Staatsanwaltschaft ermittelt in 107 Fällen

Arzt soll Patientinnen jahrelang sexuell missbraucht haben

Ansbach - Ein Arzt bestellte psychisch-kranke Patientinnen in seine Praxis. Ihnen sagte er, Sex sei Teil der Therapie. Damit kam er durch, bis ihn eine Patientin anzeigte.

Ein Arzt im mittelfränkischen Feuchtwangen (Landkreis Ansbach) soll drei Frauen mehr als drei Jahre lang sexuell missbraucht haben. Insgesamt ermittle die Staatsanwaltschaft in 107 Fällen, berichtete ein Sprecher der Ansbacher Anklagebehörde am Donnerstag. Der Arzt habe mit dem angeblich einvernehmlichen Sex mit den erwachsen Frauen das Arzt-Patienten-Verhältnis ausgenutzt.

Der Beschuldigte hat die Vorwürfe inzwischen in vollem Umfang eingeräumt, teilte dessen Anwalt Alfred Meyerhuber auf Anfrage mit. Dem Beschuldigten droht nach Angaben der Staatsanwaltschaft bei einer Verurteilung eine Haftstrafe zwischen drei Monaten und fünf Jahren.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Ansbach hatte der als Therapeut arbeitende Hausarzt zwischen 2012 und Dezember 2015 regelmäßig psychisch-kranke Patientinnen in seine Praxis bestellt - meist in den späten Abendstunden. Dabei habe er fast immer Sex mit den Frauen gehabt; seinen Opfern gegenüber habe er erklärt, dies sei Teil der Therapie.

Labilität der psychisch kranken Patienten ausgenutzt

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders: In ihren Augen hat der Arzt die Frauen „unter Ausnutzung des Behandlungsverhältnisses“ sexuell missbraucht. Dabei habe er die Labilität seiner psychisch kranken Patienten ausgenutzt. Die Fälle waren bekannt geworden, nachdem sich eine der Frauen bei der Polizei meldete.

Der Anwalt hält dem entgegen: „Ich gehe davon aus, dass es sich um emotionale Beziehungen gehandelt hat, wo eine Therapie keine Rolle spielte“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Das ändert natürlich nichts an der Tat“, räumte der Jurist ein.

Sein Mandant wolle jedenfalls reinen Tisch machen und mit seinem voll umfänglichen Geständnis dazu beitragen, den drei Frauen peinliche Zeugenvernehmungen zu ersparen. Seine politischen Ämter werde er umgehend niederlegen. Dazu gehöre neben dem Ansbacher Kreistagsmandat auch seine Mitgliedschaft im Bundesvorstand der ÖDP. Ob der in Untersuchungshaft sitzende Beschuldigte weiter als Arzt arbeiten darf, muss die Regierung von Mittelfranken entscheiden.

dpa

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