Isar I: Sicherheitsrisiko steigt dramatisch

Landshut -Weil Castoren fehlen, können alte Brennstäbe des Atomkraftwerks Isar I nicht ins Zwischenlager gebracht werden. Experten sagen, dass damit das Sicherheitsrisiko dramatisch steigt.

1734 verbrauchte Brennelemente schlummern derzeit im Abklingbecken des Atomkraftwerks Isar I. Vor gut einem Jahr ging das von Eon betriebenen AKW bei Landshut vom Netz. Nach und nach nahmen die Arbeiter dort die Brennelemente aus dem Reaktor und steckten sie ins Wasser. Dort sollen die Stäbe soweit herunterkühlen, bis man sie in ins standorteigene Zwischenlager bringen kann. 800 der Stäbe sind nun soweit.

Das Problem ist nur, dass dafür die geeigneten Behältnisse, die Castoren, fehlen. Das wurde gestern durch eine Anfrage der Freien Wähler beim bayerischen Umweltministerium bekannt. Die Freien Wähler und einige Atomexperten befürchten, dass das Abklingbecken im Atomkraftwerk Isar I nicht ausreichend vor Anschlägen geschützt ist.

"Belastungskritierien in keiner Weise ausreichend“

Albert Göttle, Reaktorsicherheitsexperte beim Umweltministerium, hält dagegen: „Die Lagerung der abgebrannten Brennelemente im Abklingbecken erfüllt alle rechtlichen Anforderungen.“ Die Reaktorsicherheitskommission habe im letzten Jahr festgestellt, dass auch ausreichend Schutz im Extremfall bestehe – etwa bei einem Absturz eines Kampfflugzeugs.

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Als Berechnungsgrundlage für dieses Szenario diente jedoch ein Kampflugzeug aus den 1970er-Jahren. Die Freien Wähler kritisieren, dass dieser Flugzeug-Typ nicht zu vergleichen ist mit modernen Passagierflugzeugen. „Für größere Verkehrsflugzeuge sind die damals untersuchten Belastungskritierien in keiner Weise ausreichend.“ Das Zwischenlager allerdings sei besser geschützt gegen Angriffe – wenn nur die Castoren bereitstünden.

Umlagern der Brennstäbe in die Behälter erst 2014

Auf Nachfrage bei dem Unternehmen GNS, das die Behälter produziert, hieß es: „Durch den schnellen Ausstieg aus der Atomenergie nach Fukushima gab es eine starke Veränderung beim Bedarf.“ Das heißt, GNS, das mehrheitlich den Energieriesen Eon, Vattenfall und RWE gehört, kommt mit der Produktion der Castoren nicht hinterher.

Das bayerische Umweltministerium rechnet mit einem Umlagern der Brennstäbe in die Behälter für 2014. Erst müssten gemäß den Anforderungen des Bundesamts für Strahlenschutz Castoren gebaut werden, die neuen Sicherheitsstandards entsprechen. Alte Castoren sind nicht mehr zulässig. „Wir müssen diese Zeit hinnehmen und müssen auch damit leben“, sagte Umweltexperte Otto Hünnerkopf (CSU). SPD-Sprecher Ludwig Wörner erklärte hingegen, dass die Castoren schon längst hätten entwickelt werden müssen. „Man hat sich wohl auf eine Verlängerung der Laufzeiten verlassen und gemeint, dass man deswegen keine Castoren braucht.“

Sprecher des Atomkraftwerks wollten sich zu der Debatte um die Brennstäbe nicht äußern. Man verwies aber auf den Jahrestag der Katastrophe von Fukushima als Grund für die politische Diskussion. Diese jährt sich in knapp zwei Wochen zum ersten Mal.

Von Patrick Wehner

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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