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Kurz vor dem Prozessauftakt zum Zugunglück von Bad Aibling, das sich im Februar ereignete, kritisierte ein Anwalt den Umgang der Bahn mit den Opfern.

Katastrophe von Bad Aibling

Anwalt kritisiert Umgang mit Hinterbliebenen des Zugunglücks

Bad Aibling/Berlin - Kurz vor Prozessbeginn zum Zugunglück von Bad Aibling hat ein Nebenklage-Vertreter den Umgang der Bahn mit den Opfern kritisiert und eine lückenlose Aufklärung der Unfallursachen gefordert.

Bei dem Unglück am 9. Februar 2016 waren durch das Versagen des Fahrdienstleiters zwölf Menschen getötet und 89 zum Teil schwer verletzt worden. Rechtsanwalt Friedrich Schweikert sagte dem Nachrichtenmagazin Focus, bislang hätte die Versicherung des privaten Betreibers Bayerische Oberlandbahn den Hinterbliebenen der Todesopfer jeweils nur die europaweit gültige Mindestsumme von 21.000 Euro ausbezahlt.

„Darüber hinaus gab es bislang keinen Cent“, so Schweikert. Den Kampf ums Geld würden die Hinterbliebenen als „unwürdig“ empfinden. „Die Versicherung verlangt von jeder Familie exakte Begründungen, warum sie mehr als 21.000 Euro braucht. Jeder Posten muss aufgeschlüsselt werden, sogar der Schmerzensgeld-Anspruch für das Leid der Verstorbenen.“ Dafür müsse man unter anderem nachweisen, wie lange das Opfer noch bei Bewusstsein war und wie schlimm es bis zum Eintritt des Todes leiden musste. 

Der Rechtsanwalt bezeichnete diese Praxis im Focus als „grauenhaft“ und „kaum auszuhalten“. Zu dem am 10. November vor dem Landgericht Traunstein beginnenden Prozess gegen den Fahrdienstleiter sagte Schweikert dem Focus: „Die Hinterbliebenen fordern lückenlose Aufklärung. Sie wollen wissen, ob sich außer dem Fahrdienstleiter weitere Beteiligte schuldig gemacht haben, etwa die Deutsche Bahn AG.“ 

Laut dem Anwalt gibt es moderne Technologien, mit denen man ein solches Drama hätte verhindern können. Die Opfer wollten nun wissen, warum diese Technik nicht eingesetzt wurde. Schweikert: „Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Deutsche Bahn an der Sicherheit gespart hat – auf Kosten ihrer Kunden.“ Strafrechtlich könne die Deutsche Bahn nicht belangt werden. „Es geht um moralische Verantwortung und zivilrechtliche Ansprüche“, so Schweikert. 

Die Deutsche Bahn AG wollte sich gegenüber Focus wegen des laufenden Verfahrens nicht zu den Vorwürfen des Anwalts äußern.

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