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Reif und knackig sind die Äpfel jetzt in ganz Bayern. Allerdings fällt die Ernte überall anders aus.

Apfelschwemme in Bayern?

München - Gibt es eine Apfelschwemme in Bayern? In Landkreisen wie Ebersberg oder Fürstenfeldbruck herrscht bereits Aufnahmestopp an den Saftpressen. Doch nicht überall fällt die Ernte so üppig aus.

Der entscheidende Tag war in weiten Teilen Bayerns der 4. Mai. Ob in einem Obstgarten heute Bäume stehen, deren Äste sich durchbiegen ob der rotbackigen, prall strahlenden Prachtexemplare von Äpfeln, die in ihrer Krone hängen, oder ob gähnende Leere herrscht im Geäst – beides hängt zu einem großen Teil von diesem Mittwoch im Frühling ab.

Denn: „Am 4. Mai gab es noch einmal starken Frost“, erklärt Thomas Schuster vom Bayerischen Gartenbauzentrum Südwest. Wie die Apfelernte ausfällt, hängt also damit zusammen, wie kalt es in der Nacht auf den 4. Mai in der jeweiligen Region war. Und damit, wie weit die Äpfel zu dieser Zeit bereits entwickelt waren. Reifere Früchte können den Frost besser wegstecken. „Auch eine leichte Hanglage ist von Vorteil, da die Kaltluft so besser abfließen kann“, erläutert Hubert Siegler, den seine Kollegen bei der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau scherzhaft „Apfelpapst“ nennen.

Obwohl die diesjährige Apfelernte in Bayern laut Siegler leicht rückläufig ist, mussten beispielsweise im Landkreis Ebersberg Sammeltermine für Streuobst wegen Überflusses abgesagt werden. Abgesehen von dem Frost am 4. Mai gebe es dafür noch mehrere andere, ganz unterschiedliche Gründe. Auch der „Apfelpapst“ kann die Ursachen im Einzelfall nicht genau festmachen: Das exakte Klima, der genaue Bienenflug und natürlich die jeweilige Apfelsorte. Zu viele Faktoren spielen hinein.

Günstig scheinen diese Bedingungen jedenfalls auch in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Erding ausgefallen zu sein, wo Saftpresser und Kelterer derzeit fleißig Überstunden machen. Der Verein „Brucker Land“ hat alleine 65 000 Kilo Äpfel gesammelt. Das sind 160 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Ähnlich ist die Situation in Weilheim. „Das ist immens, was da kommt“, sagt Hans Fromm, Vorsitzender der Blumen- und Gartenfreunde Weilheim. 2010 habe der Verein nur 20 Kilo von seinen beiden Streuobstwiesen geerntet. In diesem Jahr sind es bereits mehr als fünf Tonnen. 170 000 Liter Saft haben die Vereinsmitglieder daraus bereits gepresst. Im gesamten Vorjahr waren es lediglich 23 000 Liter.

„Die Alternanz ist in solchen Fällen natürlich auch ein entscheidender Punkt“, sagt Siegler. Das soll bedeuten: Bäume, die in einem Jahr nur wenige Früchte getragen haben, sind im darauf folgenden Herbst meist besonders ergiebig – und umgekehrt. Deshalb könne man auch nicht bayernübergreifend von einer Apfelschwemme sprechen. Vielmehr handle es sich um einen natürlichen Rhythmus.

Sebastian Horsch

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