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Warten auf die Entscheidung: ein Flüchtling in einer Unterkunft in München.

Zwischenbilanz des Bundesamtes

62 Prozent der Flüchtlinge dürfen bleiben

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München - Wie viele Flüchtlinge kommen derzeit? Wie viele sind aus Syrien oder den Balkanstaaten? Und: Wie viele Asylanträge sind noch unerledigt? Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zog gestern Zwischenbilanz. Ein Lagebericht.

Eine Bugwelle an Anträgen

Die Bugwelle an Asylanträgen, die das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, vor sich herschiebt, wächst trotz aller Bemühungen: Stand Ende April waren bundesweit exakt 431 993 Asyl-Erstanträge noch nicht entschieden. 15 Prozent der Anträge kamen dabei aus Bayern. Das sind fast 23 000 Anträge mehr als Ende März, und fast 40 000 mehr als noch Ende Februar. Zu den 431 000 unerledigten Fällen dürften nach Schätzung von BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise noch einmal 300 000 bis 400 000 Asylbewerber kommen, die ihren Antrag noch nicht einmal stellen konnten. „Das lange Warten ist für die Menschen, die geflüchtet sind, sehr schwer“, sagt Weise selbstkritisch. Lange Bearbeitungszeiten würden den Eindruck verstärken, „das Amt hat das nicht im Griff“.

Trotzdem ist Weise optimistisch, dass die „Überlast“ im Laufe des Jahres abgebaut werden kann. Ganz grundlos ist diese Annahme nicht. Denn die Zahl der BAMF-Mitarbeiter ist stark gewachsen. Derzeit sind es 6700 – drei Mal so viele wie noch Anfang 2015. Große Hoffnungen setzt Weise in die neuen Ankunftszentren, bis jetzt 17 in Deutschland, zwei davon (Bamberg, Manching) in Bayern. Dort kann ein Asylantrag aus Syrien, Eritrea und den Balkanstaaten, „wenn Dokumente vorhanden sind“, in einer Woche gestellt und entschieden werden.

75 % der Anträge aus nur drei Ländern

In den ersten vier Monaten sind 240 000 Asyl-Erstanträge beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) neu eingelaufen. Achtung: Diese Zahl darf nicht mit der Zahl der in den vergangenen Monaten neu angekommenen Flüchtlinge verwechselt werden, die im April auf nur noch 16 000 Personen bundesweit gesunken ist. Die meisten Flüchtlinge können erst einige Monate nach ihrer Registrierung einen Antrag stellen – bis zu 400 000 werden dies noch tun (siehe oberer Absatz).

Erstaunlich ist: 75,5 Prozent aller Asyl-Erstanträge stammen in diesem Jahr aus nur drei Herkunftsländern: Syrien (116 000), Irak (35 500) und Afghanistan (knapp 30 000).

Der Blick auf die aktuellen Hauptherkunftsländer, die so genannte Top-Ten, zeigt übrigens, wie sich der Flüchtlings-Zugang gewandelt hat: Gerechnet für das Gesamtjahr 2015 waren die Balkanstaaten in den „Top-Ten“ überproportional stark vertreten: Über ein Viertel aller knapp 442 000 Asyl-Erstanträge stammte von Menschen aus einem der sechs Balkanstaaten. Dabei rangierte Albanien sogar auf Platz zwei, Kosovo auf Platz drei, Serbien auf Platz sechs und Mazedonien auf Platz neun.

Doch das ist Geschichte. Gerechnet für die Monate Januar bis April 2016 sind jetzt nur noch zwei Balkanstaaten unter den „Top-Ten“: Albanien (6.) und Serbien (9.). Die Gesamtzahl der Personen ist stark gesunken – nur noch 2,8 Prozent der Erst-Anträge kommt von Albanern oder Serben.

Die meisten erhalten Flüchtlings-Status

Obwohl das BAMF also einen stetig wachsenden Stoß unerledigter Asylanträge verwaltet, heißt das nicht, dass nicht entschieden wird. Im Gegenteil: Die Behörde rühmt sich, dass sich die Zahl der Entscheidungen pro Monat gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdoppelt hat. Als Asylbewerber im eigentlichen Sinn anerkannt werden dabei nur ein Bruchteil der Antragsteller. Aus den „Top-Ten“-Ländern wurden bei 140 412 Entscheidungen nur 484 Personen der Status eines Asylbewerbers nach dem berühmten Grundgesetz-Artikel 16a zuerkannt. Die Masse der Asylbewerber – nämlich 90 707 Personen – erhielt den Status eines Flüchtlings. Wesentlicher Unterschied: Ein Flüchtling hat nur einen Schutzstatus für drei Jahre.

Es gibt weitere verschiedene Gründe, warum ein Flüchtling im Land bleiben kann, zum Beispiel weil er subsidiären Schutz erhält oder schlicht ein Abschiebeverbot erlassen wird. Der Blick auf die Zahlen zeigt, dass die Mehrzahl der Asylbewerber auch tatsächlich irgendeinen Schutzstatus erhält, im Jahr 2016 bisher 62 Prozent aller Antragsteller. Mit anderen Worten: 114  000 von 194 500 Antragstellern können (erst einmal) in Deutschland bleiben. Der Rest müsste ausreisen. Doch bleibt meist der Gerichtsweg – 2015 wurden 31,9 Prozent der abgelehnten Asylanträge vor Verwaltungsgerichten angefochten.

98,7 % der Syrer erhalten Schutz

Ein Blick auf die Nationalitäten: Fast alle Syrer – 98,7 Prozent – erhalten Schutz. Ähnlich hoch war zuletzt die Quote für die Eritreer (96,6 Prozent) und die Iraker (85,4 Prozent). Ein anderes Bild ergibt sich für die Afghanen: Hier sind nach der Asylgeschäftsstatistik März/2016 nur 48,3 Prozent der Anträge positiv beurteilt worden. Das BAMF bemüht offenbar auch, Anträge von Albanern und Serben vom Tisch zu bekommen. Das zeigen folgende Zahlen: von den 49 303 Anträgen, die das Amt im März entschieden hat, entfielen die meisten (23 374) auf Syrer, gefolgt von Albanern (4345) und Serben (3406). Einen Schutzstatus erhielt dabei nur eine winzige Minderheit: 34 Albaner und zehn Serben.

30 Prozent sind unter 18 Jahre alt

Dass die Flüchtlinge zumeist jung sind, ist bekannt. Aber wie jung? Das BAMF hat für das Jahr 2015 die Zahl der Asyl-Erstanträge nach Altersgruppen aufgeschlüsselt. Demnach waren fast zehn Prozent der Antragsteller Kleinkinder im Alter unter vier Jahren. Über 30 Prozent der Flüchtlinge sind unter 18, insgesamt 135 000 Kinder und Jugendliche.

Dabei sind die oft genannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge nur eine – allerdings beachtliche – Minderheit: 14 339 Minderjährige kamen ohne Eltern nach Deutschland und beantragten 2015 hier Asyl. Die meisten stellten in Bayern den Antrag (5117) – weil sie ja zumeist hier einreisten –, danach folgten Nordrhein-Westfalen und Hessen. Die meisten unbegleiteten Minderjährigen kamen übrigens nicht aus Syrien (27,6 Prozent), sondern aus Afghanistan (32,9 Prozent).

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