Unterkunft für Asylbewerber: Die Max-Immelmann-Kaserne, die zu einem Teil im Manchinger Ortsteil Oberstimm liegt, sind schon jetzt Flüchtlinge untergebracht. Sie soll nun aufgewertet werden.

Aufnahmestelle für Balkan-Flüchtlinge

Asylzentrum mit Rückflug-Option

Manching/München – Bayern macht Ernst: Eine Kaserne bei Ingolstadt wird ab September das erste Sonder-Zentrum für Flüchtlinge vom Balkan. Das soll im Kampf gegen Asylmissbrauch helfen. Die Politiker vor Ort haben dabei offenkundig geschickt verhandelt.

Die hochkarätige Runde traf sich um 8.30 Uhr zum großen Wünsch-Dir-Was. Der Innenminister war da im Ingolstädter Rathaus, die Sozialministerin, die Abgeordneten, der Oberbürgermeister, der Landrat und noch ein paar Beamte aus München. Am Ende bekamen sie alle was. Ein ungewöhnlicher Kuhhandel steht am Beginn des neuen Balkan-Asyl-Zentrums.

Die Minister aus München nahmen den örtlichen Politikern die Zusage ab, die Max-Immelmann-Kaserne nahe Manching, teils auf Ingolstädter Flur, als erstes Aufnahmezentrum für Flüchtlinge vom Balkan und aus sicheren Herkunftsländern nutzen zu können. Das ist ein Politikum: Die Staatsregierung will dort Flüchtlinge bündeln, die wenig Chancen auf Asyl haben, deren Verfahren sich aber monatelang zogen. Ewig lange Behördengänge, Tricks, um Abschiebungen zu entgehen – all das soll in der Kaserne verhindert werden. Die Staatsregierung steht unter Zeitdruck, einen Ort zu finden.

Die Zusage ist teuer erkauft. Ingolstadt und die umliegenden Kommunen haben eine ganze Liste an Vergünstigungen ausgehandelt. Ab sofort soll die örtliche Polizei 20 Planstellen mehr bekommen. Der Staat investiert kurzfristig in die Kaserne, die jetzt schon für Flüchtlinge genutzt wird, baut neue Freizeitflächen und wertet die Aufenthaltsräume auf. Sobald das Aufnahmezentrum in Betrieb ist, bekommen Ingolstadt und der Landkreis Pfaffenhofen keine anderen neuen Flüchtlinge mehr zugewiesen. Das Balkan-Zentrum wird strikt auf zehn Jahre befristet. Sogar Grundstücksgeschäfte sind Teil des Handels: Das Justizministerium verzichtet auf den Bau eines Gefängnisses südlich von Zuchering. Ingolstadt kauft die Flächen und bis Ende 2016 auch die Kaserne selbst. Die Behörden stimmen sogar einem neuen Supermarkt in der Nähe zu.

Für den Ministerpräsidenten ist der Standort politisch günstig. Horst Seehofer hat zwar seinen Stimmkreis nicht hier, wohnt aber nicht weit weg – könnte also argumentieren, sich nicht vor den Folgen seiner Forderungen wegzuducken. Die örtlichen CSU-Abgeordneten arrangieren sich mit dem Projekt. „Ingolstadt hat sich nicht verweigert“, sagt Christine Haderthauer. Es sei ein wichtiger Schritt, „künftig klar zwischen Asylbewerbern mit Schutzanspruch und denen mit geringer Bleibeperspektive zu unterscheiden“.

Für den Standort spricht auch der Flugplatz Manching in der Nähe. Von dort könnten Flugzeuge mit den Flüchtlingen fliegen, die in ihre Heimatländer abgeschoben werden. Das sei eine zusätzliche Option, um Abschiebungen durchzuführen, hob Herrmann bei dem Treffen laut Teilnehmern hervor. Den Flugplatz nutzen derzeit die Wehrtechnische Dienststelle der Bundeswehr für Tests, der Flugzeugbauer Airbus für Bau und Wartung und ein ziviler Betreiber für Geschäftsflüge. Die Pisten sind so groß, dass praktisch jede Maschine dort landen kann.

Christian Deutschländer und Til Huber

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