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Das „Mountain Hostel“: In dieser Jugendherberge versuchte ein 23-Jähriger, seine Verwandten umzubringen.

Horrornacht im Hostel

Gäste verbarrikadierten sich vor Macheten-Mann

Oberstdorf – Wie in einem Horrorfilm erlebten die Beteiligten die Attacke, jetzt wurden Details der Tat von Oberstdorf bekannt: Gäste verbarrikadierten sich vor dem Mann mit der Machete.

Es müssen Szenen wie in einem Horrorfilm gewesen sein. Auf der einen Seite eine Gruppe von Menschen, die noch Sekunden vorher gemütlich Geburtstag gefeiert hat und jetzt panisch die Eingangstüren des Hostels verbarrikadiert. Am anderen Ende der Türklinke ein 23-jähriger Mann, bewaffnet mit einer Machete und offenbar rasend vor Wut, der kurz zuvor schon mehrere Verwandte schwer verletzt hat und sich jetzt mit Gewalt auch noch Zutritt zum Geburtstagssaal verschaffen will.

Nach dem blutigen Machetenangriff vom Samstagabend kommen immer mehr Details zum Tathergang ans Licht. Die ersten Ergebnisse der rund 30 Mann starken Ermittlungsgruppe belegen, wie dramatisch die Situation in dem Berghotel und der Jugendherberge im sonst so idyllischen Trettachtal für alle Beteiligten war – und wie die Geburtstagsgesellschaft offenbar noch mehr Verletzte verhinderte.

Der 23-Jährige aus Memmingen hat mittlerweile vor dem Haftrichter zugegeben, in voller Tötungsabsicht gehandelt zu haben. Warum er seine Verwandten umbringen wollte, ist noch nicht geklärt. Aufgrund von psychischen Problemen war der wegen Körperverletzungsdelikten amtsbekannte Mann in der Vergangenheit bereits mehrfach in Behandlung. Die Polizei geht davon aus, dass die psychische Konstitution auch für den Gewaltexzess am Samstag zumindest „mitentscheindend“ gewesen sei.

Gegen 16 Uhr soll der 23-Jährige mit dem Zug in Oberstdorf angekommen sein. Die 7,5 Kilometer zu dem Hostel, dem späteren Tatort, legte er zu Fuß zurück. In einem Gebäude fand er die Tatwerkzeuge, eine Machete sowie ein Stichwerkzeug (Ahle), und versteckte sich dort bis 21.45 Uhr. Dann drang er in die Jugendherberge ein und eröffnete die regelrechte Jagd auf seine Verwandten – mit gravierenden Folgen. Der 26-jährige Bruder: schwer verletzt. Der 26-jährige Cousin: schwer verletzt. Und auch seinen 59 Jahre alten Onkel, der das an die Jugendherberge angrenzende Berghotel leitet, malträtierte der 23-Jährige mit der Machete. Eine weitere Frau wurde leicht verletzt.

Einige der angegriffenen Verwandten konnten fliehen. Da der 23-Jährige mit seinem Gewaltexzess aber offensichtlich noch nicht am Ende war, landete er schließlich vor der Tür der Geburtstagsgesellschaft. Für die rund 35 Personen aus dem Großraum Aachen ein Schock. Etwa 20 Minuten lang habe der Mann laut Zeugenaussagen versucht, die Türen aufzudrücken. „Das müssen dramatische Szenen gewesen sein“, sagt Polizeisprecher Christian Owsinski. Zumal die Gäste lange keinen Notruf abgeben konnten. Der einfache Grund: Sie befanden sich in einem Funkloch. „Der Hilferuf ist nach ersten Erkenntnissen dann per Festnetz eingegangen“, erklärt Owsinski.

Den genauen Ablauf gilt es nun zu rekonstruieren. Ein Großteil der Geburtstagsgäste ist nach dem Vorfall umgehend abgereist. Ihre Zeugenaussagen werden dann entweder auf der zuständigen Dienststelle vor Ort aufgenommen, „oder unsere Kripo wird hochfahren“, so Owsinski. Polizeipräsident Werner Strößner dankte allen Personen, die den Täter am Eindringen gehindert haben „und damit möglicherweise noch schrecklichere Folgen verhindert haben“.

Dominik Göttler

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