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Schweine im Stall: Ist eines krank, steckt es in Windeseile die Artgenossen an.

Antibiotika-Höfe im Visier

München - Der Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft ist umstritten. Haltern, die ihren Tieren zu viel Arznei verabreichen, soll strenger auf die Finger geschaut werden. In Bayern gibt es Zweifel an der Notwendigkeit einer Gesetzesänderung.

Es geht rasend schnell: Ist in einem Stall ein Tier krank, steckt es innerhalb kürzester Zeit das nächste – und irgendwann alle an. Oft hilft nur der Einsatz von Antibiotika. Doch genau den will Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) eindämmen. Deshalb sollen Höfe, die auffällig große Mengen von Antibiotika verwenden, stärker ins Visier der Kontrollbehörden rücken. Das stößt nicht überall auf Zustimmung. „Viel heiße Luft“, sagt Andreas Randt, designierter Chef des Tiergesundheitsdienstes Bayern. Lobenswert, aber eigentlich überflüssig, meint Walter Heidl, Schweinehalter und niederbayerischer Bauernpräsident.

Antibiotikum in der Tierfütterung ist seit 2006 EU-weit verboten, schon zuvor musste der Bauer ein Rezept des Tierarztes vorlegen, um entsprechendes Futter kaufen zu können. Jetzt bekommen Tiere die Arznei nur noch, wenn der Veterinär das für angezeigt hält. „Dieses System unterliegt einer sehr strengen Kontrolle“, sagt Edgar Littmann vom Institut für Tierzucht in Grub (Kreis Ebersberg). Der Tierarzt muss beispielsweise exakt festhalten, für wie viele Schweine das Medikament wie lange reicht und wie es verabreicht werden muss. Nach sieben Tagen muss er überprüfen, ob der Landwirt das Antibiotikum korrekt eingesetzt hat. Auch der Bauer muss genau Buch führen über die Behandlung von Krankheiten. Kommt der Kontrolleur vom Landratsamt, müssen beide – Veterinär und Tierhalter – Zahlen über die Verabreichung von Antibiotika offenlegen. „Wir haben ein transparentes System“, sagt Heidl vom Bauernverband. Doch in manchen Fällen scheint dieses Reglement nicht auszureichen – immer wieder sorgen schwarze Schafe der Branche für negative Schlagzeilen. „Deshalb darf man aber nicht sämtliche Tierhalter verteufeln“, fordert Zuchtexperte Littmann.

Mitte Januar herrschte große Aufregung um eine Stichprobenuntersuchung von Geflügel. Der Bund Naturschutz hatte auf Fleisch aus Supermärkten und Discountern antibiotika-resistente Keime gefunden. Ministerin Aigner hatte in diesem Zusammenhang angekündigt, das Arzneimittelgesetz zu ändern. Gestern legte ihr Ministerium konkrete Vorschläge vor – die die Befugnisse der zuständigen Überwachungsbehörden der Länder ausweiten sollen.

Betriebe, in denen übermäßig viele Antibiotika eingesetzt werden, sollen sich zunächst in einem Gespräch mit den Kontrolleuren erklären. Häufig sei der erhöhte Verbrauch zurückzuführen auf hygienische Mängel im Stall, sagte ein Sprecher der Ministerin. Werde die Einstreu oft getauscht oder die Filter in den Lüftungsanlagen regelmäßig erneuert, würden die Tiere seltener krank – und Medikamente überflüssig, erklärte der Sprecher. „Das weiß jeder Landwirt.“ Der Tierhalter wird durch das neue Gesetz verpflichtet, ein „Minimierungskonzept“ vorzulegen. Schafft er es nicht, das einzuhalten, drohen ihm Sanktionen: Bußgelder oder in extremen Fällen auch die Schließung des Betriebs. Damit die Kontrollbehörden „näher hinschauen“ können, brauche es eine Ermächtigungsklausel im Gesetz. Dies sei eine Bitte der Länder gewesen, heißt es. In den kommenden Wochen werden sich Vertreter der Länder zu einem Gespräch treffen.

Andreas Randt vom Tiergesundheitsdienst Bayern kritisiert Ilse Aigners Vorstoß. Er sehe die Dramatik bei dem Thema nicht. Gemessen am Antibiotika-Verbrauch stehe Deutschland im Vergleich zu Ländern wie Frankreich oder Niederlande sehr gut da – und Bayern noch besser. Das würden Kontrollen beweisen.

Freilich: „Wir empfehlen nur zielgerichteten Einsatz“, sagt Randt. Allerdings gebe es in einer Landwirtschaft durchaus Phasen, in denen es schlechter laufe und mehr Antibiotika als normal verwendet werde. Werden dann Betriebe, die anlassbezogen mehr Arzneien verabreichen, kriminalisiert? „Nein“, meint Walter Heidl vom Bauernverband, der zudem ehrenamtlich Vorsitzender des Tiergesundheitsdienstes ist. Er gehe davon aus, dass die zuständigen Fachbehörden dies richtig einzuschätzen wissen.

Von Carina Lechner

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