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Winterpracht am Königssee: Trotz eisiger Kälte schippert ein Ausflugsschiff über den Königssee im Berchtesgadener Land. Die Fahrgäste genießen die Aussicht auf die eingeschneite Natur.

Dauerfrost in Bayern

Arktische Kälte heißt für Winterdienste: Dauereinsatz

München - Nach Tief „Axel“ mit Schnee, Eis und Sturm bestimmt Polarluft das Wetter in Bayern. Auf der Zugspitze wurden minus 27 Grad gemessen. Der Deutsche Wetterdienst warnt vor strengem Frost. Für die Winterdienste heißt das: Dauereinsatz.

Der Tag für die Josef Strobls Mannschaft beginnt seit Mittwoch mitten in der Nacht. Der Dienststellenleiter der Straßenmeisterei in Bad Tölz sorgt dafür, dass 300 Kilometer Bundes-, Staats- und Kreisstraßen im südlichen Landkreis mit Teilen von Garmisch und Schongau geräumt sind. „Der Späher ist ab 1.30 Uhr unterwegs und schaut, was das Wetter macht“, sagt Strobl. (Hier entlang zu unserem Wetter-Newsblog.) 

Und das Wetter macht in dieser Woche einiges. Seit Mittwoch breitet sich der Winter in Bayern aus. Weiße Flocken wehen vom Himmel und Frost legt sich auf die Straßen. Beides wollen Autofahrer nicht dort haben. Deswegen weckt der Tölzer Späher die Fahrer um halb drei. Zwölf Fahrzeuge sind dann bis abends um 22 Uhr im Einsatz. Bei starkem Schneefall auch rund um die Uhr.

„1998 auf 99 war es extrem. Und 2005 auf 2006 hatten wir auch einen richtigen Winter“

Das war heuer aber noch nicht nötig. Strobl ist seit 26 Jahren Dienststellenleiter und erinnert sich an deutlich schlimmere Verhältnisse. „1998 auf 99 war es extrem. Und 2005 auf 2006 hatten wir auch einen richtigen Winter“, sagt der 65-Jährige. Zwischenzeitig gab es zwar eine Warnung vor strengem Frost und in den Alpen vor erheblicher Lawinengefahr. Rekordverdächtig sind die Wetterverhältnisse aber nicht.

Der Kälterekord wurde am 12. Februar 1929 in Wolnzach (Kreis Pfaffenhofen) gemessen: minus 37,8 Grad. An dieser Marke kratze das Thermometer bisher kaum. Am kältesten war es mit minus 22 Grad in der Nacht auf Freitag im oberpfälzischen Schorndorf. In Mühldorf am Inn und am Flughafen München hatte es minus 18 Grad.

Jürgen Keil ist Wetter-Beobachter auf der Z ugspitze.

Richtig bemerkbar machte sich die arktische Kälte allerdings am höchsten Gipfel Deutschlands. An der Zugspitze zeigte das Thermometer minus 27 Grad an. Ein Kopf, der hinter der Zahl steckt, ist Jürgen Keil. Er ist Beobachter auf der Zugspitze für den Deutschen Wetterdienst. Der 44-Jährige steigt tagsüber alle 30 Minuten auf die Plattform der Wetterstation – auch bei Orkanböen und Frost. Jedes Mal zeichnet er Temperatur, Luftdruck und -feuchtigkeit, Windgeschwindigkeit und -richtung auf.

Am kältesten war es am 14. Februar 1940 auf der Zugspitze. Da hatte es minus 35,6 Grad. Der stärkste Wind fegte mit 335 Stundenkilometern am 12. Juni 1985 über den Gipfel. Unter solchen Bedingungen ist es alles andere als gemütlich in der Arbeitsstube von Keil. „Es pfeift an allen Ecken und Enden“, sagt Keil.

Als Wetterbeobachter verbringt er immer 24 Stunden auf der Zugspitze – wenn die Seilbahn nicht fahren kann, ist die Zahnradbahn meist trotzdem fahrtüchtig. In Keils sieben Jahren als Wetterbeobachter blockierte allerdings zweimal ein Baum die Strecke. „Dann dauert die Schicht halt so lange, bis ich abgelöst werden kann.“

Auch wenn in den vergangenen Tagen kein Kälterekord dabei war: Der Dauerfrost sorgt für zapfige Temperaturen in Bayern. „Das ist schon eine markante Kälte“, sagte ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes am Freitag. Der strenge Frost soll erst im Laufe des Samstags abklingen.

Josef Strobl und seine Mannschaft vom Winterdienst sind darauf vorbereitet. „Wir sind für alle Eventualitäten gerüstet“, sagt der Dienststellenleiter. Für ihn ist das mit 65 Jahren der letzte Winter im Dienst. Deswegen ist ihm besonders wichtig, für Straßensicherheit zu sorgen. Bisher ist er sehr zufrieden mit der Arbeit seiner Mitarbeiter. Er appelliert aber auch an die Autofahrer, mit Winterreifen zu fahren und ihre Fahrweise anzupassen. Für alle, die sich zu Fuß aufmachen, hat die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie einen Tipp: Watscheln wie ein Pinguin. Wer beim Gehen den Körperschwerpunkt über dem vorderen Bein ausrichtet, rutscht nicht so leicht aus.

Susanne Weiß

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