Geringere Schutzwirkung oder Nebenwirkungen?

Corona: Gesundheitsministerium bestätigt Vorteile des AstraZeneca-Impfstoffs - dennoch große Ablehnung

  • Thomas Eldersch
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Seit gut zwei Monaten gibt es in Deutschland die Impfung gegen das Coronavirus. Einer der drei verfügbaren Impfstoffe nimmt dabei aber immer mehr eine Außenseiterrolle ein.

  • Schützt der AstraZeneca-Impfstoff genauso gut gegen das Coronavirus* wie seine Konkurrenten?
  • Und hat der Stoff größere Nebenwirkungen als die anderen Mittel?
  • Das Bayerische Gesundheitsministerium klärt auf.

München - Zahlreiche Politiker predigen seit Wochen die Devise, nur die Corona-Impfung* sei der einzige Weg raus aus der Krise. Wie kann es dann sein, dass ein getestetes und in der EU zugelassenes Vakzin zum Ladenhüter mutiert? Die Vorbehalte gegen den Impfstoff der Firma AstraZeneca sind auch in Bayern groß. Doch sind diese Sorgen begründet und liegen tatsächlich zahlreiche Dosen des Stoffs auf Halde?

Corona: Geringere Schutzwirkung des AstraZeneca-Impfstoffs

Neben den zwei mRNA-Impfstoffen der Firmen* Biontech und Moderna ist in Deutschland auch der Vektorimpfstoff von AstraZeneca zugelassen worden. Dabei wird dem Geimpften ein harmloser Vektorvirus injiziert, der die genetischen Informationen des Coronavirus* beinhaltet. Damit wird den körpereigenen Zellen ein Bauplan an die Hand gegeben, eine Covid-19-Infektion zu bekämpfen. Dabei kann sich aber weder der Vektorvirus noch das Coronavirus-Protein vermehren und beide werden nach kurzer Zeit abgebaut. Der Schutz bleibt weiter bestehen, heißt es in einem Aufklärungsblatt des Robert-Koch-Instituts*.

So viel zur Theorie. Ein Grund, warum Menschen den AstraZeneca-Impfstoff ablehnen, soll seine geringere Schutzwirkung sein. Dem Mittel wird eine 60- (Europäische Arzneimittelagentur) bis 70-prozentige (Ständige Impfkommission STIKO) Wirkung bescheinigt. Nach einer zweiten Impfung ist dieser Wert noch höher. Dennoch liegt er unter denen der mRNA-Impfstoffe, die auf über 90 Prozent kommen. Außerdem wurde der AstraZeneca-Impfstoff nur für Personen unter 65 Jahren zugelassen. Die Wirkung ist bei ätlteren Menschen geringer. Ist er deshalb jetzt automatisch schlechter?

Corona: 155.000 AstraZeneca-Impfstoffe liegen auf Lager

Nein, der Impfstoff ist nicht schlechter, bekräftigt das Bayerische Gesundheitsministerium noch einmal auf Anfrage des Münchner Merkur. In mindestens 60 Prozent der Fälle - nach Zweitimpfung sogar in noch mehr Fällen - führt die Impfung* dazu, dass eine Infektion verhindert wird. Sollte dennoch eine Corona-Infektion stattgefunden haben, reduziert die Impfung auch die „Schwere der Erkrankung und auch die Hospitalisierungsraten“. Hier liege der besondere Nutzen für Krankenhaus- und Pflegepersonal, so der Ministeriumssprecher.

Dennoch wurden von den 220.000 Impfdosen der Firma AstraZeneca (Stand: 22. Februar), die nach Bayern geliefert wurden, nur etwas über 34.000 in einer ersten Impfrunde verimpft. Selbst nach der zweiten Runde blieben immer noch 155.000 Dosen übrig. Und Nachschub ist schon unterwegs. Wo liegt also das Problem?

Corona: Nebenwirkungen geringer als bei Konkurrenz

Ein Grund sind die häufig nicht genutzten Impftermine, aufgrund der Unsicherheit beim AstraZeneca-Impfstoff. Viele fürchten sich wegen neben der etwas geringeren Schutzwirkung auch vor den Nebenwirkungen* des Stoffs. Doch auch hier kann das Gesundheitsministerium Entwarnung geben. Impfreaktionen könnten immer auftreten. Im Vergleich zu seinen mRNA-Konkurrenten* kämen diese bei AstraZeneca aber seltener vor. „Dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege seien derzeit keine schwerwiegenden Begleiterscheinungen bekannt.“ Gute Nachrichten für die, die sich jetzt nach einem verpassten Impftermin, doch noch zu einer Impfung mit AstraZeneca durchringen können. „Eine Ablehnung eines Impfstoffs führt nicht zum generellen Ausschluss vom Impfangebot. Die Person müsste sich dann allerdings erneut registrieren und auf einen neuen Impftermin warten“, so der Ministeriumssprecher.

Ein weiterer Grund liegt bei der Impfpriorisierung der STIKO. In der ersten Gruppe befinden sich vor allem die über 80-Jährigen, für die das Vakzin nicht zugelassen wurde. Bisher wurde es daher vorwiegend für das Personal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen verwendet. Eine weitere Gruppe, die bald neu dazu kommt, sind Erzieher:innen und Lehrer:innen an Grund- und Förderschulen. Dies beschlossen die Gesundheitsminister auf einer jüngst durchgeführten Konferenz. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) dazu: „Für Krippen- und Kita-Kinder sowie Grund- und Förderschüler ist es eine besondere Herausforderung, die notwendigen Hygieneregeln wie Abstand halten und Maske tragen vorschriftsmäßig einzuhalten. Deswegen müssen wir die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich besonders schützen.“

Virologe über Corona-Vakzin: „AstraZeneca ist ein Impfstoff zweiter Klasse“

Wie das Gesundheitsministerium ebenfalls bestätigte, sollen zusätzlich jeweils 1000 Dosen des AstraZeneca-Vakzins bei der nächsten Lieferung in die bayerischen Grenzregionen mit einer 7-Tage-Inzidenz* von mehr als 100 geschickt werden. „Darüber hinaus finden regelmäßige Gespräche und ein ständiger Informationsaustausch mit den betreffenden Kreisverwaltungsbehörden statt“, so das Ministerium.

Als Fazit ist also festzustellen, dass das Vakzin eine geringfügig schlechtere Schutzwirkung gegenüber der mRNA-Konkurrenz hat. Dies ist aber besonders bei Personen über 65 Jahren der Fall. Dafür ist die Verträglichkeit des Impfstoffes besser als die der anderen Mittel. Der Virologe Alexander Kekulé sagte dazu in der ZDF-Sendung vom Markus Lanz*: „Daher sage ich mal ein bisschen provokativ, die Wahrheit ist: AstraZeneca ist ein Impfstoff zweiter Klasse, aber besser zweite Klasse mit der Bahn fahren als zu Fuß gehen.“ (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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