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Die Staatsanwaltschaft wirft insgesamt drei Männern und einer Frau, einen 30 Jahre alten Bekannten - wahrscheinlich im Streit um Schulden - getötet und anschließend den Leichnam in die Rezat geworfen zu haben.

Ansbacher Mordprozess: Angeklagter gesteht

Nürnberg - Ein Toter in einem Fluss - drei Männer und eine Frau auf der Anklagebank. Seit Montag versucht das Landgericht Ansbach Licht in das grauenhafte Verbrechen zu bringen.

Im Prozess um eines der grauenhaftesten Verbrechen der vergangenen Jahre in Franken hat am Montag einer der Angeklagten ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der 25 Jahre alte Mann aus dem mittelfränkischen Neustadt/Aisch erklärte in einer von seinem Anwalt verlesenen Einlassung vor dem Landgericht Ansbach: “Ich räume die Tötung ein - im Wesentlichen wie sie in der Anklageschrift dargestellt wurde“. Insgesamt sind drei Männer und eine junge Frau angeklagt.

Opfer war ein 30 Jahre alter italienisch-stämmiger Bekannter des Quartetts, der zuletzt bei Freunden in Fürth gewohnt hatte, ursprünglich aber aus Herrenberg bei Stuttgart stammte. Die mutmaßlichen Täter hatten ihr Opfer erst wenige Monate zuvor im Zusammenhang mit Drogengeschäften kennengelernt. Opfer und Täter gehörten nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft dem Drogenmilieu im Großraum Nürnberg an.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 20 bis 26 Jahre alten Quartett vor, den Bekannten im Juli 2011 auf grausige Weise getötet zu haben. Sie hätten ihr Opfer unter dem Vorwand, dessen in Neustadt/Aisch abgestelltes Motorrad mit einem Transporter abzuholen und zu ihm nach Fürth zu bringen, in eine Falle gelockt.

Aussagen der Angeklagten gehen auseinander

Stattdessen überfielen sie ihn laut Anklage an einem vereinbarten Treffpunkt in Fürth; dabei hätten sie ihn zunächst mit einem Elektroschocker zur Strecke gebracht, dann mit einem Messer auf ihn eingestochen und den Schwerverletzten schließlich mit Fäusten, Fußtritten und einem Holzknüppel gequält. Weitere Stiche verpassten sie ihm auf der Fahrt ins 40 Kilometer entfernte Ansbach, sagte Staatsanwalt Michael Schrothberger.

Über das dortige Geschehen gehen die Aussagen der Angeklagten allerdings auseinander. Der 25-Jährige sagte in seinem Geständnis, sie hätten den noch lebenden Angeklagten in den Fluss Rezat rollen lassen. Als dieser sich in dem hüfthohen Wasser dann trotzdem noch einmal aufrichtete, habe er selbst zusammen mit seinem 26 Jahre alten Komplizen das Opfer unter Wasser gedrückt. “Danach ist er dann nicht mehr aufgestanden“, sagte der 25-Jährige.

Dagegen bestritt der 26-Jährige, das Opfer ertränkt zu haben. Er sei vielmehr davon ausgegangen, dass der 30-Jährige nach den vielen Messerstichen bereits tot war; er erinnere sich nur noch daran, dass man den Mann in die Rezat geworfen habe. Von einem Ertränken wisse er nichts. Die beiden anderen Angeklagten wollten sich vorerst nicht zu den Tatvorwürfen äußern.

Aus dem Ruder gelaufen

Der 25 Jahre alter Handwerker berichtete in seinem Geständnis, das Ganze sei in einer Art “Angst-Panik“ geschehen. Eigentlich habe man dem Bekannten, der sie zuletzt immer mehr terrorisiert habe und der ihnen mit seinen Gewaltdrohungen große Angst eingeflößt habe, nur eine “Lektion erteilen“ wollen.

Dann habe die Tat allerdings “ihre Eigendynamik“ entwickelt und sei immer mehr aus dem Ruder gelaufen. Da der 30-Jährige selbst nach zahlreichen Messerattacken immer noch damit gedroht habe, dem Quartett alles heimzuzuzahlen, hätten sie aus Angst vor Rache nur eine Möglichkeit gesehen: den Bekannten zu töten. Zudem habe er noch unter den Folgen eines Drogenrauschs gelitten.

Der 26 Jahre alte Mitangeklagte räumte vor Gericht zwar ebenfalls seine Beteiligung bei der Tat ein, bestritt aber, den 30 Jahre alten Bekannten mit Messerstichen malträtiert und schließlich getötet zu haben. Er stritt auch ab, dass es sich bei dem Treffen am 9. Juli 2011 in Fürth um eine Falle gehandelt habe; für ihn sei das Treffen im Wesentlichen geplant worden, um in einem Streit um einen Motorradkauf zwischen dem 25-jährigen Beschuldigten und dem späteren Opfer zu schlichten.

dpa

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