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Restauratorin Svenja Kampe untersucht die Schädelfragmente von Anna. 

Grab von Pförring

Archäologen jubeln: Anna, der Jahrhundertfund

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Sie war jung, vielleicht 20, sie war groß, vielleicht etwa 1,70 Meter. Und sie war sehr reich. Anna, so haben Archäologen eine unbekannte Frau getauft, lebte um 450 n. Chr. bei Eichstätt. Fast 1600 Jahre später ist sie jetzt ein Fall für die Wissenschaft.

München – Die Geschichte von Anna beginnt unspektakulär: Die 4000-Einwohner-Gemeinde Pförring (Kreis Eichstätt) plant ein neues Wohngebiet. Weil schon in der Vergangenheit mehrmals Funde aus der Römerzeit gemacht wurden, ordnet Bürgermeister Bernhard Sammiller höchste Vorsicht an: Nur in Begleitung eines Archäologen wird gebaggert – und siehe da: Im Mai vergangenen Jahres stößt der Baggerfahrer beim Bau einer Straße in nur 40 Zentimetern Tiefe auf ein sogenanntes Kammergrab. Es ist eine aus Holz gezimmerte Kammer, etwa drei mal drei Meter groß, zweistöckig, mit runden Eckpfosten und Wänden aus Holzbrettern. Es ist das Grab von Anna. „Zuerst schaute nur der Schädel raus“, berichtet der Archäologe Hubert Fehr, der für das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Grabung beaufsichtigte.

In solchen Gefäßen fanden die Archäologen unter anderem Reste von Speisen, etwa Knochen von Schaf oder Ziege. 

Fehr steht nun in der Werkstatt des Landesdenkmalamts unweit der Münchner Oper. In Kästen liegt dicht an dicht das, was in Pförring geborgen wurde. Das Schädelfragment von Anna, mit gut erhaltenen Zähnen. Über 300 Perlen, teils aus Bernstein, teils aus Glas, römische Produktion. Amulette, Fibeln, also Gewandschließen, Glasbecher, ein goldener Fingerring, Kopfschmuck aus Silber. „Einzigartig“, sagt Hubert Fehr. „Ein Jahrhundertfund“, sagt sein Kollege Jochen Haberstroh. „Sensation“, sagt Generalkonservator Mathias Pfeil, der es meist eine Spur dramatischer als seine nüchternen Wissenschaftler mag. Wie auch immer: Das Grab war reich ausgestattet und unzerstört, die Verstorbene lag auf einer Art Totenbett, umringt mit Schmuck, eine regelrechte „Inszenierung“ (Fehr), die jetzt im Detail analysiert werden kann. Das übernimmt die Restauratorin Svenja Kampe, die eine Arbeit über Anna schreiben wird.

Dieser Knochenkamm fand sich im Kammergrab von Pförring.

Anna lebte an der Grenze zum Römischen Reich 

Nach allem, was bisher bekannt ist, lebte Anna um 450 n. Chr. bei Pförring. Zwei Kilometer südlich fließt die Donau. Immer schon. Sie bildete damals die Grenze des Römisches Reiches, dahinter war das Niemandsland. Germanen nannte man die Bewohner später. Anna war so eine Art Grenzbewohnerin unter römischem Einfluss, eine Art Mischwesen. Woher stammte sie, was war sie?

Fehr warnt vor Überinterpretationen: „Wenn man die Dame gefragt hätte: Bist du Germanin, dann hätte sie verständnislos geguckt“, sagt er. Die Frau war auch keine Bajuwarin (die kamen erst 100 Jahre später) und keine Kriegerin, denn man fand wohl ein Web-Schwert zur Textilverarbeitung im Kammergrab, aber keine Waffe. Bei einem ähnlichen Grab in der Nähe, bei Kipfenberg, war das anders: Dort lag neben dem männlichen Skelett ein Schwert. Auch nicht klar ist: War Anna vielleicht eine Christin? Wohl eher nicht, Fehr spricht von einem „heidnischen Grab“. Hinweise zur Todesursache fehlen noch, aber vielleicht ergeben Analysen der Knochen Hinweise.

Ein Unikat: Der Goldring hing am skelettierten Zeigefinger der linken Hand. 

Der Ort hat gar kein Museum

Bürgermeister Sammiller hat nun ein Luxusproblem. Weil das Grab auf einem Grundstück der Gemeinde gefunden wurde, gehört der ganze spektakuläre Fund dem Markt Pförring.

Aber ein Museum hat der kleine Ort nicht. Und um das Skelett bloß im Foyer des Rathauses auszustellen, wo es einige Vitrinen gibt, ist es dann doch zu hochwertig. „Geht gar nicht“, sagt Generalkonservator Pfeil. Eventuell soll es nun eine Kooperation mit dem Stadtmuseum Ingolstadt geben.

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