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Angespannte Asyl-Lage

Bekommt Bayern bald Zeltstädte für Flüchtlinge?

München - Bayerns Erstaufnahmeeinrichtungen sind überfüllt. Über die angespannte Lage und mögliche Alternativen haben wir mit Andreas Herden, Abteilungsleiter der Inneren Mission München, gesprochen.

Beide bayerischen Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber sind überfüllt – in München und Zirndorf. In der Münchner Bayernkaserne hat die Regierung von Oberbayern einen Aufnahmestopp verhängt: Aus dem Bundesgebiet kann kein Asylbewerber mehr dorthin verlegt werden. Die Flüchtlinge, die direkt in der Stadt ankommen, sollen weiter aufgenommen werden. Die Innere Mission München betreut die Asylbewerber vor Ort. Abteilungsleiter Andreas Herden über die angespannte Situation.

In der Bayernkaserne leben 2000 Flüchtlinge in sieben Häusern und Hallen. Wie klappt die Betreuung?

Wir haben sieben Mitarbeiter vor Ort, die sind alle überfordert. Wir leisten vor allem medizinische Notfallhilfe für Neuankömmlinge. Es fehlen Dolmetscher, dafür haben wir keinen Etat. Wir arbeiten mit sprachkundigen ehemaligen Flüchtlingen, aber das ist nicht leicht organisierbar. Die Stadt kommt mit den Gesundheitschecks nicht hinterher. Und oft wäre es nötig, Einzelfälle anzuschauen – aber das schaffen wir nur noch punktuell.

Wie klappt die Versorgung mit Essen?

Ambivalent: Zwar wurden die Essenspakete durch Catering ersetzt. Aber dafür wurden die Küchen geschlossen. Keiner kann sich etwas zubereiten – nicht mal heißes Wasser für Tee oder Babymilch. Die Regierung will Mikrowellen hinstellen – aber viele Leute kennen nur Töpfe auf dem Herd. Und wir brauchen mobile Toiletten und Duschen. Das muss die Regierung organisieren.

Was müsste die Regierung überhaupt tun? Sozialministerin Emilia Müller will neue Erstaufnahmen schaffen...

Andreas Herden leitet den Migrationsbereich bei der Inneren Mission.

... die bräuchten wir sofort in jedem Regierungsbezirk. Die neue Aufnahme in Deggendorf wird die Situation etwas entspannen. Aber die Regierung braucht ein Konzept. Sie muss zügiger Unterkünfte schaffen und Fallmanager finanzieren. Täglich bietet uns ein Vermieter eine Wohnung für Syrer an – das muss koordiniert werden. Ende 2016 sollen die Flüchtlinge aus der Bayernkaserne ausziehen – aber wohin, weiß niemand. Man darf nicht alles durchreichen, man muss vorausplanen und nicht auf ein Wunder warten. Aber meine Hoffnung in die Ministerin schwindet zusehends. Seit zwei Jahren wissen wir, dass so viele Flüchtlinge kommen werden.

Allein um den Status quo zu erhalten, müssten täglich so viele Asylbewerber weiterverteilt werden, wie neue kommen. Was, wenn ihre Zahl noch steigt?

Ich glaube, man kommt um Container und Zeltstädte auf dem Land nicht herum. Jede Krise in der Welt kommt auch in München und in Zirndorf an – auch das ist Globalisierung. Aber wie sollen wir ihre Leben retten? Dazu vermisse ich Signale aus der Politik.

Die Regierung setzt darauf, dass Serbien als sicheres Herkunftsland eingestuft wird – und nicht mehr so viele Roma kommen.

Das ist ein Scheingefecht. Die Zahlen in Bayern steigen wegen Syrien, Afghanistan, Irak. Die Balkanflüchtlinge haben einen anderen Status, das ist ein europäisches Problem...

...wie die ganze Flüchtlingspolitik.

Ja. Wir brauchen eine gemeinsame EU-Außen- und Flüchtlingspolitik, als Hort des Friedens mit geteilter Verantwortung. Wir können etwa Italien mit den Afrika-Flüchtlingen nicht alleinlassen.

Gespräch: Christine Ulrich

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