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1300 Jahre altes Kindergrab in Bamberg aufgetaut – „Eisprinz“ aus dem 7. Jahrhundert

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Von: Thomas Eldersch

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In Schwaben haben Archäologen ein etwa 1300 Jahre altes Kindergrab mit Schockfrost-Technik komplett geborgen.
In Schwaben haben Archäologen ein etwa 1300 Jahre altes Kindergrab mit Schockfrost-Technik komplett geborgen. © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Ein tiefgefrorener, 1300 Jahre alter Leichnam eines Jungen aus Schwaben wurde eingefroren, nach Bamberg geschafft und jetzt wieder aufgetaut.

Bamberg/Tussenhausen – Rund 1300 Jahre lang lag ein kleiner Bub in seinem Grab im schwäbischen Tussenhausen, bis Archäologen auf ihn stießen. Das ist jetzt gut ein dreiviertel Jahr her. Um den Leichnam des Kindes besser untersuchen zu können, wurde das Grab samt Erde schockgefrostet. Jetzt wird es behutsam im oberfränkischen Bamberg aufgetaut.

1300 Jahre alter Kinderleichnam wird in Bamberg aufgetaut

Ende Oktober 2021 wurde das Kindergrab in Schwaben entdeckt. Die Experten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege hatten das Grab im Oktober 2021 in Tussenhausen (Landkreis Unterallgäu) mit einer neuartigen Schockfrost-Technik geborgen. Dabei kam Flüssig-Stickstoff zum Einsatz. Damit der Fund bei der Bergung nicht beschädigt wird, haben die Archäologen das gesamte Erdreich eingefroren und dann das Grab in einem Block gehoben. Danach wurde das gefrorene, 800 Kilogramm schwere Grab in die Außenstelle des Landesamtes bei Bamberg gebracht und dort zunächst in einer Gefrierzelle gelagert.

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In dem Depot des Landesamtes in Oberfranken werde das Grab in den nächsten Tagen aufgetaut, hieß es von der Behörde am Mittwoch. Dabei kamen ungewöhnliche Werkzeuge für Archäologen zum Einsatz. Die Restauratorinnen und Restauratoren arbeiteten mit Heißluft und Lötkolben. „Damit das frei werdende Tauwasser die Funde nicht beschädigt, wird es über einen speziellen Sauger abgeleitet“, teilte das Amt mit. In den Bearbeitungspausen sorge eine Kühlhaube für eine konstante Temperatur von minus vier Grad.

Stammte der „Eisprinz“ aus einer wohlhabenden Familie?

Die Wissenschaftler wollen herausfinden, ob es sich bei dem „Eisprinzen“ – so nennen sie den im 7. Jahrhundert verstorbenen Jungen – wie vermutet um ein Kind aus wohlhabenden Kreisen handelte. Dafür sprechen die hochwertigen Grabbeigaben wie ein Schwert mit einem mit Goldbeschlägen verzierten Gurt sowie Schmuck wie Goldblattkreuze und Armreifen aus Silber. Der Junge, der wohl maximal etwa zehn Jahre alt geworden ist, wurde gemeinsam mit einem Hund bestattet. (tel mit dpa)

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