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Mitarbeiter eines Bestattungsunternehmens tragen einen Toten in einem Sarg aus dem Gebäude

Der Anwalt, der zum Lebensretter wurde

München/Dingolfing - Georg G., seine Schwester und sein Schwager wären beinahe Opfer eines Amoklaufes am Landgericht Landshut geworden. Der Anwalt rettete ihnen das Leben. Es wird Zeit, dass dieser mutige Einsatz gewürdigt wird, findet Grimm.

Es ist der 7. April 2009. Um 10.15 Uhr legt der Richter in Saal 8 des Landshuter Landgerichts eine Pause ein. Verhandelt wird der Erbstreit einer Familie aus Dingolfing, der an diesem Tag seinen traurigen Höhepunkt findet. Vor dem Saal warten Georg G. und seine Schwestern Brigitte G. und Rosi W. mit deren Mann Fritz und Anwalt Dr. Gerhard Schwarzer, sie unterhalten sich. Da kommt es zum Wortgefecht mit Franz N., der zur Gegenseite gehört.

Der Amoklauf in Landshut

Amoklauf in Landshut

Plötzlich zieht N. einen Revolver: Er schießt Rosi W. in den Arm, ein Streifschuss verletzt Georg G. am Kopf. Brigitte G. wird in den Kopf getroffen, sie stirbt vor den Augen ihres Sohnes (11). Als N. seinen Revolver auf Fritz W. richtet, stürzt sich Anwalt Dr. Schwarzer auf den Schützen und reißt ihn zu Boden. N. drückt die Waffe auf Schwarzers Brust und drückt ab: Die Kugel durchschießt seine Lunge.

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Schießerei in Landshut ohne gerichtliches Nachspiel

Es geht alles sehr schnell, keines der Opfer rechnet mit dem Angriff. Erst später stellt sich heraus, dass N. die Tat lange im Voraus geplant hat. In mehreren Abschiedsbriefen ist davon zu lesen. „Der wollte uns alle umbringen“, sagt Georg G. heute. Einzig der Anwalt verhindert Schlimmeres: Weil sich Dr. Gerhard Schwarzer dem Schützen in den Weg stellt, gelingt G. und seinem Schwager die Flucht. Der Anwalt und Rosi W. bleiben verletzt vor dem Saal zurück, „quälend lange Minuten“, wie W. ihrem Bruder später erzählt. G. ist überzeugt: „Unser Anwalt hat den Täter von uns abgelenkt, nur deshalb konnten wir weglaufen.“

Der mutige Lebensretter: Anwalt Dr. Schwarzer

Dabei riskiert Dr. Schwarzer, der in Reisbach (Kreis Dingolfing-Landau) seine Kanzlei hat, mit seinem mutigen Eingreifen sein eigenes Leben: Der 54-Jährige kommt mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus, liegt eine Woche lang auf der Intensivstation. Es dauert einige Wochen, bis er das Krankenhaus verlassen kann. Die Geretteten halten Kontakt zu seiner Frau und informieren sich regelmäßig über Dr. Schwarzers Zustand. „Besucht haben wir ihn aber erst, als er wieder daheim war“, erinnert sich G. Bei den Geschwistern mischen sich Schuldgefühle mit Dankbarkeit. „Es hat ein paar Tage gedauert, bis uns bewusst war, was Herr Dr. Schwarzer für uns getan hat.“ Sein Einsatz ist nicht selbstverständlich, davon sind G. und seine Familie überzeugt. Dr. Schwarzer bot der Familie an, sein Mandat niederzulegen, „aber das kam für uns gar nicht in Frage. Hätte es eines Vertrauensbeweises bedurft, dann hat ihn unser Anwalt in jeder Hinsicht erbracht.“ Er vertritt die Geschwister auch weiterhin.

Gedankt haben die Überlebenden der Bluttat ihrem Retter in einem persönlichen Gespräch. Dass Dr. Gerhard Schwarzer am heutigen Dienstag die Bayerische Rettungsmedaille erhält, ist der Familie eine Herzensangelegenheit. „In dem ganzen Presserummel standen immer der Täter und die Tat im Mittelpunkt“, sagt G.. „Jetzt ist es an der Zeit, dass unser Lebensretter gewürdigt wird.“ Darum begleiten G., seine Frau, Schwester Rosi W. und deren Mann ihren Schutzengel nach München. Dort nimmt er heute Nachmittag in der Residenz die Auszeichnung von Ministerpräsident Horst Seehofer entgegen. Der Dank der Menschen, die Dr. Gerhard Schwarzer ihr Leben verdanken, ist ihm ohnehin sicher.

Kathrin Brack

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