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Geballter Frust: Unterhalb der Bavaria haben mehr als tausend Flüchtlingshelfer am Samstag gegen die bayerische Asylpolitik protestiert.

Sternfahrt der Asylhelferkreise

Ein Protestfoto für den Minister

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München - Bei den Asylhelfern hat sich eine Menge Frust angestaut. Wegen der Arbeitsverbote, wegen der Abschiebungen nach Afghanistan. Dann kam noch ein Korb des Innenministers dazu.

Einen kurzen Moment gönnt er sich. Jost Herrmann lässt seinen Blick über die Treppe unterhalb der Bavaria schweifen. Er hatte gehofft, dass sie an diesem Samstag voll sein würde. Aber er hatte nicht erwartet, dass sie so voll sein würde. Die Bavaria blickt auf mehr als tausend Asylhelfer, die aus ganz Bayern auf die Theresienwiese nach München gekommen sind. Viele tragen Warnwesten und Schilder. „Kein Arbeitsverbot für Asylbewerber“ steht darauf. „Keine Abschiebung nach Afghanistan“. Jost Herrmann schaltet sein Megafon ein. „Toll, dass ihr alle gekommen seid“, ruft er den Helfern zu. „Wir können heute ein starkes Signal senden.“

Herrmann ist Asylkoordinator des Landkreises Weilheim-Schongau. Er hat die Sternfahrt gemeinsam mit Bernhard Rieger und Lisa Hogger einen Monat lang vorbereitet. „Es war ein bewegender Moment“, sagt er am Tag nach der friedlichen Protestaktion in München. Mehr als 1000 Teilnehmer aus 115 Helferkreisen sind gekommen. Einige haben weite Anreisen in Kauf genommen, um mit auf dem Foto sein zu können, das die Organisatoren unterhalb der Bavaria gemacht haben. Sie wollen es Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gemeinsam mit einer Resolution überreichen, die sie vor einigen Wochen in Tutzing (Kreis Starnberg) beschlossen hatten. Kurz darauf hatte der Minister ihnen ein Gespräch zugesagt. Vor knapp zwei Wochen ließ er dann aber ausrichten, er habe keine Zeit. Sein Staatssekretär werde die Helfer empfangen.

Das hat viele Ehrenamtliche verärgert. Sie wollten mit einem Entscheidungsträger über die Arbeitsverbote und die Sammelabschiebungen nach Afghanistan sprechen – und vor allem darüber, was die Maßnahmen in den Flüchtlingsheimen auslösen: Frust, Depressionen – viele Fragen und Probleme, die die Helfer nicht beantworten und lösen können. Sie erwarten von der Staatsregierung mehr Respekt und Dialogbereitschaft. „Uns ist klar, dass nicht jeder Flüchtling bleiben kann“, sagt Jost Herrmann. „Wir sind keine linken Spinner. Unter uns sind Unternehmer, Lehrer, viele kluge Köpfe – die Regierung wäre dumm, wenn sie dieses Potenzial nicht nutzen würde.“

Die Organisatoren der Sternfahrt: Bernhard Rieger aus Germering, Lisa Hogger aus Peißenberg und Jost Herrmann, Asylkoordinator im Kreis Weilheim-Schongau (v.l.).

Die Organisatoren der Sternfahrt halten keine große Rede, nachdem das Foto gemacht ist. Sie haben ein Zimmer in einem Gasthaus reserviert – für alle, die noch mitkommen möchten. „Der Austausch ist sehr wichtig“, betont Jost Herrmann. Auch dafür haben sie die Sternfahrt organisiert: als Ventil für den ganzen Frust, der sich in den vergangenen Monaten angestaut hat. Als Chance, um voneinander zu lernen. Vor allem aber, um ein Signal zu senden. „Wir sind sehr viele – auch wenn wir nicht so oft auf die Straße gehen wie Pegida- oder AfD-Anhänger“, sagt Jost Herrmann.

Es werde von Seiten der Flüchtlingshelfer so wenig Demonstrationen wie nötig geben, kündigt er an. Aber die Sternfahrt an diesem Wochenende war nötig. Der Frust ist in den vergangenen Wochen zu groß geworden. Das beweist ihm ein Blick in die WhatsApp-Gruppe, die die Teilnehmer für diesen einen Samstag gegründet haben. Viele bedankten sich am Abend bei den Organisatoren. Eine Helferin aus Jettenbach im Kreis Mühldorf schreibt: „Vielen Dank für den Motivationsschub – wir haben ihn dringend gebraucht.“

Lesen Sie auch: Der Korb des Innenministers Joachim Herrmann war für viele Asylhelfer in Bayern wie eine Ohrfeige. Die CSU setzt mit dieser Haltung viele Wählerstimmen aufs Spiel. Ein Kommentar.

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