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Banner vor dem Seitenaltar: Die Asylbewerber und die Unterstützer der Protestaktion befestigten Schriftzüge im Regensburger Dom.

Zuflucht unter dem Kirchendach

Flüchtlinge im Regensburger Dom: Wie geht es weiter?

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Regensburg - 45 Asylbewerber vom Balkan protestieren seit Dienstag im Regensburger Dom gegen ihre Abschiebung. Und sie wollen ihre Aktion fortsetzen – bis sie Bleiberecht bekommen. Doch ihre Chancen stehen schlecht.

Sie haben Worte gefunden für ihre Verzweiflung. „Menschen statt Grenzen schützen“ steht auf den Stoffbahnen, die sie entlang der Seiten-Altäre befestigt haben. Oder „Für Roma gibt es keine sicheren Herkunftsländer“. Ihre Protestaktion ist ein letzter Versuch, die drohende Abschiebung zu verhindern. Deshalb sind die 45 Asylbewerber vom Balkan am Dienstag in den Regensburger Dom gekommen. Sie hoffen auf Kirchenasyl. Sie fordern Bleiberecht.

Das Bistum Regensburg will die jungen Familien aus Albanien, Mazedonien, Serbien und dem Kosovo nicht gewaltsam wegschicken. Viele Kinder sind unter den Flüchtlingen, teilweise Kleinkinder. Das Bistum hat mit der Polizei vereinbart, dass die Menschen vorerst im Dom bleiben dürfen. „Wenn uns Menschen mit Sorgen um Hilfe bitten, ist die Nächstenliebe für uns eine Pflicht“, sagt Bistums-Sprecher Jakob Schötz. Mit Unterstützung der Hilfsorganisationen vor Ort hat das Bistum Feldbetten, Essen und Getränke organisiert. Die Menschen haben die Nacht in einem Nebenraum des Kirchenschiffes verbracht. Von dort haben sie Zugang zu den sanitären Anlagen und zu einem kleinen Garten. Auch ein Arzt ist vor Ort, weil ein Kind unter Epilepsie leidet. Ab Donnerstag sollen außerdem Asylsozialarbeiter im Dom sein, um mit den Familien das Gespräch zu suchen. „Wir müssen nun erstmal herausfinden, wo sie untergebracht waren und in welchem Status sich ihr Verfahren befindet“, sagt Schötz. Es gehe dem Bistum nicht darum, die Menschen zu überzeugen, ihren Protest zu beenden. „Wir wollen ihnen zur Seite stehen“, betont er.

Die Flüchtlinge sind seit wenigen Monaten, teilweise aber auch seit zwei Jahren in Deutschland. Sie kritisieren die bisherige Unterbringung in dem Rückführungszentrum in Manching bei Ingolstadt. Unterstützt wird ihre Protestaktion von der Organisation „Romano Jekipe Ano“ aus Hamburg, die erst im Mai bei der Besetzung des Denkmals für ermordete Sinti und Roma in Berlin beteiligt war. Vergangenen September hatte die Organisation die Protestaktion unterstützt, bei der Flüchtlinge den Hamburger Michel besetzt hatten.

Bayerns Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer beobachtet die Protestaktion in seiner Heimat-Diözese aus der Ferne besorgt. „Das ist eine sehr schwierige Situation“, sagt der CSU-Politiker. Die Rechtslage sei eindeutig, es handle sich um sichere Herkunftsstaaten – damit gehen die Chancen gegen Null, dass die Menschen in Deutschland bleiben dürfen. „Es werden nun eventuell nochmal Einzelfälle geprüft – aber man darf den Menschen keine Hoffnung machen, dass sie bleiben können.“ Auch deshalb nicht, weil viele ähnliche Protestaktionen in Deutschland folgen würden, glaubt Neumeyer. Auch Kirchenasyl sei keine Option. „Rein organisatorisch ist das für so viele Menschen nicht möglich.“ Trotzdem geht er davon aus, dass die Protestaktion friedlich gelöst wird. „Bisher haben wir das bei Aktionen dieser Art immer geschafft.“

Wie lange die Menschen noch im Regensburger Dom bleiben werden, steht laut Bistums-Sprecher Schötz nicht fest. Aber er räumt ein: „Eine Dauerlösung kann es allein deshalb nicht sein, weil es nur Toiletten und Waschbecken gibt.“ Die Veranstaltungen im Dom werden dadurch nicht beeinträchtigt, sagt er. Mittwochabend fand dort ein großes Konzert statt – die Zuhörer saßen neben den Bannern, die an den Seiten-Altären befestigt waren. Unter ihnen waren auch einige der Flüchtlinge.

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