Helfer waren bis 2 Uhr aktiv

Asyl-Chaos: Regierung weist Vorwürfe von sich

München - Nach der zwischenzeitlichen Schließung des Ankunftszentrums für Flüchtlinge hat sich die Situation am Freitag wieder entspannt.

Bis morgens um 2 Uhr hatten Feuerwehr und THW Zelte aufgebaut, um alle wartenden Asylbewerber unterzubringen. Den Vorwurf, man habe Frauen und Kinder stundenlang unversorgt gelassen, weist die Regierung von Oberbayern zurück.

Um 19.45 Uhr am Donnerstagabend klingelte bei der Einsatzleitung der Berufsfeuerwehr München das Telefon. Am anderen Ende war Wilfried Blume-Beyerle. Der Kreisverwaltungsreferent hatte wenige Minuten zuvor von Oberbürgermeister Dieter Reiter die Anweisung erhalten, die Feuerwehr zum Ankunftszentrum für Flüchtlinge in die Maria-Probst-Straße zu schicken, um dort die Mitarbeiter der Regierung von Oberbayern zu unterstützen. Im Bettenhaus an der Lotte-Branz-Straße waren am Abend alle 600 Schlafplätze belegt, gleichzeitig warteten noch hunderte Flüchtlinge auf ihre Registrierung.

Regierungspräsident Hillenbrand wusste sich nicht mehr anders zu helfen und bat Reiter um Hilfe. Der OB stellte daraufhin ein „koordinierungsbedürftiges Ereignis“ fest, wodurch der Einsatzleiter der Feuerwehr zur einheitlichen Leitung aller übrigen eingeschalteten Organisationen ermächtigt wurde. Rechtlich ist dieses „koordinierungsbedürftige Ereignis“ unterhalb der Katastrophenschwelle angesiedelt. Am Abend hatte Reiter selbst vom Katastrophenfall gesprochen, sich aber in der Wortwahl vertan.

50 Feuerwehrleute und 70 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks begannen am Donnerstag um kurz nach 20 Uhr, auf dem Gelände des Ankunftszentrums Zelte aufzubauen. Rettungsdienste kümmerten sich um die wartenden Menschen. Gegen 2 Uhr war der Einsatz beendet, 249 Flüchtlinge verbrachten die Nacht in den Zelten. Wie lange diese dort stehen bleiben, ist unklar. „Wir können nicht in die Zukunft schauen. Wieviele Menschen in den nächsten Tagen und Wochen kommen, ist ungewiss“, sagte Simone Hilgers, Pressesprecherin der Regierung von Oberbayern. Den Vorwurf, die Behörde sei überfordert gewesen mit der Situation und habe Frauen und Kinder stundenlang unversorgt auf der Straße stehen lassen, weist Hilgers zurück. „Es gab Getränke, besonders vulnerable Menschen haben wir auch reingeholt.“

Vor knapp zwei Wochen war die Aufnahmeeinrichtung in Betrieb genommen worden. Konzipiert ist sie für 350 Menschen im Schnitt, in den vergangenen Tagen waren 600 bis 700 Flüchtlinge täglich dort angekommen. Den Vorwurf, die Aufnahmeeinrichtung sei eine Fehlplanung, weil viel zu klein dimensioniert, weist die Regierung von Oberbayern zurück. Grundlage beim Bau seien Zahlen und Prognosen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge gewesen. Durch den Einsatz von zusätzlichen Mitarbeitern bei der Registrierung und dem obligatorischen Medizin-Check der Asylbewerber hofft die Regierung, in Zukunft Spitzen besser bewältigen zu können. Außerdem sollen künftig in allen bayerischen Regierungsbezirken Aufnahmezentren entstehen, um München zu entlasten.

Die Lage hatte sich in den vergangenen Tagen auch deshalb zugespitzt, weil viele Flüchtlinge erst am Abend in der Maria-Probst-Straße eingetroffen waren. Zwar können sie auch nachts die Registrierung durchlaufen, allerdings wird um 20 Uhr das bundesweite elektronische Asylbewerber-Verteilungsprogramm Namens „Easy“ abgeschaltet. „Oft müssen Flüchtlinge bei uns übernachten, obwohl sie bereits registriert sind und eigentlich in andere Einrichtungen gebracht werden könnten“, sagt Hilgers. Erst am nächsten Morgen geht das System wieder online und die Mitarbeiter können abfragen, welche Verteilung vorgesehen ist. Dadurch wird das Ankunftszentrum in München zum Nadelöhr.

Ulrich Lobinger

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Junge Urlauberin löst mit Notfall-App Großeinsatz aus
Kühlungsborn - Eine 17-jährige Urlauberin hat am Dienstag in Kühlungsborn mithilfe einer Notfall-App einen Großeinsatz ausgelöst. Die Retter konnten das Mädchen Gott sei …
Junge Urlauberin löst mit Notfall-App Großeinsatz aus
Mann bedroht Einsatzkräfte mit Axt und verschanzt sich
Ein Mann ist im Landkreis Dillingen mit einer Axt auf Rettungskräfte und Polizisten losgegangen. Anschließend verschanzte er sich in seinem Haus.
Mann bedroht Einsatzkräfte mit Axt und verschanzt sich
Verhängnisvolle Pannenhilfe: Sex-Täter begrapscht Frau
Ein widerlicher Übergriff hat sich in Niederbayern ereignet. Eine junge Frau wollte einem Mann helfen, der anscheinend eine Panne hatte. Das endete für sie in einem …
Verhängnisvolle Pannenhilfe: Sex-Täter begrapscht Frau
Bakterien bringen Heustöcke zum Gären - Feuer droht
In Kempten kam es am Dienstagnachmittag zu einem Feuerwehreinsatz. Der Grund: Überhitzte Heustöcken drohen, sich zu entzünden. 
Bakterien bringen Heustöcke zum Gären - Feuer droht

Kommentare