Eine Asylberaterin erklärt einer Familie etwas
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Die Asylberater haben gerade jetzt viel zu tun. Aber sie fürchten, dass durch eine neue Richtlinie der Personalschlüssel noch schlechter wird.

Asylberater fürchten Überlastung

  • Katrin Woitsch
    vonKatrin Woitsch
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Die Beratung von Flüchtlingen ist für die meisten Wohlfahrtsverbände in Bayern ein Minusgeschäft. Kommendes Jahr wird sich die Förderung ändern. Der Staat gibt eine Pauschale, dafür fallen 50 Stellen weg. Auch der Beitrag der Kirchen wird künftig wohl kleiner ausfallen. Und das, obwohl die Beratung gerade viel zu tun hat.

  • 2021 ändert sich die staatliche Förderung für die Asylsozialberatung
  • Staat fördert künftig mit einer Pauschale - dafür fallen 50 Stellen weg
  • Berater fürchten Überlastung: Beratungsbedarf hat durch Pandemie zugenommen

München – Allein in München beraten Caritas und Diakonie gemeinsam rund 8700 Geflüchtete. Doch die Kosten dafür werden vom Staat nur teilweise übernommen. Knapp ein Drittel müssen die Träger selbst stemmen. In München kam ein Teil von der Stadt, die größte Unterstützung kam von den Kirchen. Doch dieses Geld wird kommendes Jahr zumindest zu einem Teil wegbrechen. Denn die Kirchen müssen in ihren Haushalten Millionensummen einsparen (wir hatten berichtet). So wird beispielsweise ein Programm, mit dem die Evangelische Kirche in Bayern seit 2016 Millionen für die Aufgaben in der Flüchtlingshilfe bereitgestellt hatte, nicht fortgeführt. Das Geld ist aufgebraucht. Auch die Beratungsstellen wurden davon finanziert.

Andrea Betz, die bei der Diakonie München und Oberbayern für den Bereich Flüchtlingshilfe zuständig ist, und viele ihrer Kollegen haben deshalb diese Woche besorgt die Debatte im Landtag verfolgt. Dort ist am Donnerstag über die neue Beratungs- und Integrationsrichtlinie BIR II entschieden worden, die am 1. Januar in Kraft treten wird. Sie soll die Planungssicherheiten verbessern und Bürokratie-Hürden verringern. Bisher wurden Stellen prozentual bezuschusst, für Sachkosten gab es keine Fördergelder. Künftig stellt der Staat eine Pauschale über 60 000 Euro für die Beratungsstellen zur Verfügung. Etwas mehr als bisher. Dafür fallen 50 Stellen weg. Und genau das bereit Betz große Sorgen. In der Richtlinie ist leider kein Personalschlüssel festgeschrieben, sagt sie. Schon vor der Kürzung lag er wahrscheinlich bei 1 zu 200. Und die Beratungsarbeit sei in der Krise eher mehr als weniger geworden, betont sie. Die Berater sind aktuell nicht nur mit Fragen zu laufenden Asylverfahren oder Arbeitserlaubnissen beschäftigt. „Wir müssen gerade oft die Corona-Auflagen erklären“, sagt sie. Viele Flüchtlinge hätten durch die Pandemie ihre Arbeitsplätze verloren, viele seien psychisch gerade enorm angeschlagen. „Die Probleme sind noch komplexer geworden“, betont Betz. Was es für ihre Arbeit bedeuten würde, wenn im kommenden Jahr Stellen wegfallen, will sie sich gar nicht ausmalen. „Wir wollen nicht, dass viele Flüchtlinge auf sich selbst gestellt sind“, sagt sie. Doch die staatliche Förderung reicht dafür nicht. Den Beratern bleibt nur, auf Unterstützung der Kirchen und Kommunen zu hoffen – die Corona-bedingt aber selbst mit ihren Haushalten kämpfen. „Und die Spendenbereitschaft für die Asylsozialberatung hat leider nachgelassen.“

Alexandra Hiersemann, die asylpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, ärgert sich darüber, dass die Träger mit dieser Finanzierungslücke allein gelassen werden. „Die Asylberatung ist eine staatliche Aufgabe“, sagt sie. Ohne die Wohlfahrtsverbände müsste der Staat sie zu 100 Prozent finanzieren. In einem Antrag forderte die SPD deshalb eine Erhöhung der Förderung auf bis zu 90 Prozent der Personalkosten sowie eine Pauschale für die Sachkosten. „Die Integrationsleistung darf vom Staat nicht auf dem Rücken der kirchlichen und sozialen Einrichtungen ausgetragen werden.“ Bereits jetzt könnten schon viele vorgesehenen Stellen nicht besetzt werden, weil die Träger sie nicht finanzieren können, sagt Hiersemann. Sie befürchtet, dass einige Träger ihre Tätigkeit in der Integrationsberatung ganz einstellen könnten, weil sie damit ein Defizit erwirtschaften. „Schon jetzt sind die Beratungsstellen überlastet.“ Diese Situation werde sich durch den Wegfall weiterer Stellen noch verschärfen, prognostiziert Hiersemann. Mit ihrem Antrag ist die SPD jedoch gescheitert.

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