlinge und Überläuferbachen fordert Baumer außerdem eine gebührenfreie Trichinenschau, um den Aufwand der Jäger finanziell etwas abzufedern. Eine Aufhebung der Schonzeit sieht der Jagdverband dagegen kritisch. Der Schutz der Muttertiere müsse in jedem Fall gewahrt werden. Und einen großen Effekt – also höhere Abschusszahlen – werde diese Maßnahme ohnehin nicht erzielen, heißt es beim Verband.

Denn trotz aller Vorkehrungen wissen die Beteiligten auch, dass der erste deutsche Schweinepest-Fall jederzeit kommen könnte. „Deshalb müssen wir rechtzeitig die rechtlichen Bedingungen für den Seuchenfall klären“, fordert Scharf. Hier gebe es auf Bundesebene noch Gesprächsbedarf – etwa in der Frage, wer die Kosten übernimmt, wenn ein Sperrgebiet errichten und Zäune aufgestellt werden müssen. „Hier brauchen wir einen nationalen Kraftakt.“

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