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Für viele Ältere die einzige Möglichkeit für eine richtige Mahlzeit: Die Tafel versorgt Bedürftige.

Zahl in Bayern erneut gestiegen

Neuer Bericht: So viele Menschen leben armutsgefährdet 

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München - Es sieht düster aus für viele Bürger im Lande. Laut dem neuen Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands sind fast 13 Millionen Menschen gefährdet.

Angst vor der Armut. Immer mehr Bundesbürger müssen sich damit auseinandersetzen. Das geht aus dem Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbands hervor, der sich auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes beruft. Denn 12,9 Millionen Menschen in Deutschland leben unter der Grenze für Armutsgefährdung. Auch bei uns in Bayern ist die Zahl zum dritten Mal in Folge gestiegen. Die Zahlen selbst stoßen aber auch auf Kritik. Die tz klärt die wichtigsten Fragen:

Die Grafik ist in die 18 Planungsregionen Bayerns aufgeteilt und zeigt die jeweiligen Armutsquoten aus dem Jahr 2015.

Auf welche Jahre bezieht sich der Armutsbericht? Auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2015. Dabei wird bis auf das Jahr 2005 zurückgeschaut, womit eine Entwicklung der letzten zehn Jahren beobachtet werden kann.

Wie sehen die konkreten Zahlen aus? Deutschland hatte im Jahr 2015 eine Armutsquote von 15,7 Prozent. In konkreten Zahlen heißt das: 12,9 Millionen Menschen sind betroffen.

Wie wird die Quote eigentlich berechnet? Gemessen wird der Anteil der Menschen mit einem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens. Das Statistische Bundesamt stuft diese Betroffenen als armutsgefährdet ein, der Wohlfahrtsverband als arm. Die Grenze liegt für einen Single bei 942 Euro im Monat, für ein Paar mit zwei kleineren Kindern bei 1978 Euro.

Wie hat Bayern im Armutsbericht abgeschnitten? Die gute Nachricht: Bayern hat bundesweit mit 11,6 Prozent die niedrigste Armutsgefährdungsquote. Allerdings sind auch bei uns die Zahlen von 2012 bis 2015 stetig gestiegen - von elf Prozent auf 11,6 Prozent. Den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre gab es 2008 und 2010 mit jeweils 10,8 Prozent.

Was ergibt das in konkreten Zahlen? Bei ca. 12,9 Millionen Menschen in Bayern leben rund 1,5 Millionen unter der Armutsgrenze.

Bei wem ist das Armutsrisiko besonders hoch? Arbeitslose sind mit einer Quote von 59 Prozent stark betroffen. Alleinerziehende kommen auf einen Wert von 43,8 Prozent. Hinzu kommen Ausländer (33,7), sowie Familien mit drei und mehr Kindern (25,2). Der Anteil armutsgefährdeter Rentner (15,9 Prozent) stieg innerhalb von zehn Jahren um 49 Prozent.

Wo in Deutschland ist die Gefährdung am stärksten? Im Ruhrgebiet und in Berlin. In Nordrhein-Westfalen ist die Quote bei 17,5 Prozent stabil geblieben. In Berlin stieg sie von 20 auf 22,4, in Bremen von 24,1 auf 24,8 Prozent.

Sind die Zahlen repräsentativ? Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Gerd Landsberg, übt Kritik. Es gäbe 2,8 Millionen Studenten, die trotz geringeren Einkommens zumeist keineswegs arm seien, sagte Landsberg der Neuen Osnabrücker Zeitung. Auch der Dortmunder Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik, Walter Krämer sieht die Zahlen kritisch Bei eingehender Betrachtung der Zahlen „käme nämlich heraus, dass Armut seit Jahren sinkt“, so Krämer gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Das Problem der Armutsquote: ein Faktor wie der Wohnort und die damit eventuell höheren oder niedrigeren Lebenshaltungskosten werden nicht berücksichtigt. 

Essen für die Armen: Die "Münchner Tafel" verteilt Lebensmittel.

Altersarmut um 49 Prozent rauf

Dass immer weniger Geld im Alter bleibt, ist nichts Neues. Die Zahlen allerdings, die dem neuesten Armutsbericht zu entnehmen sind, lassen aufhorchen, sind beinahe schon dramatisch. Waren es im Jahr 2005 noch 10,7 Prozent der Rentner, die unter der Armutsgrenze lebten, sind es in den aktuellen Zahlen schon 15,9 Prozent. Das entspricht einer Steigerungsquote von 49 Prozent innerhalb von nur zehn Jahren.

Der Präsident der Volkssolidarität, Wolfram Friedersdorf, sprach von einer „Lawine“ an Altersarmut. „Es ist schon beängstigend, wie mit Älteren in der Gesellschaft umgegangen wird“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk und er warnte vor einem weiter wachsenden Trend: Altersarmut sei schon heute ein ernstzunehmendes Problem, sagte Friedersdorff. In den ostdeutschen Bundesländern sei die gesetzliche Rente „für fast alle die einzige Einnahmequelle im Alter“. Friedersdorff weiter: „Wenn das Rentenniveau weiter nach unten geschraubt wird, haben die Menschen nichts, womit sie diese Lücke stopfen könnten.“ Altersarmut sei damit „programmiert“.

DL

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